Schorndorf

So geht man in Schorndorfer Geschäften mit der wegfallenden Maskenpflicht um

(k)eine Maskenpflicht
Am Fenster des Geschäfts „Cabrio Fashion Mode“ in der Johann-Philipp-Palm-Straße ist der Wunsch-Hinweis eindeutig. © Gabriel Habermann

Sehnlichst haben viele darauf gewartet, andere sehen die Entwicklung kritisch: Nahezu alle Corona-Schutzmaßnahmen fallen weg. In Innenräumen müssen keine Masken mehr getragen werden und die 3G-Zugangsbeschränkungen fallen weg. Nur noch in Pflegeheimen, Kliniken und dem öffentlichen Personennahverkehr sowie in Fernzügen und Flugzeugen ist man angehalten, den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch in Schulen ist die Maske nicht mehr vorgeschrieben.

Supermärkte, Discounter und andere Geschäfte öffneten am Montag ihre Türen und durften erstmals seit dem Frühjahr 2020 wieder Kundinnen und Kunden hereinlassen, die keine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Was nun? Was sagen beispielsweise die Schorndorfer Einzelhändler? Sprechen sie angesichts der noch hohen Infektionszahlen eine Maskenpflicht mittels Hausrecht aus? Sind die Kunden froh, wieder ohne Maske einkaufen gehen zu können, oder ist das gänzlich ungewohnt? Wir haben uns in der Stadt umgehört.

Endlich wieder Gesichter sehen!

Bei der Buchhandlung Osiander heißt es: „Also Abstand und Hygiene haben wir ja mittlerweile im Blut, da bleiben wir dabei! Und es gibt ein Hygienekonzept“, sagt Filialleiterin Sarah Schäfer. Einige aus dem Team werden freiwillig weiter Maske tragen, solange die Zahlen so hoch sind, um sich selbst und andere zu schützen. „Das ist aber unseren Mitarbeiterinnen selbst überlassen.“ Das gelte dann auch für die Kundinnen und Kunden – sicher werden manche noch die Maske tragen wollen, vermutet Schäfer.

„Wer nicht will, muss dann aber von uns auch nicht mehr darauf hingewiesen werden – wir übernehmen da natürlich die Landesverordnung.“ Was genau aber passiert, wisse sie auch nicht, so die Filialleiterin: „Es gilt wie seit zwei Jahren: auf uns zukommen lassen und spontan so gut wie möglich reagieren und das Beste daraus machen.“

Wie zu beobachten ist, sind einige Kunden froh, ohne die Maske in die Läden zu gehen, für andere wiederum ist es ein ungewohntes Gefühl. „Es hat sich jetzt so eingeprägt, dass man immer eine Maske dabei hat. Ich möchte mich jetzt erst recht schützen und werde sie auch weiter tragen, wenn ich einkaufen gehe“, so eine Kundin, die eine Boutique in Schorndorf betritt. Ein Kunde, der aus dem Drogeriemarkt Müller kommt, lacht: „Endlich ohne Maske! Man hat immer geschwitzt darunter, das Atmen war schwer, die Brille ist angelaufen.

Endlich sieht man wieder die Gesichter.“ Hinweise oder der Wunsch, dass man die Maske weiter tragen sollte, gibt es bei etlichen Läden in der Arnold-Galerie, aber auch in der Johann-Philipp-Palm-Straße, wie beispielsweise bei „Cabrio Fashion Mode“. Da heißt es: „Für ein freiwilliges Tragen des Mundschutzes danken wir Ihnen!“ Viele der Kunden am Montag kommen dieser Bitte nach. Bei der Metzgerei Kurz steht gar geschrieben, dass die Maskenpflicht dort bis 16. April gilt.

