Schorndorf

Shoppen zum Schnäppchenpreis: Wie das DRK Schorndorf das möglich macht

Rausverkauf
Wie im Kaufhaus hängt die Ware sortiert. © Gabriel Habermann

Wer ein Schnäppchen machen möchte oder bedürftig ist, ist beim Abverkauf der DRK-Kleiderstube richtig. Auch Qualitätsbewusste und Flohmarktfans wissen, dass sie hier immer was Gutes finden.

Der zweijährige Linus strahlt alle an: „Einen Rucksack mit Autos hast du gefunden, willst du den mitnehmen?“, fragt die Mama. Der Sohnemann guckt die aufgedruckten Feuerwehrautos, Busse und weitere Großfahrzeuge an wie ein Bilderbuch. Die Eltern Julia und Sebastian Zeug wissen: Baustellen sind bei ihm gerade schwer angesagt. „Wir bauen unser Haus um, wenn er Bagger sieht, ist es die Krönung“, sagt die Mama. Ein Bagger ist nicht unter den Motiven, aber Linus kiekst, als er ein Raupenfahrzeug auf dem Rucksack entdeckt.

Stöber-Atmosphäre und der Nachhaltigkeitsgedanke führen her

Die „Krönung“, sogar eine echte für den Kopf, entdeckt der Vater. Er zieht für sich eine Bauarbeiterhose aus dem Hosen- und Jeansstapel heraus und nimmt nebenan in der Spiele-Ecke zwei orangefarbene Kinderhelme mit. Einen setzt er Linus auf, der andere ist für dessen fünfjährige Schwester Lena. Bei ihr löst ein Einhorn auf rosarotem Hintergrund den „haben-will“-Reflex aus. Ein Kartenspiel, original verpackt, hinten drauf das empfohlene Alter passt auch, muss also mit. „Beide dürfen sich hier eine Sache selbst aussuchen“, erklären die Eltern die familieninterne Flohmarktregelung. Denn sie gehen gern auf Märkte. „Ich liebe es, rumzustöbern, und hier ist es eine ähnliche Atmosphäre“, meint Julia Zeug. Vor allem der Nachhaltigkeitsgedanke führe sie her. „Ich möchte nicht alles neu kaufen, vieles gehört nicht in den Mülleimer“, sagt sie.

Marken-Sportschuhe: „Die sind wirklich nagelneu“

„Wenn jemand etwas nicht mehr nutzt, heißt das nicht, dass es schlecht ist und weg muss“, sagt ihr Mann. Der Rucksack von Linus, das Einhorn-Spiel und die Arbeitshose sind neuwertig wie das Paar weinrote Converse-Sportschuhe, das sich die Mama geschnappt hat. „Die sind wirklich nagelneu“, sagt sie und meint die makellos weiß leuchtenden Schuhkappen, die für den Markenhersteller charakteristisch sind. Entweder, die Vorbesitzerin war lauffaul, oder es ging ihr wie vielen: „Schuhe gekauft, unbequem oder passen doch nicht richtig, nie getragen. Dann liegen sie rum, und irgendwann müssen sie weg“, berichtet DRK-Frau und Kleiderstuben-Mitarbeiterin Nina Leo davon, was ihr viele Spender erzählen.

Neuware kommt auch durch Sponsoren in den Fundus

Neuware finde auch über Sponsoren den Weg in den DRK-Fundus. „Uns schicken Firmen aus ganz Deutschland Sachen, seit wir vor sechs Jahren einen Aufruf gestartet haben, um die Flüchtlinge einzukleiden“, sagt Birgit Kralisch, die Leiterin der Kleiderstube. Dieses Jahr sei von privater Seite außergewöhnlich viel zusammen gekommen. „Durch Corona ging das große Entrümpeln daheim los, das Spendenaufkommen ist schlagartig gestiegen“, erklärt sie. Zwar hätten sie persönlich nichts annehmen dürfen während der Zeit. „Aber unser Schacht war immer voll“, so Kralisch.

