Schorndorf

So läuft die Akkordarbeit im Impftruck: Durchlauf mit dem 81-jährigen Erhard Fahrion aus Schorndorf

Impftruck 6
Erhard Fahrion (r.) beim Drei-Minuten-Termin im Impftruck: Bevor es die ersehnte Spritze gibt, steht ein kurzes Aufklärungsgespräch an. © Gabriel Habermann

Für Erhard Fahrion aus Weiler war in einer halben Stunde alles erledigt. Nach der ersten Impfung sitzt er zufrieden im Ruheraum. Erleichtert, „das jetzt gemacht zu haben“. Er sei guter Dinge, seinen gewohnten einstündigen Spaziergang am Nachmittag mit dem Hund und seiner Frau auch heute machen zu können. „Alles fühlt sich ganz normal an, ich spüre nichts.“

Er habe lange darauf gewartet. „Es war mein Wunsch, mich impfen zu lassen, sobald dies möglich ist“, sagt er. Sehr deutlich habe er den Schrecken in Erinnerung, als vor knapp einem Jahr in Grunbach der erste Todesfall in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet wurde. Für den 81-Jährigen gibt es kein Vertun: „Entweder es wirkt oder es wirkt nicht, aber Nichtstun wirkt auf keinen Fall“, sagt er. Schon vor fünf Wochen habe er über die Hotline 116117 versucht, einen Impftermin zu bekommen. Daraus sei nichts geworden.

Impfungen laufen im Drei-Minuten-Takt ab

„Man hat gesagt, dass ich auf der Warteliste bin, aber ich bekam keine schriftliche Bestätigung.“ Beim Robert-Bosch-Krankenhaus dasselbe noch mal, wieder sei ihm ein Platz auf der Warteliste mündlich versichert worden. Nach der Ankündigung des Impftrucks in den Schorndorfer Nachrichten habe er gleich am Montagvormittag auf dem Rathaus in Schorndorf angerufen - Bingo. „Ich war der neunte Anrufer und jetzt bin ich hier.“ Fahrion ist einer von 250 Personen, die am vergangenen Wochenende ihre erste Impfung erhalten haben.

Beim Betreten des Zeltes desinfiziert sich jeder als Erstes die Hände. Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die die Aktion koordinieren, nehmen Personalausweis und Impfpass entgegen, gleichen die Daten mit der Anmeldung auf ihrer Liste ab, auf der die Namen der Impfwilligen aufgeführt sind. „Bis jetzt sind alle angemeldeten Personen pünktlich erschienen, es gab keine Absagen“, sagt Britta Shellenberger. Der Zeitplan ist sportlich: Ab 9.30 Uhr wird im Drei-Minuten-Takt eine Person geimpft.

Impflinge freuen sich über diese Gelegenheit

Die städtische Mitarbeiterin erkundigt sich, ob die Senioren Treppen steigen können. Gestützt durch ein Geländer gelangt jeder über ein paar nicht steile Stufen ins Innere des Trucks. Zuerst sitzt man dem Backnanger Arzt David Callau gegenüber, der über den Vorgang der Impfung aufklärt. „Möchten Sie geimpft werden?“ lautet eine Frage an eine 86-jährige Dame. Sie schaut etwas irritiert. „Ja, deshalb bin ich hier“, meint sie. „Es wäre nicht das erste Mal, dass es sich jemand hier auf dem Stuhl nochmals anders überlegt“, begründet der Mediziner die Frage. Es sei sein vierter Einsatz im Kreis, vor dem Truck habe er Menschen in Pflegeheimen und Wohneinrichtungen geimpft.

Einziger Ausweg aus der Pandemie

"Das ist die einzige Chance gegen die Pandemie, sonst kommen wir aus der Nummer nicht raus.“ Dankbar, dass es vorwärtsgeht, ist auch Ursula Reusch aus Schorndorf. In Waiblingen sei sie einfach nicht durchgekommen. „Ich habe am Montagvormittag bei der Stadt Schorndorf angerufen und es hat gleich geklappt.“ Auch an sie geht die Frage, ob sie geimpft werden will: „Gerne, gerne, gerne, ich bin so froh um den Impftag.“

Auch das Ehepaar Hemele aus Schorndorf fühlt sich nun sicherer. „Achtung, jetzt geht gleich das Geschrei los“, spricht Hans Hemele noch scherzhaft eine Vorwarnung aus, die sich aber nicht bewahrheitet. Der medizinische Fachangestellte Jannic Sommer, der im Auftrag des Landratsamts die Impfaktion unterstützt, macht einen sehr entspannten Eindruck, zieht ohne Hektik die Spritze auf, erinnert den Wartenden daran, den Arm locker runterhängen zu lassen. „Es wird kurz kühl“, kündigt er das Betupfen der Einstichstelle an. „Nicht erschrecken, jetzt kommt der kurze Piekser“ - kaum ausgesprochen, darf Hemele auch schon das Pflästerle draufdrücken.