Abschaffung der Maskenpflicht zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht

Ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt, die Maßnahmen aufzuheben, angesichts der Corona-Zahlen und der neuen „Untervariante“ (BA.2) von Omikron? „Die meisten Menschen sehnen sich danach, ohne Beschränkungen einkaufen zu können. Auch im Verkauf kann das dauerhafte Masketragen manchmal lästig sein. Gleichwohl halte ich, ebenso wie viele unserer Kunden, die Abschaffung der Maskenpflicht zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht“, sagt Andrea Andresen vom Haushaltswarengeschäft Carl Max Meyer.

Auch ohne staatliche Vorgaben kann es weiterhin Regeln zu Masken – aber genauso zu Impfnachweisen – geben, nämlich per Hausrecht. Das können Unternehmen, Kneipen oder Geschäfte selbst für ihre Bereiche festlegen und durchsetzen. „Gesetzliche und politische Vorgaben sind die Grundlage unseres Handelns. Darüber hinausgehen durch unser Hausrecht werden wir nicht“, so Andresen. Die Corona-Fall- und Todeszahlen seien aktuell immer noch sehr hoch.

Die Maske sei ein einfaches Mittel, sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen, "und im Vergleich zu einer Infektion meines Erachtens das geringere Übel". „Wir appellieren an die Eigenverantwortung unserer Kunden, als Zeichen gegenseitiger Rücksichtnahme noch Maske zu tragen. Auch wir werden aus diesem Grund Masken tragen, solange die Fallzahlen derart hoch sind. Darüber hinaus wird unser Hygienekonzept aufrechterhalten, zum Beispiel mit Abstandsvorgaben und Schutzvorrichtungen im Bereich der Theken.“

Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten

Im Kaufhaus Bantel freue man sich natürlich, „das Lächeln der Kunden wieder zu sehen“, sagt Claudia Maurer-Bantel. Aber grundsätzlich gelte, dass man an die Eigenverantwortung appelliere – „gerade bei den hohen Infektionszahlen“. Es gebe sicher skeptische Kunden, die sich einfach sicherer fühlen, wenn sie eine Maske tragen. „Auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir es freigestellt, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht.“ Die Maskenpflicht mittels Hausrecht einzuführen, das wolle man nicht.

Am Montagmorgen hat Claudia Maurer-Bantel beobachtet, dass viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Maske tragen: „Aber wir haben auch Kollegen, die gesundheitliche Probleme haben und denen das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes schwergefallen ist. Sie lassen die Maske weg, wenn sie das möchten.“

Auf den Mindestabstand werde man nach wie vor achtgeben und Desinfektionsspender seien weiter aufgestellt. „Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, beispielsweise bei einem Beratungsgespräch in der Unterwäsche-Abteilung, wird selbstverständlich eine Maske getragen“, sagt Claudia Maurer-Bantel. So oder so sei es nur „Schritt für Schritt möglich“, in einen „Normalbetrieb“ zurückzukehren.

Mehrheit der Kunden bei Aldi und Lidl in Schorndorf trägt FFP2-Maske

Wie sieht es bei den Supermärkten aus? Ist es ratsam, dass beispielsweise beim Einkaufen im Discounter die Maskenpflicht wegfällt? Hierzu hat die  Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori eine klare Meinung: „Wenn alle eine Maske tragen – im Supermarkt, Bus, Rathaus, in der Arztpraxis – dann trägt das dazu bei, dass das Virus sich schlechter verbreiten kann.“ Heißt: Wird keine Maske getragen, kann sich das Coronavirus natürlich deutlich besser verbreiten. Ein Blick in die Aldi- und Lidl-Filiale in Schorndorf zeigt: Die Mehrheit der Kunden trägt immer noch eine FFP2-Maske, nur wenige gehen „oben ohne“.

„Wir orientieren uns grundsätzlich an den Verordnungen der Bundesländer, den jeweiligen regional gültigen Allgemeinverfügungen sowie der Corona-Arbeitsschutzverordnung und setzen diese entsprechend um“, teilt Jo-Lukas Hoffmann, Lidl-Pressesprecher, mit. Hinsichtlich der Maskenpflicht beobachte man die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern und werde bei entsprechender Verordnung die geforderten Maßnahmen realisieren.

