Schorndorf

Serie von Zerstörungswut nimmt kein Ende

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Heckscheibe eingeschlagen, Rücklichter beschädigt, Reifen zerstochen: Am vergangenen Wochenende tobte sich jemand an diesem Kleinbus der Gärtnerei Gropper aus. © Gärtnerei Gropper

Remshalden. Die beispiellose Serie von Zerstörungswut rund um die Gärtnerei Gropper in Remshalden, die auch schon in Gewalttaten mündete, geht weiter. Thomas Mayer, der Verpächter der Gärtnerei, von dem sich Gropper seit Jahren terrorisiert sieht, ist derzeit eigentlich in Haft, aber als Freigänger unterwegs. Er streitet die Taten ab und beschuldigt stattdessen seinerseits Gropper.

Was seit Jahren rund um die Gärtnerei Gropper passiert, lässt jeden, der es hört, fassungslos zurück: Man mag es eigentlich kaum glauben. Selbst erfahrene Anwälte und Polizeibeamte haben Vergleichbares nicht erlebt. Seit Jahren liegen Martin Gropper und seine Lebensgefährtin Katrin Strotbek im Streit mit Thomas Mayer, von dem sie seit 2009 die Gärtnerei gepachtet haben. Immer wieder gehen Scheiben und anderes zu Bruch, es kommt zu Bedrohungen, mehrere Fälle von Körperverletzung durch den Verpächter haben die Gerichte beschäftigt. Das Ganze gipfelte 2018 in einem so viel ist klar, aber immer noch ungeklärt ist, wer. Gegen Thomas Mayer wurde ermittelt, er streitet eine Beteiligung bis heute ab.

Trotz Haftstrafe keine Ruhe

Allerdings wurde er in zwei anderen Fällen zu Haftstrafen verurteilt. Während er zuvor immer mit Geld- oder Bewährungsstrafen davonkam – für Freiheitsberaubung, Diebstahl, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und mehrfach Körperverletzung – bekam er 2017 eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten ohne Bewährung wegen Körperverletzung. Opfer waren Sicherheitsleute, die Martin Gropper engagiert hatte und die Mayer mit einer Eisenstange attackierte. Darauf kamen 2018 weitere zehn Monate Freiheitsstrafe, wiederum wegen Körperverletzung: Die Richterin sah es als erwiesen an, dass er seinen damaligen Wohnungsmieter gewürgt hat. Thomas Mayer leugnete alles.

Die erste Haftstrafe hat Mayer im Sommer angetreten. Martin Gropper hoffte darauf, dass er nun Ruhe haben würde – doch es hörte nicht auf.

Kleinbus der Gärtnerei wurde beschädigt

Erst am vergangenen Wochenende wurde die Heckscheibe eines Kleinbusses der Gärtnerei eingeschlagen, die Rücklichter beschädigt, sowie die Reifen zerstochen. Und das kurz nachdem Thomas Mayer ihn angezeigt habe, weil der Kleinbus angeblich eine Zufahrt blockiert habe, so Martin Gropper.

Zuvor, im November, flogen Steine in die Gewächshausscheiben. Thomas Mayer stelle immer wieder kurzzeitig den Strom ab, klagt Martin Gropper. So wie im Februar 2017 als in einer Nacht, in der 15 Grad minus herrschten, für zwei Stunden der Strom weg war und laut Gropper Pflanzen im Wert von 15 000 Euro erfroren.

Mayer: Gropper für Sachbeschädigungen selbst verantwortlich

Thomas Mayer streitet alle diese Beschuldigungen ab. Das tut er auch in den Fällen, für die es glaubhafte Zeugen oder sogar Überwachungsvideos gibt. Natürlich gilt, das darf nicht aus dem Blick verloren werden, solange keine rechtskräftige Verurteilung vorliegt, die Unschuldsvermutung. Mayer behauptet im Gegenzug, Martin Gropper selbst sei für all die Sachbeschädigungen verantwortlich oder habe andere damit beauftragt. Gropper habe auch die Reifen des Autos seiner Lebensgefährtin zerstochen. Genauso gingen die Schmierereien an den auf Mayers Grundstück abgestellten Wohnmobilen und Wohnwagen aufs Konto des Gärtners.

