Schorndorf

Schritt für Schritt zum neuen Stadtviertel

Schritt für Schritt zum neuen Quartier - Breuninger Areal_0
Bis auf das alte Gasthaus wird im neuen Breuninger-Areal nichts mehr an die alte Lederfabrik erinnern. © Formart

Schorndorf. Im Mai vergangenen Jahres hat sich der Gemeinderat mit einem 19:14-Votum für die Formart GmbH & Co. KG als Investor fürs Breuninger-Areal entschieden – und jetzt im Technischen Ausschuss den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Damit auf dem 1,3 Hektar großen Gelände der ehemaligen Lederfabrik bis Ende 2022 insgesamt 178 Wohnungen sowie Gewerbeflächen entstehen können, muss das Gebiet neu geordnet werden.

Das Breuninger-Areal – zwischen Mühlgasse, Vorstadt- und Heinkelstraße gelegen – nimmt in Schorndorf eine stadtgestalterische Schlüsselposition ein – mit attraktiven Nutzungsmöglichkeiten: 178 Wohnungen sollen dort bis Ende 2022 entstehen, dazu fast 3000 Quadratmeter Gewerbeflächen, von denen bereits der größte Teil für einen Lebensmittelhändler reserviert ist.

Das Verfahren ist umfangreich

Es soll ein Stadtquartier entstehen, „in dem eine hohe Dichte bei zugleich städtebaulicher Qualität entsteht und eine Durchmischung von unterschiedlichen Wohnformen für verschiedene Zielgruppen gewährleistet wird“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Damit der Investor aus Essen, der mittlerweile in der Instone Real Estate Development GmbH aufgegangen ist, diese Idee realisieren kann, braucht es einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der nach Paragraf 13 a, Baugesetzbuch, im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden soll.

Dafür hat sich die Stadt vom Stuttgarter Büro Baldauf Architekten und Stadtplaner GmbH Unterstützung geholt. Zeigt doch schon die 425 Seiten dicke Beschlussvorlage – mit Abschätzung der Umweltbelange, artenschutzrechtlicher Relevanzuntersuchung, Verkehrsuntersuchung, schalltechnischer Untersuchung, baugeologischem Gutachten sowie Vorhaben- und Erschließungsplänen –, die die Mitglieder des Technischen Ausschusses in der Sitzung vor sich auf den Tischen liegen hatten: Das Verfahren ist umfangreich.

Baubeginn: 2020/21, geplante Fertigstellung: Ende 2022

Ambitioniert ist auch der Zeitplan: Stimmt der Gemeinderat zu, wird als nächster Schritt der Auslegungsbeschluss folgen. Im April 2019 rechnet Beier mit dem Satzungsbeschluss, vor dem freilich noch ein Durchführungsvertrag mit dem Investor geschlossen werden muss. 2020/21 soll Baubeginn sein.

Mit der Fertigstellung rechnet die Stadt für Dezember 2022: Im nördlichen Teil, erläuterte Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, wird der Wohnbereich entstehen mit bis zu fünf Geschossen. Der mittlere Teil des Areals wird für Wohnen und Einzelhandel reserviert sein und zur Heinkelstraße hin wird es Einzelhandel geben.

Die Zufahrt – auch zur Tiefgarage – wird über die Mühlgasse erfolgen. Weil die schalltechnischen Untersuchungen eine Belastung ergeben haben, braucht es Lärmschutzmaßnahmen. Das Verkehrsgutachten aber, erläuterte Beier, hat ergeben, dass auf eine zusätzliche Linksabbiegespur in der Heinkelstraße verzichtet werden kann.

Chefplaner Manfred Beier:„Es wird deutlich attraktiver“

Und konnten die Ausschussmitglieder dem jetzt vorgelegten Aufstellungsbeschluss auch alle zustimmen, Fragen und Anmerkungen gab es in der Sitzung dann doch: Ist für Grünen-Rat Andreas Schneider eine prognostizierte Zunahme des Verkehrs von 14 bis 29 Prozent „erheblich“, liegt für Chefplaner Beier Verkehrsbelastung auch immer im subjektiven Ermessen.

