Schorndorf

Schorndorfer Schulleiterin verteidigt Hauptschulabschluss an der Realschule

DaimlerRealschuleRektorin
Beate Flemming-Nikoloff, Schulleiterin der Gottlieb-Daimler-Realschule, spricht sich – trotz des Mehraufwands fürs Kollegium – für die Beibehaltung von zwei Niveaustufen in den Realschulen aus. © Gaby Schneider

Unterricht auf zwei Niveaustufen gibt es an Realschulen, seitdem dort auch der Hauptschulabschluss gemacht werden kann. Ein Konzept, das nicht allen gefällt: So hat der baden-württembergische Realschullehrerverband unlängst nicht nur eine Rückkehr zum Unterricht ausschließlich auf dem mittleren Bildungsniveau gefordert, sondern auch zur verbindlichen Grundschulempfehlung. Mit dieser Rückbesinnung auf vergangene Zeiten solle die Schulart „als tragende Säule des Wirtschaftsstandorts“ gestärkt werden. Von diesem Früher-war-alles-besser-Vorstoß ist Beate Flemming-Nikoloff, Schulleiterin der Gottlieb-Daimler-Realschule, wenig überzeugt. Sie hält die Idee für „unrealistisch“ – und fragt: „Wo sollen die Kinder denn hin?“

65 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind mit Realschulempfehlung auf der Gottlieb-Daimler-Realschule, 20 Prozent mit Gymnasialempfehlung und 15 Prozent mit Werkrealschulempfehlung. Im ganzen Rems-Murr-Kreis, gibt Beate Flemming-Nikoloff zu bedenken, gibt es aber nur noch drei Werkrealschulen – und zwar in Rudersberg, Plüderhausen und Alfdorf. Gleichzeitig ist der Wechsel auf eine Gemeinschaftsschule, das weiß die Realschulrektorin aus vielen Gesprächen, für Eltern nicht unbedingt eine Alternative: Sie sind vom Ganztagskonzept und der pädagogogischen Ausrichtung der Gemeinschaftsschulen, die von den Schülerinnen und Schülern viel Selbstständigkeit und -organisation verlangen, nicht wirklich überzeugt.

Zwei Niveaustufen – und viel Förderung in der Orientierungsstufe

Die Gottlieb-Daimler-Realschule setzt dafür auf mehr Förderung vor allem in der Orientierungsstufe in der fünften und sechsten Klasse, in der noch ausschließlich auf dem mittleren M-Niveau unterrichtet wird. Zusätzliche Deutsch- und Mathestunden sowie Unterricht in geteilten Klassen sollen die Schülerinnen und Schüler fitmachen für die Realschullaufbahn. Und die Strategie scheint aufzugehen: „Das Konzept ist erfolgreich“, sagt Beate Flemming-Nikoloff und beziffert den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die im G-Niveau auf einen Hauptschulabschluss zusteuern, in der Gottlieb-Daimler-Realschule auf 5,7 Prozent. „Das bedeutet, dass drei Viertel aller Schüler, die mit Werkrealschulempfehlung bei uns angemeldet werden, durch unsere Fördermaßnahmen ins M-Niveau gebracht werden“, sagt die Rektorin, der es aber auch wichtig ist, zu betonen: „G-Niveau-Kinder sind nicht dümmer, aber vielleicht nicht so gut strukturiert.“

Im laufenden Schuljahr: Wechsel von 22 Gymnasiasten auf die Realschule

Womit die Gottlieb-Daimler-Realschule auch noch klarkommen muss, sind die vielen Schülerinnen und Schüler, die vom Max-Planck- oder Burg-Gymnasium vor allem in der Orientierungsstufe runterwechseln. Im Schuljahr 2020/21 waren’s insgesamt 41, im laufenden Schuljahr bereits 21. Viele von diesen Schülerinnen und Schülern, weiß Beate Flemming-Nikoloff aus Elterngesprächen, hatten in der vierten Klasse eine Empfehlung für die Realschule – und wollten oder sollten es „mal versuchen auf dem Gymnasium“.

Dabei, das gibt die Rektorin zu bedenken, können dank der beruflichen Gymnasien auch Realschülerinnen und -schüler nach der Mittleren Reife noch zum Abitur kommen – ohne frustrierende Scheiter-Erfahrung: „Die Pubertätsklippe lässt sich in der Realschule leichter überwinden“, ist Beate Flemming-Nikoloff überzeugt und will Gymnasiasten künftig erst nach der Orientierungsstufe in der fünften und sechsten Klasse aufnehmen, um nicht ständig neue Schülerinnen und Schüler in die Klassen integrieren zu müssen, sondern in der siebten Klasse eine Extra-Klasse bilden zu können.

Problematisch, auch das sollten Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule bedenken, ist der Übergang vom Gymnasium auf die Realschule etwa in der achten Klasse, wenn die Wahl bei der zweiten Fremdsprache im Gymnasium nicht auf Französisch, sondern auf Latein gefallen ist: Ein Einstieg in die Wahlpflichtfächer „Technik“ und „Alltag-Ernährung-Soziales“ ist in den höheren Klassen kaum möglich, weil der Unterrichtsstoff eigenständig nachgeholt werden muss.

Unterricht auf zwei Niveaustufen gibt es an Realschulen, seitdem dort auch der Hauptschulabschluss gemacht werden kann. Ein Konzept, das nicht allen gefällt: So hat der baden-württembergische Realschullehrerverband unlängst nicht nur eine Rückkehr zum Unterricht ausschließlich auf dem mittleren Bildungsniveau gefordert, sondern auch zur verbindlichen Grundschulempfehlung. Mit dieser Rückbesinnung auf vergangene Zeiten solle die Schulart „als tragende Säule des Wirtschaftsstandorts“ gestärkt

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