Schorndorf

Schorndorfs vergessene Wirtshäuser

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„Restaurant Christian Böhringer“ auf einer Postkarte aus dem Jahr 1900. © Sammlung Schaukal

Schorndorf. Wo heute in der Volksbank Geldgeschäfte getätigt werden, waren von 1889 bis in die 1960er Jahre hinein Wirtsleute aktiv: angefangen mit der „Restauration Christian Böhringer“ bis zu Schorndorfs Bierkönig Karl Groß. Mit den Pächtern wechselte auch der Name. Dank Erhard Schaukals Recherchen lassen sich allerhand „Wirtshausgeschichten“ erzählen.



Wie seriös die Wirte an der Ecke Johann-Philipp-Palm- und Schulstraße gewesen sind, das ist nicht überliefert. Doch von welchen Wirten sich die Schorndorfer an dieser Stelle mit Bier und Wein verwöhnen ließen, das hat Erhard Schaukal, der sich seit 30 Jahren für die Schorndorfer Geschichte interessiert und eine große Sammlung historischer Postkarten hat, in seinen Recherchen schon herausgefunden.

Den Anfang in einer langen Reihe von Wirten machte Christian Böhringer. Nachdem er 1889 die „Gaststätte zum Bahnhof“, Karlsplatz 6, verkauft hatte, erwarb er das Anwesen an der Oberen Hauptstraße 6 (heute Philipp-Palm-Straße 39) und eröffnete eine Wirtschaft unter dem Namen „Restauration Christian Böhringer“. Er war bis 1908 der Wirt. Danach übernahm nach Schaukals Recherchen Rosine Böhringer, geb. Grauer, die Restauration. Nur ein Jahr später war Sohn Christian Böhringer an der Reihe.

Neueröffnung mit Hofbräu-Bier, Rehbraten und Spätzle

Zehn Jahre später, im Jahr 1919, kaufte Friedrich Pfulb das Gebäude und änderte den Namen in „Restaurant Pfulb“. Von 1927 bis 1929 war der Wirt des Hotels Krone Pächter, danach übernahm bis 1934 wieder Friedrich Pfulb. Dann ist Theodor Röck als Pächter genannt. Im Jahr 1937 übernahm Karl Angele mit Ehefrau Amalie die neue „Gaststätte Pfulb“ und kündigte die Eröffnung im Oktober mit einer Zeitungsanzeige an: Es gab Spezialbier der Stuttgarter Hofbräu A. G. , Rehbraten mit Spätzle.

Nach dem Krieg kaufte Angele das Gebäude. Im Obergeschoss war die Frauenarzt-Praxis Dr. Greven untergebracht. 1947 übernahm Angeles Tochter Amalie Lenz die Gaststätte, die im Lauf ihrer Geschichte noch weitere Pächter erlebte. Einer kam sogar aus Reutlingen: Als Hutfabrikant August Sommer als Vorstand des VfL Schorndorf im Jahr 1955 für die Fußballmannschaft Verstärkung suchte, fand er in Reutlingen den Koch Hans Kilian. Von 1955 bis 1957 war er Pächter und kickte für den VfL.

Der Bierkönig von Schorndorf

Für kurze Zeit übernahm ein Wirt mit Namen Schmid, bis schließlich im Februar 1959 Karl Groß, der Bierkönig von Schorndorf, von der Weinstube Brenzinger auf die Gaststätte wechselte, die mittlerweile auch ihren Namen in „Gasthaus zum Schloss“ geändert hatte. Karl Groß blieb bis 1965. Dann kaufte die Volksbank das Gebäude, riss es ab und baute sich einen modernen Neubau.


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Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, Erinnerungen an das „Restaurant Pfulb“ beziehungsweise „Gasthaus zum Schloss“ oder andere Schorndorfer Wirtshäuser haben: Sie erreichen die Redaktion unter 07181 / 92 75 11, auf dem Postweg an Schorndorfer Nachrichten, Oberer Marktplatz 4, 73614 Schorndorf oder per E-Mail an schorndorf@zvw.de.