In der objektiven Betrachtung der Gutachter, konstatierte Beier, „ist’s wenig“. Und auch die Lärmbelastung wird dort – mit Biergarten, Bahnlinie, Heinkelstraße und Anlieferverkehr für die Lebensmittelhändler – „nicht wie im reinen Wohngebiet sein“.

Woher das parkartige Grün in den Plänen komme, wollte Schneider dann auch noch wissen – zeichnet sich das Vorstadt-Quartier in seiner (Kindheits-)Erinnerung doch vor allem durch asphaltierte Innenhöfe aus. Die grünen Bereiche, erläuterte Beier, liegen alle auf der überplanten Fläche. Die Gebäude werden – im Vergleich zur jetzigen Bebauung – Richtung Osten rücken. Beier versprach: „Es wird deutlich attraktiver.“

FDP/FW-Rat Konrad Hofer: „Das schadet Schorndorf“

CDU-Rat Manfred Bantel interessierte sich für die Zahl der erforderlichen Stellplätze und ob fürs Breuninger-Areal womöglich der ÖPNV-Rabatt greife. Um Stellplätze wird es, antwortete Beier, erst im Baugenehmigungsverfahren gehen.

Ein Stellplatz-Rabatt wegen der Nähe zum Bahnhof greift aber grundsätzlich nur für Gewerbe, „nicht für Wohnungen“. Und obwohl FDP/FW-Rat Konrad Hofer froh ist, dass es weitergeht, trauert er schon jetzt dem Fabrikkamin nach – und ist überzeugt: „Das schadet Schorndorf.“

Für die Stadt indes ist das Thema gegessen und mit der Entscheidung für die Formart GmbH & Co. KG sind der Erhalt und die Sanierung von historischen Gebäudeteilen vom Tisch: Das hätte die Daimlerstadt nur mit dem Investor Pflugfelder Immobilien aus Ludwigsburg haben können.

Schließlich regte CDU-Rat Klaus Dobler an, die Gebäude der alten Lederfabrik bereits jetzt abzureißen und die Fläche einzuschottern, um Parkplätze für die Gartenschau zu schaffen. Eine Idee, die für Wirtschaftsförderin Gabriele Koch zeitlich nicht zu realisieren ist: Der Bebauungsplan wird erst im Sommer 2019 fertig sein und der Abriss der alten Gebäude mit einem halben Jahr veranschlagt. „Aber“, beruhigte Koch, „wir haben andere Flächen.“


Der Investor

Mit 19 zu 14 Stimmen hat der Gemeinderat im Mai 2017 entschieden, dass der Investor Formart GmbH & Co. KG aus Essen den Zuschlag für die Realisierung des neuen Breuninger-Areals bekommt. Formart plant auf dem Areal der ehemaligen Lederfabrik Christian Breuninger, bei einer Investitionssumme von 63 Millionen Euro, lang gestreckte Neubauten mit 178 Wohneinheiten, einer Tiefgarage und einen Lebensmittelmarkt zu bauen. Von der alten Lederfabrik bleibt – bis auf ein Gasthaus – nichts erhalten.

Der reine Kaufpreis, bei dem Pflugfelder und Formart um etwa eine Million Euro auseinanderlagen, liegt unter zehn Millionen Euro, aber wiederum deutlich über dem, was die Stadt im Jahr 2015 für das Grundstück bezahlt hat (wir haben berichtet). Der Investor muss – zusätzlich zum Kaufpreis – auch für die Abbruch- und Entsorgungskosten aufkommen.

Mittlerweile ist die Formart GmbH & Co. KG – gemeinsam mit der GRK-Holding AG – in der Instone Real Estate Developement GmbH aufgegangen: Die Formart verfügt über langjährige Erfahrung bei der Planung und Entwicklung von komplexen Wohnquartieren und Apartmenthäusern, die GRK hatte ihren Schwerpunkt in der Entwicklung und Sanierung denkmalgeschützter Objekte.