Schorndorf

Schulmensa-Betreiber Müller: So verärgert, dass er am liebsten zum Jahresende gekündigt hätte

Mensa
Die Mensa in der Grauhalde: Im Corona-Lockdown mal wieder geschlossen. © Gabriel Habermann

Der Frust beim Schorndorfer Schulmensa-Betreiber ist groß: Drei Tage vor Weihnachten hat die Müller Gastronomie GbR, die die Mensen in der Grauhalde und im Burg-Gymnasium betreibt, den Vertrag mit der Stadt Schorndorf überraschend auf 31. Dezember 2020 gekündigt. Aus vertragsrechtlichen Gründen haben sie die Kündigung zwei Tage später wieder zurückgezogen, doch in der Sache hat sich für Ralph Müller und seinen Sohn Florian nichts geändert. Sie ärgern sich, dass die Stadt Schorndorf bei anderen Caterern angefragt hat, ob sie die Mensa-Küche zum neuen Schuljahr übernehmen könnten. Der Fünf-Jahres-Vertrag mit der Müller Gastronomie GbR läuft zum 31. Juli 2021 aus. Eine automatische Vertragsverlängerung ist rechtlich offenbar nicht möglich, die Neuvergabe muss europaweit ausgeschrieben werden. Was für Isabelle Kübler, Fachbereichsleiterin Schulen und Vereine, ein ganz normaler Vorgang ist und übliche Vorbereitung einer komplexen Ausschreibung, hat die Müllers so frustriert, dass sie jetzt in Schorndorf das Handtuch werfen wollen.

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben für sie letztendlich Anrufe von Kollegen, die sich erkundigt haben, ob sie zumachen müssen. Vor zwei Monaten, erzählt Junior-Chef Florian Müller, habe er ein Gespräch mit der Fachbereichsleiterin und mit der für die Mensen zuständigen Sachbearbeiterin geführt, in dem es um die schwierige wirtschaftliche Lage in Corona-Zeiten gegangen war, das Vertragsende aber sei dabei kein Thema gewesen – „und hintenrum wird dann mit Kollegen gesprochen“, klagt Ralph Müller, ärgert sich über „den Stil“ und stellt bei dieser Gelegenheit klar: „Wir sind nicht insolvent.“

In Welzheim, Göppingen und in Stuttgart zufrieden

Das Verhältnis zur Stadt Schorndorf war, so scheint es, für sie von Anfang an schwierig: Die Müller Gastronomie GbR, die nicht nur die Christian-Bauer-Mensa im Welzheimer Schulzentrum betreibt, sondern auch die Berufsschulmensa und die Landratsamts-Kantine in Göppingen und an mehreren Bundeswehrstandorten in Stuttgart kocht und mit allen Partnern zufrieden ist, fühlt sich von der Daimlerstadt alleingelassen: „Es muss sich endlich jemand von der Stadt verantwortlich fühlen.“

Ein besonderes Ärgernis ist für sie dabei: Bereits ein halbes Jahr, nachdem sie im September 2016 die Mensa in der Grauhalde übernommen haben, sagen Ralph und Florian Müller, wurde von ihnen die unpraktikable Essensausgabe kritisiert, weil sich dort beim Ansturm über die Mittagszeit die Schülermassen ungeordnet ballen. Es gab mehrere Gespräche am runden Tisch, ein Umbau wurde versprochen – „passiert ist nichts“. Obwohl sie die Mensa Leckerhalde mit den großen Fensterfronten für eine der schönsten im weiten Umkreis halten und von einem „Vorzeigeobjekt“ sprechen, kritisieren sie, dass der Ablauf in der Grauhalde wie in einer Betriebskantine geplant sei und nicht wie in einer Schulmensa.

3,20 Euro pro Essen: "Eine Rechnung, die nicht aufgeht"

Ein weiterer Kritikpunkt sind für die Mensa-Betreiber die 3,20 Euro, die sie netto pro Essen bekommen. Davon müssen nicht nur Lebensmittel eingekauft, sondern auch noch Personal, Steuern und Versicherungen bezahlt werden. Eine Rechnung, die für sie nicht aufgeht: „Bei jedem Essen, das wir verkaufen, zahlen wir drauf.“ Pacht bezahlen sie, wie in anderen Mensen, zwar nicht. Doch in Welzheim, sagen Ralph und Florian Müller, bekommen sie obendrein noch einen städtischen Zuschuss von einem Euro pro Essen und müssen für die Stromkosten nicht aufkommen, die sie in der Leckerhalde durchaus bezahlen müssen. Für Extras, wie die Aktion „Suppe statt Pommes“ lässt der Förderverein in Welzheim zwischen 1000 und 1500 Euro im Jahr springen.