Mit Impfroutine Zögernde beruhigen

Jannic kommt schnell zur Sache, er hat die Routine. Die Impfer sind allesamt sogenanntes „nicht ärztliches Fachpersonal“, also Krankenschwestern, Altenpfleger und Arzthelferinnen. 25 Stunden pro Woche helfe er aus, erzählt der 22-Jährige. Für ihn sei die Arbeit ein „guter Ausgleich zum Home-Schooling, ich mache gerade mein Abitur nach“, erzählt er. „Es macht Spaß, mal wieder mit Menschen zu arbeiten, nicht nur virtuell.“ Das nationale Impfprojekt vor Ort zu unterstützen, bedeute ihm viel: „Ich sehe darin eine große Aufgabe, dass ich beitragen kann, die Pandemie etwas zu stoppen und die Situation für alle damit hoffentlich zu verbessern.“ Als Nächstes streckt ihm Elfriede Hemele den Oberarm entgegen.

„Ich hatte ja so Panik, im Fernsehen sieht man immer die langen Nadeln.“ Inzwischen weiß sie es besser: „Ich habe so gut wie nichts gespürt, die Nadel ging nicht tief rein“, sagt sie wenige Minuten später beim Aufstehen. „Wir spritzen in den Muskel, den spüre ich bereits wenige Millimeter unter der Haut am Widerstand“, entzieht Sommer jeder Nadelpanik die Grundlage.

Jeder Termin wurde wahrgenommen

Vorgesehen war, dass 120 Personen pro Tag die erste Impfung erhalten. Weil alles zeitlich super gelaufen sei, seien an beiden Tagen fünf zusätzliche Personen, die auf der Warteliste standen, zum Zug gekommen. „Wir halten bei jedem Impftermin ein paar Ersatz-Ampullen zur Sicherheit vor, die wir jetzt an zusätzliche Personen verimpfen konnten“, erklärt Jörg Behrens vom Kreisimpfzentrum Waiblingen, das für den Truck zuständig ist.

„Es geht seit Monaten so, dass wir im Akkord arbeiten, wir haben Pandemie, da muss man sein Privatleben etwas zurückstellen“, meint der hauptberufliche Rettungsassistent beim DRK. Weil er schon lange vor Corona eine Zusatzausbildung beim DRK als Desinfektor absolviert hat, sei er seit Februar 2020 freigestellt für das Krisenmanagement des Roten Kreuzes. Während das Impfzentrum in Waiblingen aktiv ist, sei er als Fachberater für das Landratsamt tätig.

Kreisimpfzentrum bald im Vollbetrieb

„Wir alle sind sehr froh, dass es losgeht“, sagt er. Am 28. April soll - Stand heute - das Kreisimpfzentrum in Vollbetrieb gehen, das heißt, dass dann täglich geimpft wird. Aktuell sei dies von Dienstag bis Freitag der Fall, was 400 Impfungen pro Tag entspreche. Im Dezember, als das Kreisimpfzentrum „aus dem Boden gestampft“ wurde, sei noch nichts klar gewesen - inzwischen nähere man sich der vom Sozialministerium vorgesehenen Auslastung von 800 Impfungen pro Tag, so Behrens.

Jetzt muss der Körper aktiv werden

Auf den Impfpässen wird die Chargennummer „Comirnaty CH-B“ vermerkt. Der Impfstoff gegen das Corona-Virus Sars-CoV-2 benötige eine gewisse Zeit, bis er wirkt. „Es handelt sich um eine aktive Impfung, bei der eine Bauanleitung für einen Virusbestandteil gespritzt wird“, erklärt der Arzt David Callau. Die Körperzellen übersetzen diese „Bauanleitung“, so dass der Körper selbst ein Oberflächeneiweiß bildet. Auf dieses reagiere das Immunsystem mit einer „Impfantwort“, indem es Antikörper bilde.

Wöchentlich erhält das Kreisimpfzentrum nach Auskunft von Behrens 1175 Impfdosen der Hersteller Biontec-Pfizer für Personen, die älter als 80 Jahre sind, zusätzlich weitere 1600 (im Durchschnitt) von Astrazeneca für die Menschen bis 65 Jahre. Insgesamt leben 3134 Personen in Schorndorf, die 80 Jahre und älter sind. Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich zeigt sich dankbar, dass die Stadt gleich für den ersten Impftermin mit dem Impftruck berücksichtigt wurde. „Viele sind froh, jetzt schnell geimpft werden zu können“, sagt er. Sein Dank richte sich an Ehrenamtliche des DRK-Ortsvereins, an die Ärzteschaft aus Stuttgart und dem Kreis sowie an die Malteser, die bei der Impfaktion mithelfen.

Für Erhard Fahrion aus Weiler war in einer halben Stunde alles erledigt. Nach der ersten Impfung sitzt er zufrieden im Ruheraum. Erleichtert, „das jetzt gemacht zu haben“. Er sei guter Dinge, seinen gewohnten einstündigen Spaziergang am Nachmittag mit dem Hund und seiner Frau auch heute machen zu können. „Alles fühlt sich ganz normal an, ich spüre nichts.“

Er habe lange darauf gewartet. „Es war mein Wunsch, mich impfen zu lassen, sobald dies möglich ist“, sagt er. Sehr deutlich habe

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