Schorndorf

Schorndorfer Schulleiter sind besorgt

Abitur 2018 - Prüfungsstart in Schorndorf_0
Abitur 2018 - Prüfungsstart in Schorndorf. © ZVW/Danny Galm

Schorndorf. Die letzten Abi-Prüfungen verschickte das Kultusministerium in Papierform per Kurier an die Schulen. In Zukunft sollen die Gymnasien einen USB-Stick mit den Aufgaben bekommen und sie selbst ausdrucken. „Das birgt neues Fehlerpotenzial“, sagt Markus Wasserfall, der Rektor des Max-Planck-Gymnasiums. Auch Jürgen Hohloch vom Burg-Gymnasium sorgt sich.

Die Abitur-Prüfungen am Max-Planck-Gymnasium sind nicht nur für die 70 Abiturientinnen und Abiturienten eine aufregende Sache. In diesem Jahr könnte es auch für die beiden Rektoren der beiden Schorndorfer Gymnasien besonders knifflig werden. Das Kultusministerium will vor der kommenden Abitursprüfung USB-Sticks mit den Prüfungen an die Schulen verschicken.

Am Tag der Prüfung sollen sie um 6 Uhr einen Entschlüsselungscode für die Datenträger bekommen. Bis Prüfungsbeginn um 9 Uhr bleiben den Schulen dann drei Stunden, um die Aufgaben auszudrucken, zu tackern und zu überprüfen. „Am MPG haben wir zwei Kopiergeräte, die dafür geeignet wären“, sagt Wasserfall. Er fürchtet die Fehlerquellen, die durch diese Umstellung auftreten könnten. Für das Fach Deutsch bedeutet die Umstellung beispielsweise, dass fast 1500 Blätter bedruckt und für 70 Schülerinnen und Schüler entsprechend zusammengetackert werden müssen.

Fehlerquellen gibt es einige: Drucker könnten ausfallen, USB-Sticks könnten funktionsunfähig sein oder auch Papier in den richtigen Farben könnte fehlen.

Neue Regelung für die Fächer Englisch, Deutsch, Mathe und Französisch

Am Morgen der Prüfung sitzt der Schulleiter am Telefon und Rechner, während die Fachlehrer die Prüfungen durchschauen, ob sich darin Fehler verbergen. Wenn das der Fall ist, dann müssen diese schnell ausgetauscht werden.

Während die neue Regelung für die Fächer Englisch, Deutsch, Mathe und Französisch kommt, werden die Aufgaben für die Nebenfächer auch weiterhin auf Papier verschickt, sagt Wasserfall. Ihm wäre es lieber, das Ministerium wäre beim alten System geblieben. Für die neue Planung wurden die Prüfungen um eine Stunde verschoben, sagt Wasserfall. Er fürchtet, dass darunter die Konzentration der Schüler leiden könnte, und spricht vom „Mittagstief“, in das die Schüler nach 13 Uhr fallen. Besonders bei der Deutsch-Prüfung könnte das ein Problem sein. Sie dauert am längsten.

Gewerkschaft kritisiert das Vorgehen massiv

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Vorgehen massiv. Auch sie stört sich daran, dass es eine Verschiebung der Prüfungszeiten geben soll und dadurch zusätzlicher Unterricht ausfallen wird. Außerdem kritisiert die Gewerkschaft, dass die Umstellung eine Mehrarbeit für die Lehrkräfte bedeutet und das Prozedere für zusätzlichen Stress in der Vorbereitungsphase sorgt.

Auch der Schulleiter des Burg-Gymnasiums, Jürgen Hohloch, ist nicht begeistert. An seiner Schule schreiben sogar 100 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur in diesem Jahr. Seine Schule verfügt wie das Max-Planck-Gymnasium über zwei Drucker. „Wenn einer ausfällt, dann könnte es knapp werden“, sagt er. Die Anspannung an diesem Tag ist ohnehin groß, so der Schulleiter.

Grund für die Änderung des Verfahrens war offenbar das Risiko, dass die Aufgaben vor den Prüfungen geklaut werden könnten. 2017 wurde der Safe mit den Abiturprüfungen im Solitude-Gymnasium in Stuttgart aufgebrochen und die Prüfungen wurden entwendet.

Testlauf des Kultusministeriums

In der vergangenen Woche lief in Baden-Württemberg ein Testlauf an 40 von 380 Gymnasien, ob sich der bisherige Plan umsetzen lässt. Ein Sprecher des Kultusministeriums teilte mit, dass die ersten Rückmeldungen der Schulen positiv gewesen seien. Eine abschließende Bilanz will das Ministerium aber in der kommenden Woche ziehen. Auch der Philologenverband kritisiert das Vorgehen des Kultusministeriums, hofft aber, dass die Prüfungen zumindest am Vortag digital vorliegen und nicht erst kurz vor Prüfungsbeginn.

Im vergangenen Jahr haben die beiden Gymnasien zusammen in einer Sporthalle das Abitur geschrieben, in diesem Jahr schreibt jede Schule wieder für sich die Prüfungen.