Schorndorf

Schwaben auf den Geschmack gebracht

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Am Schorndorfer Marktstand verkauft das Maulick-Team mediterrane Leckereien mit viel Knoblauch und noch mehr Kräutern. © Ramona Adolf
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Frische Kräuter: Für Maulick eine der wichtigsten Zutaten für seine Spezialitäten. © Pienek / ZVW
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Im Cutter: rote Zwiebeln für die Käsecreme. © Pienek / ZVW
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300 von diesen eigens gefertigten Holzkübeln stapeln sich in Maulicks Betrieb in Heumaden: Aus ihnen heraus werden die Oliven, Peperoni und der eingelegte Schafskäse verkauft. © Pienek / ZVW

Schorndorf/Stuttgart-Heumaden. Auf Gerhard Maulicks Stand auf dem Wochenmarkt stößt zuerst die Nase und dann das Auge: Die eingelegten Oliven und Schafskäsesorten, die Käsecremes, die Soßen und Salate verströmen einen intensiven Kräuter-Knoblauch-Geruch. Und das gilt erst recht für Maulicks Küche in Heumaden. Dort bereitet er mit seinem Team die mediterranen Leckereien zu, die er seit 27 Jahren in Schorndorf und auf 26 weiteren Wochenmärkten in der Region verkauft.

Als Gerhard Maulick Ende der 1980er-Jahre in den Olivenhandel eingestiegen ist, hat ihm sein Vater dringend abgeraten und seinen Sohn gewarnt: „Du wirst mit Oliven im Schwabenland verhungern.“ Das ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Mittlerweile arbeiten Maulicks Eltern ganz selbstverständlich mit im Betrieb. Sie bringen in aller Früh’ die Hänger zu den Wochenmärkten nach Schorndorf, Sindelfingen, Stuttgart, Bietigheim, Kornwestheim, Ditzingen, Degerloch oder auch nach Bad Cannstatt. Sie helfen beim Ein- und Ausladen der Holzkübel und Edelstahlwannen, und sind natürlich in der Küche in Heumaden am Start. Wie Maulicks Söhne – und das ganze Team. Als Einzelkämpfer hat der Küchenmeister begonnen, mittlerweile hat er neun Marktwagen, beschäftigt fünf Festangestellte und mehr als 20 Aushilfen. Alleine, sagt der 51-Jährige „würde es nicht mehr gehen“.

Als Maulick, der neben seiner Arbeit als Koch schon früh mit Freunden auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse verkauft hat, in den Olivenhandel eingestiegen ist, „gab’s das nirgendwo“. Wie Maulicks Vater, hatten’s die Schwaben nicht so mit Knoblauch und dem bitter-sauren Olivengenuss. Das hat sich grundlegend geändert. Wie Gerhard Maulick selbst, sind immer mehr Kunden – vielleicht im Urlaub am Mittelmeer – auf den Geschmack gekommen. Inzwischen verkauft er in der Woche 350 Kilogramm Oliven und 150 Kilogramm Schafskäse. Die Zeiten, als er sich als Hausmann um seine Söhne und den Haushalt gekümmert hat, donnerstags Oliven und Schafskäse eingelegt und freitags und samstags auf drei Märkten verkauft hat, sind längst vorbei. In der Küche in Heumaden ist mittlerweile – mit Ausnahme von Sonn- und Montagen – jeden Tag Betrieb. In der Luft liegt ein Geruch von Knoblauch und Kräutern. Der Küchenboden ist vom Olivenöl-Einsatz schon ganz rutschig. Doch hier werden auch nicht nur massenhaft Oliven und Schafskäse verschafft, sondern auch Berge von Zwiebeln, Avocados, Tomaten, Peperoni und Kräutern.

Klapperschlangen-Eier fürs besondere Markt-Vergnügen

Für die 27 Märkte rund um Stuttgart müssen die Oliven, die Maulick von ausgesuchten Großhändlern im Elsass, in Italien und Griechenland bezieht, gewässert und eingelegt werden. Verkaufsschlager sind die Sorten mit Mandel- oder Paprikakern. Jeden Monat gibt’s eine Olive des Monats. Schafskäse gibt’s französisch mild, spanisch rezent, italienisch kräuterig, griechisch pikant oder marokkanisch herzhaft. Maulick und sein Team machen Käsecremes, Feinkostsalate und Salatsoßen selbst. Und immer mehr: Fingerfood-Platten für Feste. Früh hat er frische Nudeln und eine eigene Olivenöl-Hausmarke an seinen Ständen angeboten – und sich stets auf Neues eingelassen: Vom grünen Algensalat, der anfangs vor allem kritisch beäugt wurde, verkauft Maulick mittlerweile eine halbe Tonne im Vierteljahr. Und für einen Spaß ist der Küchenmeister ebenfalls immer zu haben: Um seine Kunden zu überraschen, hat er mal eine ganze Palette Klappenschlangen-Eier gekauft. Die zitternden Konservendosen, die er in Greifhöhe an seinen Ständen auslegt, sorgen immer wieder für einen Lacher unter der wartenden Kundschaft.

Und genau das ist es, was Maulick schätzt: Den persönlichen Kontakt mit den Kunden; die Gespräche, die sich zwischen Oliven und Schafskäse entwickeln. An den Marktständen, an denen der Chef immer wieder auch im Verkauf aushilft, „kriegt man die Jahreszeiten mit“, sagt Maulick, für den der Wochenmarkt an sich „das Schönste ist, was es gibt“. Und einmal im Jahr ist er auch mit der ganzen Familie beim Bärlauchfest in Lorch zugange und freut sich, wenn die Leute Schlange stehen für seine Bärlauch-Spaghetti.

Der Schorndorfer Wochenmarkt aber hat in Maulicks Erfolgsgeschichte einen festen Platz: „Das ist ein sehr guter, schöner Markt.“ Fast von Beginn an gehörte die Daimlerstadt zu seinem Geschäftskonzept. Und an manchen Samstagen fährt er tatsächlich mit leeren Kübeln zurück nach Heumaden. In Schorndorf schätzt er aber auch den besonderen Kontakt zu den anderen Händlern: Mit Axel Damm, dem Sprecher der Marktbeschicker, geht er regelmäßig Ski fahren. Und von ihm hat er auch eine Spitzenidee übernommen: Die Spezialspülmaschine, die der Rattenharzer Gärtnermeister für die Reinigung seiner Plastikeimer entwickeln ließ, hat er für seine Holzkübel nachbauen lassen. Jetzt müssen zumindest die öligen Gefäße nicht mehr von Hand gespült werden.