Schorndorf

Schorndorfer Verein Sonafa: Acht Klassenzimmer in Benin komplett saniert

Sonafa
Haben schon viele Projekte umgesetzt: Lothar Klering (links) und Mensah Wekenon Tokponto vom Sonafa-Vorstandsteam. © Ralph Steinemann Pressefoto

Im Oktober 2020 hatte der Schorndorfer Gemeinderat ohne Gegenstimmen beschlossen, die Arbeit des in Schorndorf ansässigen Vereins „Sonafa – eine bessere Zukunft für Menschen in Benin“ in den drei folgenden Jahren mit jeweils 7000 Euro zu unterstützen. 2022 wurden nun mit der ersten Schorndorfer Spende im College Goho (mit rund 835 Schülern in den Klassenstufen 7 bis 13) Klassenzimmer fertiggestellt und der Gemeinde übergeben. „Die Kinder sind so stolz, und freuen sich nun, in diesen neuen Räumen Unterricht zu bekommen“, erzählen Lothar Klering und Mensah Wekenon Tokponto vom Sonafa-Vorstandsteam. Ende Juli habe man die acht komplett fertig renovierten Klassenzimmer eingeweiht. „Es war ein großes Fest mit der ganzen Dorfgemeinschaft. Es wurde getanzt und gefeiert. Auch Vertreter des Schulamtes der Region waren dabei und die Schüler haben ein Theaterstück aufgeführt“, erzählt Tokponto, der gerade einige Tage in Schorndorf verweilt und anschließend in einigen Städten unterwegs ist, um Vorträge zu halten und um weitere Vereine zu besuchen, die Benin ebenfalls unterstützen.

Unterbrechung des Unterrichts durch Schlangen

Lothar Klering, bis 2017 Lehrer am Max-Planck-Gymnasium (MPG), engagiert sich seit gut 14 Jahren in dem von der Schorndorfer Lehrerin Ute Pohlmann und Mensah Wekenon Tokponto gegründeten Verein. Dazugekommen ist er über die Märchen, die Tokponto vor Jahren einmal in seiner Deutschklasse am MPG erzählte. Sonafa bedeutet in der Sprache der Fons: Morgen wird es besser. Und dazu trägt der Verein Sonafa seit dem Jahr 2003 bei: Mehr als 140 Klassen- und Lehrerzimmer hat er mit Hilfe von Spenden bereits gebaut. Der Verein unterstützt die Bildungsarbeit in Benin gemeinsam mit lokalen Partnern vor Ort und berichtet gerne über die Arbeit, die ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Der Verein hat bereits 2018 in fünf Dörfern gemeinsam mit den Dorfbewohnern 15 Klassenzimmer gebaut.

2019 wurden in insgesamt neun Dörfern 15 Klassenzimmer und zwei Lehrerzimmer errichtet und 13 alte Klassenzimmer komplett renoviert. Außerdem hat Sonafa in drei Dorfgrundschulen je eine Toilettenanlage mit vier Kabinen gebaut. Über eine Spende konnte der Verein 400 beninische Märchenbücher als Lesebücher finanzieren, die im Mai 2019 an weiterführende Schulen, die Sonafa seit fünf Jahren ebenfalls baut, übergeben werden.

Alles wichtige Maßnahmen in einem Land, in dem Kinder oft viele Kilometer bis zu ihrer Schule zurücklegen müssen und in dem ein Schulbesuch während der Regenzeit oft nicht möglich ist.

Rohbauten ohne Boden

Oft sind es kleine Hütten – Rohbauten, ohne richtigen Boden, ohne Fenster und Türen, ohne Verputz, in denen die Kinder unterrichtet werden. „Die Böden sind so kaputt, dass Verletzungsgefahr besteht“, erläutert Tokponto. Der Unterricht müsse immer wieder unterbrochen werden, da beispielsweise Schlangen in die Hütten kommen, weil es ja keine Türen gibt.

