Schorndorf

Schorndorfer Vätergruppe hat sich schon etabliert

Vätergruppe Schorndorf (2)
Dr. Ralf Brügel (links) und Leonhard Fromm im Gespräch mit zwei Männern aus der Vätergruppe Schorndorf. © Weirauch

Andreas (57) versucht, Worte zu finden, warum er in die Schorndorfer Vätergruppe kommt. Er hat eine Tochter, häufig Auseinandersetzungen mit ihr, versucht sie zu verstehen: „Da schwimme ich so durch die Gegend“, gibt er zu. „Ich möchte aber auch selber zu mir finden, schauen, wo ich gerade stehe.“ In einer seiner Lebenslagen richtig handeln, das wünsche er sich. „Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht“, wirft Gestalttherapeut und Männercoach Leonard Fromm ein. Und schon ist man mitten im Gespräch.

Im April hatte sich die Schorndorfer Vätergruppe zum ersten Mal getroffen – basierend auf einer Idee des Kinderarztes Dr. Ralf Brügel und des Gestalttherapeuten Leonhard Fromm (wir berichteten). „Aus einem Interessentenkreis von knapp 30 Vätern, die wir monatlich anschreiben, kommen nun dauerhaft acht bis zwölf“, berichtet Leonard Fromm.

Dabei habe sich gezeigt, dass die Männer sich nicht nur mitteilen wollen, sondern es auch schätzen, wenn sie hinterfragt werden und dabei neue Einsichten über sich selbst gewinnen.

Keiner hat beim ersten Treffen die Flucht ergriffen

Hemmschwellen? Zurückhaltung? – Nein, das habe man bei dem ersten Treffen überhaupt nicht gespürt. Keiner habe die Flucht ergriffen. Warum Axel (46) die Vätergruppe aufgesucht hat? „Zunächst einmal war ich neugierig, und habe angefragt, was mich da erwarten könnte.“ Jetzt sei er froh, dass er „vorbeigeschaut hat“ und sich mit anderen austauschen kann. Jürgen (42) ist durch den Artikel in den Schorndorfer Nachrichten auf die Vätergruppe aufmerksam geworden. Drei Töchter im Alter zwischen sieben und zwölf hat er. Die Zeit der Pubertät beschäftigt ihn – mal mehr, mal weniger, sagt er lachend.

Beratend und helfend möchten Brügel und Fromm tätig sein. Dabei gehe es bei den Treffen nicht immer um die Lösungsfindung, sagt Axel. Vielmehr helfe auch einfach „nur in der Runde zu sitzen und zuzuhören“. Ein Erfahrungsaustausch solle es zusätzlich sein, „ohne dass man hier mit einer Lösung herausspaziert“, ergänzt Leonard Fromm.

Ralf Brügel berichtet, dass er in seiner Praxis nahezu täglich erlebe, wie Väter oder auch Mütter mit Themen überfordert seien, mit denen sie in der Kindererziehung konfrontiert sind.

Das reiche vom schreienden oder verschlossenen Kind über Essstörungen und Panikattacken bis zum weiblichen Teenager, der sich ritze. Das könnten mögliche Themen sein, über die Väter sprechen möchten. Ganz ähnliche Erfahrungen macht auch Leonhard Fromm, der in Einzeltreffen und in Gruppen mit Männern arbeitet.

Es hilft, über vieles zu reden

Die drei vergangenen Treffen der Schorndorfer Vätergruppe habe man durchweg positiv erlebt, erzählt Brügel: „Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre und geht meist um die Themen, die alle kennen: Familie, Stress mit dem Partner, mit den Kindern, berufliche Aspekte und, und, und.“ Es gebe selten etwas, was keinen betrifft. Die Väter sagen, es helfe, über vieles zu reden – denn es werden Dinge angesprochen, die entweder noch nicht jeder durchlebt hat, aber zumindest schon mal von ihnen gehört hat, oder der sie durchgemacht hat und dann darüber spricht.“

Es geht beispielsweise um Diskussionen mit Kindern, die abends nicht ins Bett wollen, genauso um die pubertierenden Jugendlichen, die mit Debatten über das „zu späte Nachhausekommen“ so manchen Vater in den Wahnsinn treiben.

Wegen einer Renovierung in der Praxis von Ralf Brügel ändert sich vorübergehend der Ort für die kommenden Treffen (es wird dann der Treffpunkt Familie, Mittlere Uferstr. 68). Die Zeit bleibt: Treff einmal im Monat für zwei Stunden. „Aber da sich die Männer ohnehin anmelden müssen, bekommt jeder die Info, die er braucht“, sagt Fromm. Alle Väter, die im Verteiler seien, werden etwa fünf Tage vor dem Termin angeschrieben: „Sie melden sich dann an und wir bestätigen den Platz beziehungsweise würden mitteilen, dass die maximale Zahl 16 bereits erreicht ist.“

Ab Herbst werde man vermutlich die maximale Anzahl auf zehn herabsetzen. „Eventuell bieten wir dann auch noch eine zweite Gruppe an“, so der Plan.

Andreas (57) versucht, Worte zu finden, warum er in die Schorndorfer Vätergruppe kommt. Er hat eine Tochter, häufig Auseinandersetzungen mit ihr, versucht sie zu verstehen: „Da schwimme ich so durch die Gegend“, gibt er zu. „Ich möchte aber auch selber zu mir finden, schauen, wo ich gerade stehe.“ In einer seiner Lebenslagen richtig handeln, das wünsche er sich. „Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht“, wirft Gestalttherapeut und Männercoach Leonard Fromm ein. Und schon ist man mitten im

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