Laut Polizei haben die Besitzer der Fahrzeuge, die die Stellplätze gepachtet haben, die Graffiti-Schmierereien angezeigt, die zwischen 24. und 27. Oktober dieses Jahres aufgetreten sind. Einen Tatverdacht gebe es nicht, die Ermittlungen laufen. Diese Aussage gilt auch für die zwischen dem 4. und 17. November zu Bruch gegangenen Gewächshausscheiben.

Das Gefängnis kommt ihm vor "wie ein Schullandheim"

Thomas Mayer gibt jeweils an, dass er zu den Zeiten, an denen diese Dinge passiert sind, gar nicht da gewesen sei. Im Gefängnis war er allerdings die meiste Zeit auch nicht, das erzählt er ganz offen und amüsiert sich am Telefon sogar hörbar darüber. „Ich war noch nie richtig in Haft“, sagt er. Nach drei oder vier Wochen habe er schon dauerhaft Freigang gehabt. Über die Justizvollzugsanstalt Ulm, wo er seine Haft angetreten hat, sagt er: „Das war im Prinzip wie ein Schullandheim.“ Mit den Leuten dort sei er sehr gut ausgekommen, niemand glaube, dass er all die Taten begangen habe. Genauso sei es bei seinem Arbeitgeber, wo er weiterhin als Landschaftsgärtner tätig ist.

Freigang vorbei: Zweites Urteil wird rechtskräftig

Nun allerdings, so erzählt Thomas Mayer, sei es mit dem Freigang für ihn vorbei, dazu habe er jetzt ein Schreiben von der Justiz bekommen. Der Grund dafür ist, dass jetzt das zweite Urteil gegen ihn rechtskräftig geworden ist und sich seine Gesamthaftstrafe damit auf zwei Jahre und zwei Monate erhöht hat (siehe „Freigang“).

Alle Mieter aus Angst weggezogen

Martin Gropper selbst fragt sich, wie viel noch passieren muss, dass bei ihm endlich Ruhe einkehrt. Betroffen seien ja nicht nur er und seine Mitarbeiter: Alle Mieter in Mayers Haus seien in den vergangenen Jahren irgendwann aus Angst weggezogen. Gropper selbst will nicht weichen. Einerseits, weil er sehr viel Geld in den Aufbau der Gärtnerei gesteckt hat. Andererseits, weil er sagt: „Es kann nicht sein, dass jeder vor dem die Flucht ergreifen muss aufgrund von Gewalt und Psychoterror.“


Wann bekommt jemand in der Haft Freigang?

Zum konkreten Fall von Thomas Mayer gibt die Staatsanwaltschaft Stuttgart aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen keine Auskunft. Staatsanwalt Heiner Römhild erklärt jedoch das Prinzip hinter der Freigangs-Regelung für Häftlinge im Allgemeinen.

Eine Lockerung des Vollzugs, genannt Freigang, bekommen grundsätzlich „nur Erstverbüßer“, also Leute, die zum ersten Mal ins Gefängnis müssen. Das gilt nicht, wenn das Vergehen so schwer war, dass jemand eine lange Haftstrafe bekommt. Als kurz gilt dabei laut Heiner Römhild eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr und drei Monaten.

Ein Kriterium ist außerdem die Frage, ob ein Häftling einen Job hat. Dahinter steckt der Resozialisierungsgedanke, erklärt der Staatsanwalt. Man frage sich: „Was bringt es, wenn ich jemanden für mehrere Monate wegsperre und wenn er rauskommt, ist er erst mal arbeitslos?“ Da sei die Gefahr größer, dass derjenige schnell wieder auf die schiefe Bahn gerate.

„Das Privileg des Freigangs kann aber auch wieder entzogen werden“, sagt Heiner Römhild, beispielsweise, wenn weitere Straftaten hinzukommen.

Keine Rolle spiele, ob jemand vor Gericht seine Taten einräume oder Reue zeige. „Ich habe im Strafverfahren das Recht zu leugnen, bis sich die Balken biegen“, sagt der Staatsanwalt. All das spiele dann für die spätere Beurteilung des Häftlings im Strafvollzug grundsätzlich keine Rolle. Zeige er im Gefängnis Reue und räume die Taten ein, dann könne ihm das positiv ausgelegt werden, wenn es zum Beispiel um die Frage einer vorzeitigen Entlassung geht. „Wenn einer aber alles nach wie vor leugnet und meint, nichts Unrechtes getan zu haben, dann kommt er auch nicht früher raus“, so Römhild.