Schorndorf

Schwerer Sturz von Dach: Chef verurteilt

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Eine mit Moos bewachsene Lichtplatte wurde einem Dachdecker vor gut zwei Jahren zum Verhängnis: Der 43-Jährige stürzte und ist seitdem in seinem Beruf arbeitsunfähig. Schuld ist sein ehemaliger Chef, der beim Arbeitsschutz nachlässig war und dafür nun vom Amtsgericht Schorndorf zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Fünf Meter fiel der Dachdecker im April 2015 bei den Dacharbeiten in die Tiefe. Noch heute kämpft er mit den Folgen des Sturzes. Lange Zeit wurde er über eine Magensonde ernährt, da er sich beim Sturz Ober- und Unterkiefer gebrochen hatte. Beide Handgelenke waren eingegipst und auch andere Knochen am ganzen Körper gebrochen gewesen. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, hat er noch immer Schmerzen in Knie und Handgelenk und Probleme mit einem Auge, das noch operiert werden muss. In seinem Beruf kann der 43-Jährige nicht mehr arbeiten.

Trotzdem: Wenn es nach dem Anwalt seines ehemaligen Arbeitgebers ginge, müsste der 52-Jährige vor Gericht freigesprochen werden. Denn große Sicherheitsvorkehrungen - nur um schnell ein Dach auszumessen - nehme auch kein anderer Bauunternehmer vor.

Durch Lichtplatte fünf Meter in die Tiefe gestürzt

Doch laut Gesetz wären Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben gewesen. Diese hat der Unternehmer aber nicht eingehalten, als er im April 2015 zusammen mit seinen Mitarbeitern ein Flachdach ausgemessen hat. Auf diesem Dach hat es einen kleinen Bereich mit sogenannten Lichtplatten gegeben. Diese lichtdurchlässigen Platten sind aus Kunststoff (PVC) gefertigt und darum nicht stabil genug, um das Gewicht eines erwachsenen Mannes zu tragen. „Wenn ich gewusst hätte, dass dort Lichtplatten sind, dann wäre ich da nicht draufgetreten“, sagt der Verunglückte vor Gericht.

Doch die eigentlich durchsichtigen Lichtplatten waren von oben so verschmutzt und mit Moos bewachsen, dass sie vom Dach aus kaum zu erkennen gewesen sind. Ein Mitarbeiter bestätigt die Aussage des angeklagten Arbeitgebers, wonach dieser mehrmals auf die Gefahr hingewiesen habe. Davon hat der Verunglückte aber offenbar nichts mitbekommen. Er ist auf eine Lichtplatte getreten, die Platte ist gebrochen und der 43-Jährige über fünf Meter in die Tiefe gestürzt.

Verunglückter mehrmals operiert

Der Sturz führte zu mehreren Brüchen am ganzen Körper sowie einer Verletzung am Auge. Eineinhalb Jahre lang war der Gestürzte arbeitsunfähig, wurde mehrmals operiert und hat eine Reha gemacht. Jetzt wird seine Erwerbsunfähigkeit noch auf 50 Prozent geschätzt.

„Dass das passiert ist, ist tragisch, war aber niemals vorauszusehen“, sagt der Angeklagte. „Dass ich die Verantwortung trage, ist mir bewusst, und daran trage ich sehr schwer.“ Allerdings ist er der Meinung, dass er nicht mehr habe machen können, als seine Mitarbeiter auf die Gefahrenstelle hinzuweisen. Seine Begründung: „Ich habe es ja mit erfahrenen Leuten zu tun.“

Verteidiger: Fehler liege beim Mitarbeiter

Der Staatsanwalt mahnt an, dass eine solche Gefahrenstelle zumindest durch ein Absperrband gekennzeichnet hätte werden müssen. Das weiß auch der Geschäftsführer, der angibt, dass diese Sicherheitsvorkehrungen, wie er sagt, „nach der Papierlage“ getroffen werden müssen. Es sei aber im Bauhandwerk unüblich, sie für eine so kurzzeitige Ausmessung vorzunehmen.

Sein Verteidiger sieht daher „kein Schuldmaß gegeben“. Er meint, der Fehler liege beim Verunglückten, der unachtsam gewesen sei. „Dafür sind die Sicherheitsvorkehrungen da. Damit diese kleinen Fehler nicht lebensbedrohlich enden“, entgegnet hingegen der Staatsanwalt.

Mündliche Warnung war nicht ausreichend

Die Sachlage spricht daher gegen den Angeklagten. Die im Gesetz vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen seien von ihm nicht eingehalten worden und eine mündliche Warnung in einem solchen Fall nicht ausreichend, so die einhellige Meinung von Staatsanwalt und Gericht. Beide erkennen zwar an, dass andere Bauunternehmer auch nicht anders handeln würden.

Trotzdem greife in einem solch gravierenden Schadensfall aber das Gesetz. Und wer das nicht einhalte, so Richterin Petra Freier, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Deshalb verurteilte sie den 52-jährigen Unternehmer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von insgesamt 4800 Euro. Er muss 120 Tagessätze zu je 40 Euro bezahlen.