Schorndorf

Schorndorf: Installationen und Objekte der Pokorny-Preisträger in der Q-Galerie

Prokornypreistraeger
Kurz vor der Eröffnung der Ausstellung das Team des Kulturforums im Raum der Werke der süd-koreanischen Künstlerin Suah Im. © Gaby Schneider

Bodenlos. Wer hat gerade nicht das Gefühl, von Corona über den Ukraine-Krieg, Klimakatastrophen bis zu inflationären Versorgungsängsten, um seine/oder die Zukunft überhaupt zu fürchten? Was sollen, was können da die Künste? Nur Flitterwerk?

Zählende Kunst gibt unseren gestaltlosen Ängsten eine Form, und nur so werden sie bearbeitbar. Und die neue Ausstellung in der Q-Galerie des Kulturforums ist dafür ein zur rechten Zeit erscheinendes Paradebeispiel: Kunst, die unsere aktuelle Verlassenheit reflektiert - und poetisch provozierend auf eine sich entziehende Sinnlichkeit mit der Vision auf die Zukunft neuer Verkörperungen reagiert. Und damit dann doch Hoffnung, Trost und Stärke zugleich vermittelt.

Befehl und Gehorsam ohne Blickkontakt

Den Eingangsraum der Ausstellung hat die südkoreanische Künstlerin Suah Im gestaltet. Ein Albtraum-, ein Gespenster-Territorium. Im Zentrum stehen zwei unterschiedlich hohe Stoff-Popanze, aufgeblasene Monsterpüppchen mit scheinbar unterschiedlicher Macht. Das übergroße ganz mit lang heraushängender Zunge. Das kleinere ganz Ohr. Eins spricht. Eins hört. Aber beide haben keine Gesichter, keine Augen. Befehl und Gehorsam ohne Blickkontakt. Wie aktuell! Großer Phallus, kleiner Phallus. Hautfarbener Stoff; dahinter Corsage und Luft. Macht ist immer auch aufgeblasen. Dazu aber ruckeln diese Herr- und Knecht-Staffagen auf Sockeln hin und her. Als ob sie ihre vorgegebenen Rollen von Macht und Opfer hysterisch behaupten und zugleich abschütteln wollten.

Liebe? Vergiss es! Das ist das Thema der Preisträgerin Sabrina Schray in Kooperation mit Paula Kohlmann und der Gruppe CIS. Da ist ihre Installation von 27 aufgeschlagenen Büchern zum Thema Liebe auf einem Gestell am Boden. Wer lesen möchte, muss niederknien. Eine Geste der Demut, die man in der Ausstellung ohne Kissen vollführen muss, aber die sich allemal lohnt. Was gibt’s zu lesen? Wir bleiben hängen am Satz: „So widersetzt sich die Liebe dem neoliberalen ‘Können’ durch ein ‘Nicht-Können’.“ Liebe fehlt. Zum Niederknien zärtlich; grandios, wenn man es denn leben könnte.

Von faszinierend irritierender Schönheit auch der Episodenfilm „Dark Saily Soap“ der Künstlerin. Ein Liebesfilm ohne Menschen über die Ausgelöschtheit und Leere unserer Erinnerungen.

Ausstellung mit brennenden Fragen

Sabrina Schray gelingt eine Film-Liebesgeschichte, eine Soap, ohne Beziehung, ohne Gestalten, ohne Gesichter und ohne Geschichte. Nur über verlassene Interieurs und Landschaften. Genauso wie wir lieben. Blicklos. Am Ende das traurige Bild des versiegenden Abflussrohrs einer erotisch aufgeladenen Badewanne. Dann die Arbeiten von Valentino Berndt und Marlon Lanziner in Lichthof. Machtspiele, Liebesspiele, und am Ende das wahrscheinliche Verspielen unseres Planeten? Bei den Preisträgern Marlon Kai Zadok Lanziner und Valentino Berndt geht es in ihren Installationen um Mineral- und Erdgeschichte, in sagen wir neoschamanistischen Anordnungen von Pulvern und Gesteinen. Der Kosmos – daher das Wort „Kosmetik“ – könnte schön sein. Aber ist er als Projekt noch zu retten? Eine Ausstellung mit brennenden Fragen.

Bodenlos. Wer hat gerade nicht das Gefühl, von Corona über den Ukraine-Krieg, Klimakatastrophen bis zu inflationären Versorgungsängsten, um seine/oder die Zukunft überhaupt zu fürchten? Was sollen, was können da die Künste? Nur Flitterwerk?

Zählende Kunst gibt unseren gestaltlosen Ängsten eine Form, und nur so werden sie bearbeitbar. Und die neue Ausstellung in der Q-Galerie des Kulturforums ist dafür ein zur rechten Zeit erscheinendes Paradebeispiel: Kunst, die unsere aktuelle

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