Schorndorf

Schorndorfer Weststadt-Verein fordert einen Steg über Bahnlinie

Brücke über die Bahnhgleise
Fritz Schöbel (links) und Roland Veil machen sich für einen Steg über die Gleise zur Weststadt stark. © ALEXANDRA PALMIZI

In seiner Sitzung im April hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats den Bau eines Aufzugs an der Bahnunterführung in Richtung Vorstadtstraße beschlossen. Die Unterführung sei ein Frequenzbringer, hieß es im Ausschuss, der Aufzug werde gebraucht, der Fußgängerverkehr werde zunehmen. Das alles können Roland Veil und Fritz Schöbel vom Weststadtverein nur bestätigen. Seit 15 Jahren fordern sie beim Güterbahnhof einen Steg über die Bahnlinie, um den Bereich Neue Straße, Rosenstraße, Daimlerstraße an die Weststadt anzuschließen. Kein Wunder, dass der Verein die Investition in den Aufzug, die geschätzt bei 415.000 Euro lieht, mit großem Interesse zur Kenntnis genommen hat. Greifen doch aus Sicht des Vereins die Argumente für die verbesserte Querung an der Vorstadtstraße erst recht für den Bereich der Weststadt: „Die Geschäfte leiden sehr“, sagt Fritz Schöbel. Der Fußgänger-Steg, der einer bestehenden Planung des Vereins zufolge auf Höhe des Hotels an der Stadtmauer enden würde, könne die ersehnte Frequenz bringen: Das Gebiet jenseits der Bahnlinie, fordern sie, müsse endlich angeschlossen werden.

„In diesem Punkt fühlen wir uns abgehängt“

Wie berichtet, werden auf dem ehemaligen Breuninger-Gelände derzeit 230 Wohnungen gebaut. Im Zuge des Baus des neuen Wohngebiets „S’Lederle“ hatte sich der Bauträger „Instone Real Estate“ verpflichtet, die Bahnunterführung in Richtung Vorstadtstraße aufzuweiten und sie über eine Freitreppe ans neue Wohnquartier anzubinden. Weil die Rampe an der Unterführung zu steil und damit nicht rollstuhlgeeignet ist, hat der Technische Ausschuss dem Bau eines Aufzugs grünes Licht gegeben, den die Stadt finanzieren muss. Das ist ja alles gut und schön, sagt man angesichts dieser Investition nun in der Weststadt: Keiner wolle den Aufzug dort verbieten, niemand sei. Doch im Punkt einer Querung über die Gleise fühle man sich in der Weststadt total abgehängt. „Es geht um die gleichwertige Behandlung“, sagt der zweite Vereinsvorsitzende Fritz Schöbel.

Tatsächlich entstehen im Bereich Bismarkstraße derzeit ebenfalls 130 neue Wohnungen und weiterer Wohnraum wird zur IBA 27 auf dem ehemaligen Bauhofareal gebaut. Wünschenswert wäre die bessere Erreichbarkeit der Geschäfte, der Cafés und Restaurants in der Weststadt für die westlichen Nordstadtbewohner durchaus – und aus Sicht des Vereins auch machbar: „Mit einem Steg über die Bahnlinie im Bereich Rosenstraße/Güterbahnhof würden rund 4000 potenzielle Bewohner der westlichen Nordstadt wieder direkten Anschluss an die Altstadt/Weststadt bekommen“, argumentieren Roland Veil und Fritz Schöbel. Umgekehrt wären auch Betriebe der westlichen Nordstadt wieder fußläufig erreichbar – der Discounter Norma zum Beispiel, aber auch das Garni-Hotel Gruber, die Kaffeerösterei Rudolph und andere.

Dass sich Schorndorf im Spar-Modus befindet und ein Steg viel Geld kosten würde, weiß der Verein durchaus. Das aber sei nicht alles: „Es ist eine Etat-, aber auch eine Planungsfrage“, meint Roland Veil, der davon überzeugt ist, dass auch für den Steg irgendein Fördertopf gefunden werden könnte. Ein politischer Weg müsse doch möglich sein, der Druck auf Stadt und Gemeinderat erhöht werden. Versuche seitens der SPD-Fraktion, das Thema im Gemeinderat zu befördern, seien bisher allerdings im Sande verlaufen.

Besonders bitter finden das die beiden Vereinsvorsitzenden, da weiter östlich auf rund 400 Metern vier Querungsmöglichkeiten über die Bahngleise vorhanden sind, zwei davon mit Aufzügen auf beiden Seiten: angefangen bei der Arnold-Brücke über den Lidl-Steg, die Karlsplatzunterführung bis zur Bahnhofsunterführung. Westlich der Bahnhofsunterführung gibt’s aber erst nach 500 Meter eine weitere Querungsmöglichkeit, nämlich die Unterführung nahe dem Kino: „Die letzte Möglichkeit um fußläufig in die Altstadt/Weststadt zu gelangen“, kritisieren sie. Zudem sei der viel zu schmale Gehweg für Fußgänger, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer eigentlich eine Zumutung.

Bahnhofsunterführung soll barrierefrei werden

Den Frust kennt man auch bei der Stadtverwaltung. Gleichwohl macht Bürgermeister Thorsten Englert keine Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Der Wunsch des Vereins sei nachvollziehbar, aber nicht umsetzbar, sagt er auf Anfrage. Die Gründe: „Man bräuchte zwei Aufzüge, auf jeder Seite einen“, erklärt er. Auf der Nordseite würde dazu eine Fläche gebraucht, die nicht im Besitz der Stadt, sondern der Scala sei. Dieser Grundstückskauf wäre Englert zufolge nicht nur teuer, sondern würde auch lange dauern. Überhaupt die Kosten: Eine ältere Kostenschätzung kommt auf Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro für den Steg, die nach Meinung des Bürgermeisters heute aber nicht mehr reichen würden: „Stand heute wären wir bei drei bis vier Millionen Euro.“ In der mittelfristigen Finanzplanung ist der Steg beim Güterbahnhof deshalb nicht enthalten. Barrierefrei werden soll aber die Unterführung beim Bahnhof, kündigt Thorsten Englert an, wohl wissend, dass dies für den Weststadtverein kein Trost ist. Der gewünschte Steg sei Stand heute aber kein Thema, weil er nicht realisierbar sei.

In seiner Sitzung im April hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats den Bau eines Aufzugs an der Bahnunterführung in Richtung Vorstadtstraße beschlossen. Die Unterführung sei ein Frequenzbringer, hieß es im Ausschuss, der Aufzug werde gebraucht, der Fußgängerverkehr werde zunehmen. Das alles können Roland Veil und Fritz Schöbel vom Weststadtverein nur bestätigen. Seit 15 Jahren fordern sie beim Güterbahnhof einen Steg über die Bahnlinie, um den Bereich Neue Straße, Rosenstraße,

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