Das Schulgebäude in Goho sei nun ein richtiges Schmuckstück geworden, ergänzt Lothar Klering, der bei der Einweihungsfeier im Juli dabei war. Er zeigt auf ein Foto: Ein Schulgebäude ist zu sehen, mit einem blauen Dach, orangefarbener Mauer und mit der Aufschrift „Bâtiment Refectionné Avec le Don De: Stadt Schorndorf, CEG Goho Avril 2022“. Acht Klassenzimmer seien dank der Spende der Stadt Schorndorf komplett fertig renoviert worden. Im kommenden Jahr werde man die Spenden in weitere Räume, die sich im Moment noch im Rohbau befinden, investieren. „Wir haben noch weitere Projekte, aber wir wollen in dieser Schule erst mal alles abgeschlossen haben, was wir uns vorgenommen haben“, sagt das Vorstandsteam. Als Dank an die Stadt Schorndorf für die Spende hat der Verein dem Ersten Bürgermeister Thorsten Englert ein Geschenk des College übergeben: eine große Landkarte von Afrika aus Stoff.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, das ist auch auf der Internetseite von Sonafa zu lesen, „lebt von der Landwirtschaft, 34 Prozent sind in Dienstleistungsbetrieben beschäftigt. Die Wirtschaft ist wenig entwickelt und besondere Rohstoffvorkommen gibt es nicht.“

Mangelhafte Schulbildung

Als Haupthindernis der gesellschaftlichen Entwicklung gilt die mangelhafte Schulbildung, die Analphabetenquote liegt bei 70 Prozent. Um dem abzuhelfen, setzt sich vor allem Mensah Wekenon Tokponto, der an der Universität in Abomey-Calavi eine Germanistik-Professur innehat und jedes Jahr zu Vorträgen, Kolloquien und Märchenstunden in Deutschland weilt, über die Maßen ein. Da Tokponto in Saarbrücken studiert hat und mit einem Stipendium an der Universität Bielefeld seine Doktorarbeit über einen Vergleich der Grimm’schen Märchen mit denen seines Volkes Fons schreiben konnte, hat er nicht nur in Schorndorf, sondern auch in Nordrhein-Westfalen viele Unterstützer.

In den vergangenen zwölf Monaten hat er nun sogar ein neues Buch geschrieben, um den Schülern in Benin ihre eigene Historie und Tradition im Unterricht näherbringen zu können. Tokponto: „Es ist auf Französisch geschrieben, weil das die Landessprache ist. Auf Deutsch übersetzt heißt der Titel des Buches: Märchen beninischer Völker mit pädagogisch-didaktischen Ansätzen – ein Schullesebuch für Lehrer und Lernende aller Stufen.“ Schüler hätten in ihren Dörfern kaum Zugang zu Büchern, Bibliotheken gebe es kaum.

Stolz berichtet Mensah Wekenon Tokponto auch von einer anderen Schule, einem Dorf ohne Strom- und Wasserversorgung: „Wir konnten mit Spenden ein weiteres Projekt unterstützen und haben alle Klassenräume dort mit Photovoltaik ausgestattet.“ Die Schulverwaltung habe einen Laptop und einen Drucker erhalten. „Sie sind so stolz, das ermöglicht bekommen zu haben, und sagen gegenüber anderen: Wir werden jetzt darum beneidet“, erzählt Tokponto und lacht. Seine Augen leuchten – ihm merkt man die Freude ebenfalls an, so viel Gutes tun zu können.

Was Lothar Klering noch am Herzen liegt: Der Verein Sonafa hat zwar seit 2003 stetig Mitglieder gewonnen, wünscht sich aber mehr. „Wir würden uns freuen, wenn wir junge Leute begeistern könnten, die sich für diese gute Sache engagieren möchten.“

Im Oktober 2020 hatte der Schorndorfer Gemeinderat ohne Gegenstimmen beschlossen, die Arbeit des in Schorndorf ansässigen Vereins „Sonafa – eine bessere Zukunft für Menschen in Benin“ in den drei folgenden Jahren mit jeweils 7000 Euro zu unterstützen. 2022 wurden nun mit der ersten Schorndorfer Spende im College Goho (mit rund 835 Schülern in den Klassenstufen 7 bis 13) Klassenzimmer fertiggestellt und der Gemeinde übergeben. „Die Kinder sind so stolz, und freuen sich nun, in diesen neuen

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