Schorndorf

SG-Feriensportwochen: Betreuer sind auch Baumeister

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SG-Ferienwochen
Hochkonzentriert ist dieser junge Mann. © Palmizi / ZVW
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Links ein Handstand, im Hintergrund Turnübungen am Reck, sportliche Leistungen auch im Vordergrund. Heiko Paule (links, rote Hose) und Louisa (2. von rechts) und Diane (rechts) schauen zu © Palmizi /ZVW

Schorndorf. Bisher verliefen die Olympischen Spiele für die deutschen Sportler wenig erfolgreich. Vielleicht macht es dem SG-Schorndorf-Team um Heiko Paule Mut, dass der Nachwuchs immer noch Lust hat, sich auszutoben, und sich in mehreren Disziplinen beweisen kann. Nach zehn Jahren als Leiter der Feriensportwochen entwickelt Heiko Paule immer wieder neue Ideen, womit er die Kinder auf Trab halten kann.

Video: Zu Besuch bei der SG-Feriensportwoche

Nachwuchsprobleme hat Heiko Paule nicht. 110 Kinder haben sich in dieser Woche für die Sportwochen der SG und der Stadt Schorndorf angemeldet. Auch Betreuer-Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern. Diane und Louisa haben die Sportwochen zum letzten Mal gebucht. Sie werden bald 14 Jahre alt. Diane macht seit acht Jahren mit. Sie zählt nun zu den wenigen älteren Kindern. Einmal noch wollte sie mitmachen, sie sei ja noch nicht zu alt, sagt die 13-Jährige und lacht. Bevor sie alleine joggen geht, macht sie lieber gemeinsam mit ihrer Freundin Sport. Heiko Paule hegt berechtigte Hoffnungen, dass Diane und Louisa im kommenden Jahr die Seiten wechseln und zum Betreuer-Stab stoßen werden. Schließlich gebe es nun die Junior-Betreuer für 14- bis 15-Jährige. Das sorgt für eine qualifizierte Mischung aus jungen und erfahrenen Helfern. Paule greift gerne auf bekannte Gesichter zurück. So ist er sicher, die neuen Alten werden einen guten Job machen. Das attestieren die Mädchen dem Diplom-Sportwissenschaftler, der im Basketballer-Outfit erschienen ist.

Tolle Auswahl an Attraktionen

„Das ist nicht abgesprochen“, versichert er, als die beiden Sportlerinnen ihn loben. „Die Gerätelandschaft sah letztes Jahr noch ganz anders aus!“, sagt Louisa. Die verschiedenen Aufbauten in der kleinen Halle des Schulzentrums Grauhalde sind wahrlich beeindruckend. Aus einem Sammelsurium von verschiedenen Sportgeräten wie Bänken, Matten, Ringen, einem Seil und der hölzernen Kletterwand bauen er und sein Team eine Seilabfahrt. Nebenan wurde die Kletterwand gekippt. Eine Matte liegt steil auf den Sprossen. Die Kinder ziehen sich am Seil nach oben oder nutzen die Strickleiter. Oben angekommen, wagen sie am Kletterseil den Abgang. Jedes Jahr entwickle er neue Attraktionen. „Spieleerfinder arbeiten wohl so ähnlich“, vermutet der Baumeister. Wenn Heiko Paule an manchen Abenden fernsieht oder morgens frühstückt, kommen ihm manchmal die besten Ideen. Nicht alles sei umzusetzen. Doch diese Denkarbeit, die die praktische Arbeit vor Ort und das Organisieren im Vorfeld ergänzt, gefällt ihm.

Die Gerätelandschaft besteht größtenteils aus „Eigenkreationen“

In zehn Jahren habe er Erfahrungen gesammelt, was er auf kleinem Raum umsetzen kann und welches Material er benötigt und auch vorrätig hat. Die Gerätelandschaft besteht größtenteils aus „Eigenkreationen“. Im Internet oder in Büchern hole er sich auch mal Inspirationen. Er muss dann auch entscheiden, welche Übungen er den Kindern zutrauen kann und wo Gefahren lauern könnten. Doch wenn es mal eine Verletzung gibt, dann meistens bei vermeintlichen ungefährlichen Übungen, beispielsweise beim Fußball und nicht beim Turnen.