Die Pandemie wollte außerdem, dass sie eine Woche die abgegebenen Altkleider-Säcke nicht anrühren durften. „Wir mussten alles liegenlassen, bevor wir sortieren durften.“

Vor einem Abverkaufstermin bauen Ehrenamtliche alles auf

Jeder Altkleidersack werde bereits im Lager für den Verkauf jeden Freitag vorsortiert. Steht ein Abverkaufstermin bevor wie jetzt, werde am Donnerstag davor alles von einer Handvoll Ehrenamtlicher aufgebaut. Von drei geplanten Abverkäufen habe 2020 nur einer stattgefunden. Das zum Schutz vor Ansteckung angeordnete „Stubenhocken“ hat die Kleiderstube gefüllt mit etlichen Regalmetern an Outdoor-Schuhen, viele davon mit nagelneuer Sohle, die DRK-Kleiderständer hängen voll mit kaum getragenen Blusen, T-Shirts von sportlich bis edel, Jacken wie neu, teilweise noch mit dem ursprünglichen Preisetikett.

Birgit Kralisch ist guter Dinge, dass die Menge weiter steigen wird. Sie lässt wissen: „Wir sind dankbare Abnehmer, wenn jetzt die Geschäfte nachziehen und ihre Lager mit nicht verkaufter Ware räumen.“

Man staunt nicht schlecht, wovon sich manche Leute trennen möchten

„Des ischd koin Gruschd“, spürt eine ältere Dame die Qualität beim Betasten des Stoffs. Man staunt nicht schlecht, wovon sich manche Leute trennen möchten: Die Seniorin aus Schorndorf hält einen schicken und modern geschnittenen Blazer vor sich. Sie ist geschmackvoll gekleidet, man sieht, sie legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Ihre Bekannte berät, zupft ihrer Freundin den Kragen zurecht und streicht mit den Händen die Rückseite des edlen Teils aus fließendem, mattgrauem Stoff glatt. „Passt und sitzt perfekt, so kannst du jetzt wieder mal unter die Leut’ gehen.“ Dann die Preisfrage: „Was welled die dafür, guckschd mal hinten?“ Ein Blick aufs Preisschildchen, und der Fall ist klar: „Acht Euro - geschenkt.“

Kein Ramsch, Kaputtes und Schmutziges wird aussortiert

Das meiste, das auf den Tischen ausliegt und wie im Kaufhaus sortiert an Kleiderständern hängt, kostet nicht mehr als zehn Euro. Obwohl es mehr wert wäre. „Wir nehmen keinen Ramsch und sortieren kaputte und schmutzige Sachen von vornerein aus“, sagt Birgit Kralisch. Was die einen aus ihren Kleiderschränken verbannen, ermöglicht anderen die große Shopping-Tour.

Zettel helfen, den Überblick über die Besucherzahl zu haben

An der Kasse bildet sich eine Schlange - mit Abstand, alle tragen Maske und müssen das am Einlass verteilte Zettelchen beim Gehen vorzeigen, damit die DRK-Helfer den Überblick über die Personenzahl haben. Beim Großandrang gleich zu Beginn war für eine Viertelstunde die maximale Personenzahl von 50 erreicht. Erlöst wurden rund 2 000 Euro.

Wer ein Schnäppchen machen möchte oder bedürftig ist, ist beim Abverkauf der DRK-Kleiderstube richtig. Auch Qualitätsbewusste und Flohmarktfans wissen, dass sie hier immer was Gutes finden.

Der zweijährige Linus strahlt alle an: „Einen Rucksack mit Autos hast du gefunden, willst du den mitnehmen?“, fragt die Mama. Der Sohnemann guckt die aufgedruckten Feuerwehrautos, Busse und weitere Großfahrzeuge an wie ein Bilderbuch. Die Eltern Julia und Sebastian Zeug wissen: Baustellen sind bei

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