Schorndorf

Schorndorferin will Upcycling-Atelier eröffnen

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Momentan entstehen Ina Bühlers Kunstwerke noch in der eigenen Wohnung. Das soll sich ändern. © Alexander Roth
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Auf einer Schublade sitzen statt in einer zu stecken? Upcycling macht's möglich.
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Für ihre Modekollektion muss sie Stoffe zukaufen. "Es kommt zwar schon mal vor, dass eine alte Bettdecke zur Boxershort umgenäht wird - aber im großen Stil? Schwierig."
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Auch Dekoratives soll es im "INUBU Upcycling Atelier" zu kaufen geben.

Ina Bühler macht aus Dingen, die andere als Müll betrachten, Mode und Möbel, Nützliches und Dekoratives. Jetzt will sie in Schorndorf ein Ladengeschäft mit Atelier eröffnen. Dafür sucht sie Unterstützung: Auf einer Crowdfunding-Plattform sammelt sie Spenden, um ihren Traum verwirklichen zu können.

Um Ina Bühler (28) bei der Arbeit zuzuschauen, muss man momentan noch viele Treppen steigen. In ihrer Dachgeschosswohnung hat die Schorndorferin sich eine Werkstatt eingerichtet, in der sie kaputten, vergessenen und weggeworfenen Gegenständen ein zweites Leben ermöglicht. Mit etwas Fantasie und dem richtigen Werkzeug wird das alte Teeservice der Großmutter zur Etagere, die gläserne Salatschüssel zur Käseglocke und die Schublade zum Hocker umfunktioniert. Manchmal ist auch das Rattern der Nähmaschine zu hören. Dann arbeitet Ina Bühler an ihrer eigenen Modekollektion.

"Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft"

Was Ina Bühler momentan noch in ihrer Privatwerkstatt macht, nennt sich Upcycling. Dabei werden im Gegensatz zum bekannteren Recycling bereits bestehende Dinge nicht nur wieder-, sondern auch aufgewertet. Wie das Teeservice eben. "Der Grundgedanke dabei ist: Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft", erklärt die Schorndorferin. Sie versteht Upcycling als einen nachhaltigen Produktionsprozess, der nicht nur Emissionen, sondern auch Müll einspart. Doch nicht nur der ökologische Aspekt spielt für sie eine Rolle.

Ina Bühler ist gelernte Maßschneiderin. Durch ihre Arbeit hat sich ihr Blick auf Konsum - vor allem in der Textilbranche - völlig geändert: „Wenn man den Wert mancher Materialien erfährt, denkt man sich: Wow, da ist der Stoff ja schon teurer als der fertige Pulli. Und dann noch die Arbeit, die da drinnen steckt.“ Dazu komme der permanente Druck, immer neue Kleidungsstücke entwerfen zu müssen, damit die Geschäfte damit geflutet werden können. Aber braucht man wirklich so eine riesige Auswahl - geschweige denn ständig neue Kleidung?

Der Traum vom eigenen Geschäft

Nein, findet Ina Bühler. Sie produziert stattdessen lieber Unikate und Kleinstserien, die sie bald - zusammen mit ihren Möbeln, Haushaltsgegenständen und Accessoires - in einem eigenen Laden in Schorndorf verkaufen will: Dem "INUBU Upcycling Atelier". Geeignete Räumlichkeiten in der Innenstadt hat sie auch schon gefunden: Der Antiquitäten-Laden "The Drome" in der Kirchgasse. Zu Beginn teilt sie sich die Fläche noch mit dem jetzigen Besitzer Randolf Sandmann, der aber laut Bühler plant, Anfang nächsten Jahres das Feld zu räumen. "Wir verstehen uns sehr gut, er hat mir viel geholfen." Auch das mit der Finazierung sehe er nicht so eng, sagt Bühler - ein Punkt, an dem es momentan noch hapert.

Über die Crowdfunding-Plattform "leetchi.com" sammelt Ina Bühler deshalb Spenden. Für die Ladeneinrichtung zum Beispiel, für anfallende Gebühren, für Werbemittel. Stand Donnerstag: Nach etwa der Hälfte der Zeit kamen von den anvisierten 5000 Euro fast 1400 Euro zusammen. Ob sie ihr Ziel erreichen wird? „Das ist natürlich fraglich. Aber wenn es nicht klappt, muss ich eben improvisieren.“ Von ihrem Plan abbringen lassen will sie sich auf keinen Fall. Ihren Job hat sie bereits gekündigt, einen Plan B gibt es nicht. "Das Risiko muss ich jetzt eingehen."

Im März soll „INUBU Upcycling Atelier“ eröffnen, im Mai der dazugehörige Online-Shop. Ob nun noch mehr Geld zusammenkommt, oder nicht. „Ich hoffe einfach, dass die Schorndorfer den Laden gut annehmen.“


Begegnungsstätte mit angeschlossener Werkstatt

Das "INUBU Upcycling Atelier" soll - wie der Name schon sagt - nicht einfach nur ein Geschäft ein. Ina Bühler möchte unbedingt auch eine Werkstatt in den Räumlichkeiten einrichten. "Damit die Leute sehen, dass was g'schafft wird, dass die Sachen wirklich von Hand gefertigt werden." Außerdem ermutige das vielleicht andere, sich auch mal auszuprobieren.

Denn: Jeder kann mit einsteigen, ist die Schorndorferin überzeugt. Ihr Atelier hat sie deshalb als Begegnungsstätte konzipiert - Werkbank und Verkaufsräume sollen auch anderen offen stehen. "Ich hoffe, dass ich so viele neue Künstlerinnen und Künstler kennenlerne."

Schon jetzt hat sie Kontakt zu anderen Upcyclern. "Mein Nachbar baut zum Beispiel seit er in Rente ist Fahrradkörbe aus Holz." Und auch Geschäfte, die Upcycling-Produkte verkaufen, gibt es in Schorndorf schon: Teppich-Experte Dagobert Windolf vertreibt (auch über seine Website) aufgemotzte Jagdtrophäen und der Mexican Concept Store "Luna Viva" bietet in der Gottlieb-Daimler-Straße unter anderem Taschen an, die aus den Laschen von Getränkedosen gefertigt sind.