Schorndorf

Schulen auf dem Weg zur Normalität

MPG start
Endlich wieder in der Schule: Die Schülerinnen und Schüler der 5c, im Englisch-Unterricht mit Timo Bader, sind froh, wieder ihre Freundinnen und Freunde treffen zu können, haben die viele freie Zeit während der Schulschließung aber auch genossen. © Gabriel Habermann

Endlich wieder Betrieb in den Schulen: Markus Wasserfall, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, ist, obwohl er das Schulhaus natürlich viel wuseliger und lebendiger kennt, die Erleichterung anzumerken, dass es irgendwie in Richtung Normalität geht. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden, ist im Moment – abgesehen von den Abiturienten und der Jahrgangsstufe 1 – allerdings nur die Hälfte der Fünft- bis Zehntklässler im Präsenzunterricht vor Ort. Alle anderen Schülerinnen und Schüler erledigen, bevor sie in der kommenden Woche mit Unterricht in der Schule dran sind, ihre Aufgaben zu Hause.

Wie ist der Schulalltag geregelt?

Aufgeteilt in A- und B-Gruppen haben am Max-Planck-Gymnasium alle Fünft- bis Zehntklässler bis zu den Sommerferien im wöchentlichen Wechsel noch drei Wochen Unterricht in der Schule und drei Wochen zu Hause. Da der Fokus auf den Hauptfächern liegt, sind die Schülerinnen und Schüler im Moment aber noch weit von den sonst üblichen 30 bis 36 Wochenstunden entfernt: Für alle Klassen wurden darum die Stundenpläne angepasst.

Um einen Massenansturm am Morgen zu vermeiden, ist der Unterrichtsbeginn zeitlich entzerrt: Die Klassen beginnen versetzt zur ersten, zweiten oder dritten Stunde mit dem Unterricht. Im Schulhaus gibt es einen über Bodenpfeile ausgewiesenen Einbahnverkehr, damit die Abstandsregeln bestmöglich eingehalten werden können. Auf den Gängen herrscht Maskenpflicht, wie in den Schulbussen auch, die mit der üblichen Taktfrequenz fahren und damit weniger voll sind. Der Koppelunterricht, also klassenübergreifende Stunden, finden wegen Platzmangels nur in den Hauptfächern statt. Musik- und Sportunterricht sind vom Kultusministerium bis Schuljahresende untersagt. Nebenfachlehrer werden im Moment vornehmlich in der Notbetreuung eingesetzt, für die am MPG aktuell zehn Fünft- bis Siebtklässler angemeldet sind, in der Gang- und Toilettenaufsicht sowie für Vertretungsstunden.

Wie diszipliniert sind die Schülerinnen und Schüler?

Die 360 Schülerinnen und Schülern, die aktuell im Präsenzunterricht am MPG sind, verhalten sich, wie Schulleiter Wasserfall betont, „diszipliniert“. Da es im Fernunterricht bisher maximal eine Stunde Videounterricht gibt, auch weil nicht alle Familien einen Computer zu Hause haben, hat die Schule – aus Etat-Mitteln und mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Ehemaligen – 20 Laptops angeschafft und die Hälfte auch schon an bedürftige Familien ausgegeben. Drei weitere I-Pads bekommt die Schule aus einer Spende des Rotary-Clubs ().

Warum der Schulleiter seine Landtagskandidatur zurückgezogen hat

Ende vergangener Woche hat Schulleiter Wasserfall, der eigentlich bei der Landtagswahl für die CDU kandidieren wollte, zurückgezogen. In der Corona-Krise, so seine Erklärung, „braucht es eine funktionierende Schulverwaltung“. Wäre er gewählt worden, das MPG hätte fast eineinhalb Jahre ohne Schulleiter auskommen müssen und Wasserfall wäre zwei Monate vor dem Abitur im kommenden Schuljahr weg gewesen. Angesichts sich ständig verändernden Corona-Verordnungen muss er jetzt mehr als sonst planen, neue Stundenpläne erstellen, viel mit besorgten Eltern und Schülern kommunizieren, muss sich um die Beschaffung von Desinfektionsmitteln und Masken kümmern und immer wieder mit dem Zollstock überprüfen, dass in Klassenzimmern die Sicherheitsabstände eingehalten sind.

Wie läuft’s am Burg-Gymnasium?