Und es liegt für sie in Schorndorf noch mehr im Argen: Da die Essen nicht vorbestellt werden müssen, ist die Planung schwierig. Dazu kommt: Dass in der Mensa in der Grauhalde aus ihrer Erfahrung Lehrer eher selten zum Essen kommen und die Aufsicht bei einem älteren Herrn aus der Nachbarschaft liegt, das ist für die Mensa-Betreiber auch der Grund, warum sich manche Schülerinnen und Schüler gehörig danebenbenehmen. Sie berichten von Wasserschlachten auf den Toiletten und von Schülern, die sich den Feuerlöscher gegenseitig ins Kreuz werfen. „Wir sind für die Küche zuständig und haben da keine Handhabe“, sagt Florian Müller.

Schwierig: Corona-Jahr mit deutlich weniger Essen

Dazu kommt noch der ganze Corona-Frust: Mit dem ersten Lockdown musste die Mensa von Mitte März bis zum Ende der Sommerferien schließen. Bis zum zweiten, aktuellen Lockdown konnten Realschüler und Gymnasiasten nur noch getrennt und in festen Gruppen zum Mittagessen kommen. Mit dem Ergebnis: In Vor-Corona-Zeiten gingen jeden Tag zwischen 150 und 200 Essen raus, von 15. September an waren’s nur noch zwischen 60 und 80. Der Pausenverkauf, der laut Ausschreibung zum Mensa-Betrieb gehört, ist in Corona-Zeiten zum Teil weggebrochen und vom Max-Planck-Gymnasium dann selbst übernommen worden. Aus gutem Grund, wie Schulleiter Markus Wasserfall auf Nachfrage erklärt: „Coronabedingt gab es im Herbst längere Zeit große Probleme mit der Gesamtorganisation von Verkauf und Abstand in der Mensa. Das führte dazu, dass unsere Schüler regelmäßig keine Zeit zum Essen hatten.“ Da die Gottlieb-Daimler-Realschule als Ganztagsschule den Vorzug für die Mensanutzung bekam, wollte das MPG ein Angebot machen und hat deshalb in der großen Pause einen Brezel-Verkauf organisiert, den Schülerinnen und Schüler übernommen haben. Von Müllers Klagen hat Wasserfall erstmals über die Presseanfrage Anfang dieser Woche erfahren und findet die Kommunikation mit dem Mensa-Betreiber, wie er es formuliert, „grundsätzlich ungewöhnlich“.

Fachbereichsleiterin ist ratlos: „Da hat sich vieles aufgestaut“

Unklar ist auch noch, wie es in Urbach weitergehen wird: Dort beliefert die Müller Gastronomie GbR fünf Kitas mit warmem Essen und hat den Vertrag Ende November zum 31. Juli 2021 gekündigt – zur Überraschung von Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Probleme gab es nicht, Gründe haben die Müllers nicht angegeben, doch hier wollen sie zumindest noch mal ein Gespräch führen. Was Schorndorf angeht, möchten sie sich keinesfalls mehr umstimmen lassen und werden sich nicht mehr bewerben.

Ein Frust, über den sich Fachbereichsleiterin Isabelle Kübler nur wundern kann: Dass das vergangene Jahr mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Mensa-Betreiber hart war, das ist ihr bewusst. Schade findet sie aber, dass jetzt nach der üblichen Markterkundung im Vorfeld der vorgeschriebenen Ausschreibung „ein Missverständnis im Raum steht“. Da hat sich, vermutet Kübler, „vieles aufgestaut“. Doch dass sich die Müllers von der Stadt allein gelassen fühlen, das will sie so nicht stehenlassen: „Wir sind als Ansprechpartner rund um die Uhr erreichbar.“

Der Frust beim Schorndorfer Schulmensa-Betreiber ist groß: Drei Tage vor Weihnachten hat die Müller Gastronomie GbR, die die Mensen in der Grauhalde und im Burg-Gymnasium betreibt, den Vertrag mit der Stadt Schorndorf überraschend auf 31. Dezember 2020 gekündigt. Aus vertragsrechtlichen Gründen haben sie die Kündigung zwei Tage später wieder zurückgezogen, doch in der Sache hat sich für Ralph Müller und seinen Sohn Florian nichts geändert. Sie ärgern sich, dass die Stadt Schorndorf bei

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