Schorndorf

Seit 40 Jahren im Auto: Das Leben des Schorndorfer Taxi-Fahrers Thomas Schaal

Taxifahrer Thomas Schaal
Thomas Schaal fährt seit 40 Jahren Taxi in Schorndorf. © Pöschko-Kopp

Wenn die einen feiern, sitzt er im Auto. Wenn die anderen in Urlaub fahren, bringt er sie zum Flieger: Seit 40 Jahren fährt Thomas Schaal Taxi in Schorndorf und ist damit wohl der dienstälteste Taxifahrer in der Stadt. Wir haben mit dem Schorndorfer Urgestein über sein Leben als Taxi-Fahrer gesprochen - und warum er sich über Fahrradfahrer aufregt.

Konkurrenz und zunehmender Verkehr: "Das Geschäft ist härter geworden"

Schon als kleiner Junge saß er sonntags am Telefon im Taxi-Betrieb der Eltern, und gab den Fahrern über Funk die gebuchten Fahrten durch. Dass er einmal selbst Taxifahrer werden würde, das stand für ihn nie infrage: „Was anderes hat man nicht mitgekriegt. Ich bin mit dem Geschäft aufgewachsen.“

Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker stieg er folglich ins Geschäft seines Vaters Kurt ein, heute leitet er es zusammen mit seiner Frau Carmen, die er liebevoll nicht nur seine Frau, sondern auch seine Partnerin nennt. 14 Fahrer sind für sein Taxi-Unternehmen unterwegs. Thomas Schaal selbst, der am 23. Januar seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, ist in den vergangenen 40 Jahren fast sechs Millionen Kilometer gefahren.

Das Taxi-Fahren hat dem Familienvater und Vorsitzenden der Plüderhäuser Kleintierzüchter immer Spaß gemacht. Heute sagt er: „Das Geschäft ist härter geworden.“ Und das liegt nicht nur an der Konkurrenz, sondern vor allem auch am zunehmenden Verkehr und Umgang auf den Straßen. Für Taxifahrer seien die vielen 30er-Zonen ein Problem, weil es dadurch schwierig werde, die Zeiten einzuhalten.

Fahrradfahrer regen den 60-Jährigen auf

Genervt ist er vor allem von Fahrradfahrern, die ihm in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung entgegenkommen, unversehens über einen Zebrastreifen brausen oder zu zweit oder dritt nebeneinander fahren: „Die regen mich auf.“ Generell sei er mit den Jahren aber ruhiger und gesetzter geworden. Wie viele Strafzettel er in all den Jahren kassiert hat? Darüber will er gar nicht nachdenken: „Es hätte“, sagt er, „aber für eine ordentliche Urlaubsreise gereicht.“

An Reisen indes hat er wenig Gedanken verschwendet. In den letzten 25 Jahren hat er nicht einmal Urlaub gemacht – gefehlt hat es ihm nicht. Wenn seine Frau mit der Tochter in Urlaub fährt, hält er die Stellung. „An sechs Tagen in der Woche bin ich Taxi gefahren“, erzählt er vergnügt: „Oft zwölf Stunden am Tag.“

Auch Silvester verbringt er wie alle seine Fahrer im Auto, seine Frau sitzt dann in der Zentrale. „Wenn’s Mitternacht ist, schellt das Telefon“, erzählt er. „Meine Frau ruft an und wünscht mir alles Gute zum neuen Jahr.“ Ganz leer seien die Straßen um diese Zeit, wenn die Feuerwerke blitzen und anderswo die Sektkorken knallen. Wenn die Partys vorbei sind, bringt er seine Kunden dann sicher nach Hause.

Eine Schwangere im Taxi: Schon am Telefon hieß es: Es eilt!

Zu denen gehören übrigens viele Stammkunden, ältere Leute, die er zum Arzt oder Einkaufen fährt, Monteure und Urlauber, die er zum Flughafen bringt. Promi-Fußballspieler wie Beckenbauer, Klinsmann und Buchwald hatte er schon im Taxi. Und eine werdende Mutter, die er mit Wehen von Plüderhausen ins Waiblinger Kreiskrankenhaus fuhr. „Da kam ein Anruf, es hieß, es wird eng“, erinnert er sich. Ins Krankenhaus oder besser gesagt vors Krankenhaus haben es die werdenden Eltern dann auch geschafft: Aber auf dem Weg vom Taxi in den Kreißsaal kam das Baby auf die Welt.

Nicht alle Kunden sind angenehme Fahrgäste, auch das gehört zum Geschäft. Vor allem nachts sind Taxifahrer immer wieder mit betrunkenen und aggressiven Leuten konfrontiert. Bei Fahrgästen ohne Geld ruft Schaal die Polizei und versucht, das Auto so zu halten, dass die Tür nicht aufgeht und der Fahrgast nicht wegrennen kann. „Das ist aber selten“ versichert er. Ein Einzelfall war zum Glück auch der Mann in Stuttgart, der Schaal vor Jahren eine Pistole an den Kopf gehalten hat. Spontan raste Schaal in einen Blitzer, der Mann stürmte daraufhin an der nächsten Ampel aus dem Auto.

Im ersten Lockdown ist das Geschäft wie in fast allen öffentlichen Bereichen eingebrochen. „Tagsüber ging fast gar nichts mehr, weil die Leute nicht mehr aus dem Haus gingen“, erinnert er sich. Inzwischen sind die Zahlen wieder besser geworden, aber noch nicht so gut wie vor dem Lockdown. Kein Wunder, dass er sich vor allem eins wünscht: „Dass Corona aufhört, so dass man wieder zusammensitzen, eine Wurst essen, jemanden in den Arm nehmen und gesellig sein kann.“

Wenn die einen feiern, sitzt er im Auto. Wenn die anderen in Urlaub fahren, bringt er sie zum Flieger: Seit 40 Jahren fährt Thomas Schaal Taxi in Schorndorf und ist damit wohl der dienstälteste Taxifahrer in der Stadt. Wir haben mit dem Schorndorfer Urgestein über sein Leben als Taxi-Fahrer gesprochen - und warum er sich über Fahrradfahrer aufregt.

Konkurrenz und zunehmender Verkehr: "Das Geschäft ist härter geworden"

Schon als kleiner Junge saß er sonntags am Telefon im

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