Anna-Maria Lennertz, Pressereferentin von Aldi, weist ebenso auf die Corona-Schutzverordnungen der Bundesländer hin: „Die darin festgelegten Regelungen werden für uns maßgebend sein. Überall dort, wo die Verordnungen eine Maskenpflicht als Schutzmaßnahme vorsehen, werden wir diese gesetzliche Vorgabe selbstverständlich umsetzen. Wird keine Maskenpflicht vorgeschrieben, behalten wir uns eine Empfehlung an Mitarbeiter und Kunden vor, weiterhin freiwillig eine Maske zu tragen.“

Ein Rewe-Pressesprecher antwortet auf die Frage, ob in Rewe-Märkten Masken getragen werden müssen oder nicht, dass die Rewe-Märkte die von den Behörden gemachten Anordnungen einheitlich umsetzen werden - also auch in Baden-Württemberg. „Dies ist bundesweit für unsere Mitarbeitenden in den Märkten bereits seit Beginn der Pandemie gelebte Praxis und wird auch bei neuen Beschlüssen so bleiben.“

Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel: Keine gute Idee

Kritisch dem Sachverhalt gegenüber äußert sich der Handelsverband Deutschland (HDE): Der Gesetzgeber habe mit der Novelle des Infektionsschutzgesetzes entschieden, dass die Pflicht zum Tragen von Masken nur noch in Ausnahmefällen und in besonderen Hotspots angeordnet werden könne. Die beschlossene neue Fassung des Infektionsschutzgesetzes entspreche dem vom Bundesgesundheitsminister erarbeiteten Entwurf.

„Mit der Vorlage des Gesetzentwurfs hat sich der Bundesgesundheitsminister in dieser Frage klar positioniert. Wenn nun die Verpflichtung zum Tragen einer Maske im Einzelhandel aufgrund der neuen Rechtslage ausläuft, dann ist es schon sehr verwunderlich, wenn der Minister kurz nach Verabschiedung der gesetzlichen Änderung an die Handelsunternehmen appelliert, mit Hilfe ihres Hausrechts weiterhin eine Maskenpflicht durchzusetzen“, führt Franziska Berg, Pressesprecherin des HDE, aus.

Die Unternehmen dürften hier nicht mutwillig in die Rolle eines Ersatz-Gesetzgebers gedrängt werden. „Die demokratisch legitimierte und von zahlreichen Fachleuten beratene Politik setzt den Rahmen für die Pandemiebekämpfung, die Handelsunternehmen tragen seit Jahren alles dazu bei, die Vorgaben best- und schnellstmöglich umzusetzen.“ Das sei die korrekte Rollenverteilung. Unabhängig davon gehe der HDE davon aus, dass viele freiwillig weiterhin die Maske beim Einkaufen tragen werden.

Übrigens: Die meisten Deutschen halten eine Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel für keine gute Idee. Dieses Meinungsbild geht aus einer Umfrage des Forsa-Instituts hervor. Laut der Umfrage sagten 65 Prozent der knapp über 1000 befragten Personen, dass die Pflicht vorerst weitgehend bestehen bleiben sollte. 23 Prozent sprachen sich für eine Abschaffung der Maskenpflicht in manchen Bereichen aus.

Sehnlichst haben viele darauf gewartet, andere sehen die Entwicklung kritisch: Nahezu alle Corona-Schutzmaßnahmen fallen weg. In Innenräumen müssen keine Masken mehr getragen werden und die 3G-Zugangsbeschränkungen fallen weg. Nur noch in Pflegeheimen, Kliniken und dem öffentlichen Personennahverkehr sowie in Fernzügen und Flugzeugen ist man angehalten, den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch in Schulen ist die Maske nicht mehr vorgeschrieben.

Supermärkte, Discounter und andere

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