Auch am Burg-Gymnasium sind die Schülerinnen und Schüler in A- und B-Gruppen an den Vor- und Nachmittagen eingeteilt. Aktuell können im Neubau 220 Schüler unterrichtet werden und im Erweiterungsbau 80. Und die, sagt stellvertretender Schulleiter Michael Krauss, „gehen vorbildlich mit der Situation um“. Der restliche Unterricht erfolgt im Home-Schooling. Im Moment sind gerade mal zwei Kinder in der Notbetreuung angemeldet. Im Gegensatz zum MPG, wo die Schülerinnen und Schüler auch in den Pausen bei weit geöffneten Fenstern in den Klassenzimmern bleiben müssen, dürfen die BGler auf den Schulhof, allerdings nur in Begleitung einer Lehrkraft. Ansonsten wird im Neubau auf die Zu- und Abluftanlage vertraut, wo die Fenster nicht geöffnet werden können. Krauss versichert aber: Laut Schulträger „das beste Lüftungssystem“.

Risikogruppe: Ab Ende Juni brauchen Lehrkräfte dafür ein ärztliches Attest

Am MPG und auch am BG gehören nur einzelne Lehrerinnen und Lehrer zur Risikogruppe und sind darum von der Präsenzpflicht entbunden. Womöglich wird ihr Anteil auch noch weiter sinken: Schließlich konnten sich Lehrkräfte, die zu einer Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion gehören, bisher einfach über ein Formblatt von der Präsenzpflicht in der Schule befreien. Das Kultusministerium hat diese Regelung jetzt kassiert – und folgt damit einer neuen Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, das mittlerweile eine personenbezogene Risikobewertung für sinnvoll hält: Ab 29. Juni brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die vom Präsenzunterricht befreit werden wollen, ein ärztliches Attest, das über die Schulleitung auch der Schulaufsichtsbehörde vorgelegt werden muss. Dazu erklärte Kultusministerin Susanne Eisenmann in einer Pressemitteilung: „Lehrkräfte, die von der Präsenzpflicht befreit sind, arbeiten von zu Hause aus, sind also keineswegs freigestellt oder gar im Urlaub. Ich habe großes Vertrauen in die Professionalität unserer Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind aber in der öffentlichen Diskussion unter Druck geraten, da sie sich bislang relativ einfach selbst von der Präsenzpflicht befreien können. Das ist beispielsweise für Polizisten, die zu Risikogruppen gehören, nicht der Fall.“

Schwangere sind auch weiterhin von der Präsenzpflicht befreit

Diese Regelung gilt nicht für schwangere Lehrerinnen: Sie dürfen auch weiterhin nicht im Unterricht und in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen an Schulen eingesetzt werden. Lehrkräfte, die mit Menschen mit relevanten Vorerkrankungen oder Schwangeren in einem Haushalt zusammenleben, werden allerdings nicht mehr generell von der Präsenzpflicht entbunden. Diese Regelung, heißt es in der Pressemitteilung, ist nach medizinischer Expertise und aufgrund des veränderten Infektionsgeschehens nicht mehr notwendig. Wer weiterhin von der Präsenzpflicht befreit ist, muss nach Vorgabe des Kultusministeriums die Schülerinnen und Schüler im Fernunterricht unterrichten, Kolleginnen und Kollegen im Präsenzunterricht unterstützen, für die Schülerinnen und Schüler Materialien erstellen sowie für sie erreichbar sein.

Rotary-Spende: 15 I-Pads für weiterführende Schulen

Bildung ist für den Rotary-Club ein zentrales Thema und darum unterstützen die Schorndorfer Rotarier die weiterführenden Schulen in der Corona-Krise mit einer I-Pad-Spende in Höhe von 5800 Euro: Über insgesamt fünf Tabletcomputer kann sich die Rainbrunnenschule freuen, jeweils drei gehen ans MPG und BG sowie vier an die Gottlieb-Daimler-Realschule. Zu dieser Initiative kam es nach einem Telefonat, das Felix Stammler als amtierender Rotary-Präsident mit seinem Club-Kollegen und MPG-Schulleiter Markus Wasserfall geführt hat – schließlich fehlen auch am Max-Planck-Gymnasium Computer für den digitalen Unterricht. Dem auf die Sprünge zu helfen, das versucht auch die Stadt Schorndorf und hat, wie Bürgermeister Englert bei der Spendenübergabe betonte, schon fast 4,5 Millionen Euro in den Breitbandausbau und die digitale Ausstattung der Klassenzimmer investiert. Außerdem rechnen die Kommunen mit einer Finanzspritze des Landes in Höhe von 130 Millionen Euro.

Endlich wieder Betrieb in den Schulen: Markus Wasserfall, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, ist, obwohl er das Schulhaus natürlich viel wuseliger und lebendiger kennt, die Erleichterung anzumerken, dass es irgendwie in Richtung Normalität geht. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden, ist im Moment – abgesehen von den Abiturienten und der Jahrgangsstufe 1 – allerdings nur die Hälfte der Fünft- bis Zehntklässler im Präsenzunterricht vor Ort. Alle anderen Schülerinnen und Schüler

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