Schorndorf

Schulranzen-Verkauf: Taschenhändler Andreas Uhlig ärgert sich, dass er nicht beraten darf, andere aber schon

Uhlig Schulranzen
Was im Schreibwarenhandel erlaubt ist, bleibt Andreas Uhlig als Taschenhändler untersagt: Der Schulranzenverkauf mit Beratung. © Gabriel Habermann

Andreas Uhlig ist stinksauer und hat Angst, in diesem Jahr auf seinen Schulranzen sitzenzubleiben: Eine Schulranzenmesse, bei der er und sein Team wie in den vergangenen 15 Jahren bis zu 800 interessierte Eltern und Großeltern in der Künkelinhalle beraten konnten, darf in Corona-Zeiten nicht stattfinden. Und die von der Landesregierung entwickelte Geschäftsidee, dass er in seinem Taschengeschäft nach telefonischer Voranmeldung – aber ohne Beratung – über „Click & Collect“ Ranzen verkauft, funktioniert bei ihm so gut wie nicht. „Das ist eine Katastrophe“, sagt der 56-jährige Einzelhändler und fühlt sich ungerecht behandelt: Während ihm das Geschäft, das in der Regel bis Ostern gemacht ist, flötengeht, werde seinen Mitbewerbern in Plüderhausen, Waiblingen und Stuttgart der persönliche Schulranzenverkauf ermöglicht – weil sie auch Schreibwaren verkaufen, was laut Corona-Verordnung ja weiterhin erlaubt ist.

Anderswo dürfen Schulranzen im Fachhandel verkauft werden

Unverständlich bleibt für Uhlig aber vor allem, dass anderswo sogar Taschengeschäften der Schulranzenverkauf mit individuellem Beratungstermin gestattet ist. In Böblingen schätzt man die Lage etwa so ein: „Nachdem einige Gesundheitsämter die Aussage getroffen hatten, dass bei Kindern, die sich noch in der körperlichen Entwicklungsphase befinden, generell eine ergonomische Beratung unerlässlich sei, und auch andere Kommunen eine entsprechende Erlaubnis erteilt haben“, erklärt Pressesprecher Fabian Strauch auf Anfrage, „hat sich die Stadt Böblingen im Sinne der Gleichbehandlung ebenfalls dazu entschieden.“

Sollte sich die Infektionslage im Kreis wieder massiv verschlechtern, könne die Erlaubnis, die an ein spezielles Hygienekonzept geknüpft ist, jederzeit widerrufen werden. Außerdem ist der Verkauf von Schulranzen auch in Böblingen nur möglich „im Zusammenhang mit einer Ergonomie-Beratung nach vorheriger Terminvereinbarung und nur mit einem Elternteil“.

Für Schorndorfs Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich ist dies dennoch kein Argument, umzuschwenken: Wie andere Städte die Coronaverordnung auslegen, will er nicht kommentieren, sondern stellt fest: „Wir halten uns an die Corona-Verordnung.“ Vom Städtetag habe Schorndorf das Thema „Schulranzenberatung“ juristisch klären lassen – und ist zu folgendem Schluss gelangt: „Diese Beratung im Zusammenhang mit dem Verkauf zu sehen und damit Teil des grundsätzlich untersagten Betriebs.“ Ein pauschaler Hinweis auf mögliche Gesundheitsschäden überzeugt Hemmerich nicht. So sei auch eine Beratung beim Verkauf von Rücksäcken nur ausnahmsweise zulässig, „nämlich, wenn im Einzelfall eine Rückenerkrankung vorliegt“.

Sollte die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch entscheiden, dass es bei stabiler oder sinkender Sieben-Tage-Inzidenz „Click & Meet“ im Einzelhandel gibt, also Verkauf und Beratung nach Termin, wäre aus Andreas Uhligs Sicht viel gewonnen: „Das würde allen helfen.“

Bei Bantel: Ranzen nicht mehr in der Schreibwarenabteilung

Denn auch Claudia Maurer-Bantel kann die aktuell geltenden Regelungen nicht ganz verstehen, sie ist frustriert und findet die Verordnungen in vielen Bereichen ungerecht. Seit vergangener Woche können im Kaufhaus Bantel zumindest die Schreibwarenabteilung mit Feinkost, Süßwaren, Drogerieartikeln und die Babyabteilung wieder geöffnet sein.

Nachdem ihr die Stadt den Schulranzenverkauf mit Beratung in der Schreibwarenabteilung untersagt hat, sind die Ranzen wieder in die Lederabteilung geräumt – auch, um Uhlig nicht unnötig Konkurrenz zu machen. Doch Ranzen über „Click & Collect“ zu verkaufen, das hält auch Claudia Maurer-Bantel für unmöglich – zu sehr unterscheiden sich die künftigen Erstklässler doch in Statur und Körpergröße.

Andreas Uhlig ist stinksauer und hat Angst, in diesem Jahr auf seinen Schulranzen sitzenzubleiben: Eine Schulranzenmesse, bei der er und sein Team wie in den vergangenen 15 Jahren bis zu 800 interessierte Eltern und Großeltern in der Künkelinhalle beraten konnten, darf in Corona-Zeiten nicht stattfinden. Und die von der Landesregierung entwickelte Geschäftsidee, dass er in seinem Taschengeschäft nach telefonischer Voranmeldung – aber ohne Beratung – über „Click & Collect“ Ranzen

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