Schorndorf

Sind Mieterhöhungen auch in Schorndorf unausweichlich?

Mietvertrag
Nach Vonovia-Ankündigung: Steigen in Schorndorf neben den Energiepreisen auch noch die Kaltmieten? © Benjamin Büttner

Die Preise steigen – egal ob bei Lebensmitteln, dem Sprit oder den Heizkosten. Nun kündigte Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia kräftige Mieterhöhungen an. Grund dafür sei die Inflation. Kritik hagelt es dafür vom Deutschen Mieterbund. Doch ist die Erhöhung von Mietkosten in Zukunft wirklich unausweichlich, wie der Vonovia-Vorstand behauptet? Kommen auch auf Nicht-Vonovia-Mieter harte Zeiten zu? Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau Schorndorf, ordnet die Situation ein.

„Wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen“, kündigte jüngst Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Zwar gibt es in Schorndorf laut der Vonovia-Webseite keine Mietwohnungen des DAX-Konzerns, trotzdem werden viele Mieter aufgehorcht haben.

Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau, spricht von einer Steilvorlage für Rolf Buch. Vonovia habe aufgrund der überall steigenden Preise die Gunst der Stunde genutzt und „eine rein politisch-vorsorgliche Ankündigung“ gemacht. Die Mieter sollen sich dadurch im besten Falle im Vorfeld an hohe Kosten „gewöhnen“. Er nimmt der Ankündigung aber auch etwas den Wind aus den Segeln: „Wir haben ein Mietrecht. Da kann nicht jeder machen, was er will.“

Im Gegensatz zur Kaltmiete: Nebenkosten werden überall steigen

Mieter der Stadtbau haben ohnehin keine willkürlichen Erhöhungen zu befürchten. Immerhin hat das Unternehmen einen öffentlichen Auftrag der sozial verantwortlichen Wohnungsversorgung in Schorndorf. Die Mieten können, wenn überhaupt, erst erhöht werden, wenn der Mietspiegel angepasst wird. „Das hat mit der momentanen Vonovia-Situation nichts zu tun“, erklärt Martin Schmidt. Aber: „Es ist schnell platt dahergesagt, dass die Miete steigt. Man muss genau darauf schauen, was teurer wird.“ Bislang werde immer nur von Erhöhungen der Kaltmiete gesprochen. Die Nebenkosten, da ist sich der Stadtbau-Geschäftsführer sicher, werden durch hohe Energiekosten auch bei der Stadtbau und bei anderen Vermietern steigen. „Wenn die Energiekosten runtergehen, passen sich die Nebenkosten aber wieder an.“ Die Preise der Kaltmiete bei Vonovia werden laut Martin Schmidt allerdings nicht sinken, sobald sie einmal erhöht wurden.

Vonovia ist eine Aktiengesellschaft, die auf Renditemaximierung ausgelegt ist. Im Jahr 2021 verzeichnete das Unternehmen einen Gewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro und zahlte seinen Aktionären die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte aus. Am Hungertuch nagt der Konzern also keineswegs. Genau daran hängt sich die Kritik des Präsidenten des Deutschen Mieterbunds (DMB), Lukas Siebenkotten, auf: „Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind.“

In Deutschland wären sehr viele Menschen von Mieterhöhungen betroffen

Martin Schmidt kann die Position des DMB durchaus verstehen. Schließlich sei jeder Mensch auf eine Wohnung angewiesen. „Wenn man sich ein teures Auto nicht leisten kann, kauft man es eben nicht. Eine Wohnung braucht aber jeder.“ Außerdem sei die Mietquote in Deutschland im Vergleich sehr hoch: Laut einer Erfassung des Statistischen Bundesamtes leben 57,9 Prozent aller deutschen Haushalte in Miete. 42,1 Prozent wohnen in den eigenen vier Wänden. Mehr als die Hälfte der Deutschen wären also direkt von Mieterhöhungen betroffen. Damit liegt Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarländern weit zurück. In der EU belegt die Bundesrepublik sogar den letzten Platz: In Frankreich wohnen 64 Prozent der Menschen in eigenen Wohnungen und Häusern, in den Niederlanden sind es 69,1 und in Polen satte 85,6 Prozent.

Eine Vonovia-Konzernsprecherin hatte unmittelbar nach den Vorwürfen des DMB reagiert und die Aussagen von Rolf Buch versucht zu relativieren. Das berichtete unter anderem die Tagesschau. Es gehe bei den Äußerungen des Konzernchefs um die wirtschaftliche Entwicklung und nicht um konkrete Ankündigungen.

Die Preise steigen – egal ob bei Lebensmitteln, dem Sprit oder den Heizkosten. Nun kündigte Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia kräftige Mieterhöhungen an. Grund dafür sei die Inflation. Kritik hagelt es dafür vom Deutschen Mieterbund. Doch ist die Erhöhung von Mietkosten in Zukunft wirklich unausweichlich, wie der Vonovia-Vorstand behauptet? Kommen auch auf Nicht-Vonovia-Mieter harte Zeiten zu? Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau Schorndorf, ordnet die Situation

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