In den vergangenen Jahren gab es einige Ergänzungen des Sportprogramms. Neu ist unter anderem die Hockey-Variante Bounce-Ball. Doch der 41-Jährige weiß genau, dass er Fußball anbieten muss, sonst wären die Jungs und Mädchen beleidigt. Fußball geht immer. Minigolfen, Skateboarden, Turnen, Schwimmen und unzählige Sportarten bietet er bei den täglich wechselnden Übungen auch an. Nach dem Frühstück um 8 Uhr bietet das Team zweimal fünf Einheiten an. Dann gibt’s um 12 Uhr Mittagessen vor Ort. Danach finden ab 14 Uhr wieder zweimal fünf verschiedene Angebote statt. Das sei mitunter knifflig.

Sogar schon für Kinder 3 Jahren

Wenn er viermal am Tag fünf Einheiten für rund 100 Kinder anbietet, muss er abschätzen, dass Minigolf, Fußball, Akrobatik auf der „AirTrack-Matte“, Roll-Sportarten und Turnen in der Gerätelandschaft in etwa gleich viele Kinder ansprechen. Dabei muss das Team beachten, etwas anzubieten, das eher Jungs interessiert, was eher Mädchen interessiert, was die Jüngeren interessiert sowie auch die älteren Kinder. Und irgendwie sollte auch etwas dabei sein, dass alle anspricht. Dabei gilt es zu beachten, dass nicht alles in der großen Halle oder gleichzeitig draußen stattfinden kann. Wenn es regnet, muss das Team wieder umplanen.

Da das Ferienprogramm nun auch vermehrt eine Halbtagsbetreuung für Kinder ab drei Jahren anbietet, eine Neuigkeit, mit der Stadt und SG auf Elternwünsche reagiert haben, muss Paule es arrangieren, dass Dreijährige nicht gerade gegen 13-Jährige Fußball spielen. Aber alles kein Problem. Das hat er nach zehn Jahren schon raus. Da er sich auf das zwölfköpfige Team verlassen kann – „Wenn es gut läuft, habe ich wenig zu tun“ –, bleibt ihm Zeit, sich ungestört und beruhigt den Fragen des Redakteurs zu widmen. Stimmt es, dass die Kinder unsportlicher werden? Na ja. Die Kinder, die kommen, seien sportlich. Kinder, die beispielsweise Probleme haben, ihre Bewegungen zu koordinieren, bleiben wohl eher weg. Die Zahl der Unsportlichen habe schon zugenommen, doch die habe es früher auch gegeben. Fazit: Das Niveau hat in der Breite abgenommen, ohne dass es dramatisch ist.

Eltern sind zufrieden

An den Freitagen schauen dann wie gewohnt die Eltern vorbei und der Nachwuchs zeigt, was er erarbeitet hat. Die Kinder treten außerdem bei olympischen Wettkämpfen gegeneinander an, nachdem sie zuvor feierlich in die Halle einmarschiert sind.

Was sagen die Eltern? Die sind zufrieden: Der Nachwuchs habe viel Spaß, sei tagsüber in guten Händen, könne sich richtig austoben und sei daher abends müde. Dieser Umstand kommt bei Eltern sehr gut an.

Neue Ideen:

In den vergangenen Wochen lief das Format „Ninja Warrior“ im Fernsehen. Sportskanonen müssen einen Hindernisparcours bewältigen. Der Schnellste gewinnt. Ein ähnliches Sportereignis will Heiko Paule vielleicht im nächsten Jahr anbieten. Abends oder morgens werden ihm sicherlich wieder viele Ideen kommen.