Schorndorf

So lief der erste Tag auf den neu geöffneten Spielplätzen

Seilbahn auf der Raible-Anlage
Maximilian Wöhrmann im Geschwindigkeitsrausch auf der Seilbahn an der Raible-Anlage. © Büttner

„Juhu, jaha!“, ruft ein kleines Mädchen mit Herzchenkleid und zerzausten Haaren. Sie schaukelt und schaukelt und schaukelt. Fast bis in den Himmel. Sechs Wochen lang konnte die Kleine ihrem Lieblingsspielplatz nur zuwinken, jetzt endlich kann sie hier wieder toben, rutschen, buddeln. Seit Mittwoch sind die Schorndorfer Spielplätze wieder geöffnet. Zunächst geht’s zaghaft los. Gegen Nachmittag aber brummt und summt es auf den zentralen Spielplätzen der Stadt. Die Abstandsregeln einzuhalten, das ist am späteren Nachmittag nicht mehr so leicht. Klar - die Sonne scheint, die Menschen freuen sich über die neue Freiheit - da trifft man sich zufällig, redet ein paar Takte, während die Sprösslinge über die Wiesen wetzen - fast wie früher eben.

Abstandsregeln müssen eingehalten werden

Doch so unbeschwert wie zuvor soll es in den nächsten Wochen auf den Spielplätzen im Land eigentlich nicht zugehen. Dafür sorgen sollen die Regeln, die das Land Baden-Württemberg jetzt erlassen hat. Pro zehn Quadratmetern Fläche ist nur ein Kind auf den Spielplätzen erlaubt. „Da wir teils recht große Spielplätze haben, haben wir stellenweise die Zahl an erlaubten Kindern auf 50 begrenzt, Eltern werden nicht mitgezählt“, erklärt Nicole Amolsch, Pressesprecherin der Stadt Schorndorf auf Nachfrage. Weiter sind die Eltern aufgerufen, dafür zu sorgen, dass Kinder, die nicht miteinander in einem Haushalt leben, möglichst einen Abstand von 1,5 Metern untereinander einhalten. Immerhin dürfen seit Mittwoch alle Mitglieder zweier Haushalte miteinander in Kontakt treten.

Schaufeltausch ist erlaubt, gemeinsames Vesper verboten

Nicht erlaubt ist es, auf dem Spielplatz gemeinsam zu essen, immerhin wäre dabei die Infektionsgefahr ungleich höher. Dafür ist das Austauschen von Schaufeln und Baggern im Sandkasten kein Problem, „da ein solcher Übertragungsweg nach derzeitigem Kenntnisstand keine wesentliche Relevanz besitzt“, heißt es in der offiziellen Verordnung des Landes.

Dass all diese Regeln bei Kindern unterhalb des Grundschulalters nur bedingt durchzusetzen sind, sei klar, heißt es in der neuen Verordnung. Aber ab sechs Jahren sollten die Auflagen weitgehend eingehalten werden. Im Übrigen ist die Begleitung der Kinder durch Eltern oder Betreuungspersonen während des Spielplatzbesuchs verpflichtend, um unter „infektionspräventiven Gesichtspunkten eine verantwortungsvolle Nutzung“ zu garantierten.

In der Daimlerstadt sollen Informationsschilder aufgehängt werden, der Ordnungsdienst soll das Geschehen beobachten und bei Bedarf ins Gespräch mit den Eltern gehen, heißt es aus dem Rathaus. Dabei gehe es nicht darum, Strafen zu verhängen, sondern darum, Verständnis für die Situation zu wecken. Konkrete Zahlen, wie viele Kinder sich auf den einzelnen Spielplätzen aufhalten dürfen, soll es laut Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich in der nächsten Woche geben. Bei kleineren Plätzen dürfte es sich um 15 bis 30 Kinder handeln, bei größeren um bis zu 50. „Jetzt muss sich erst mal wieder alles einpendeln“, ist seine Einschätzung.

Ordnungsdienst soll für Einhaltung der Regeln sorgen

Nach 16 Uhr jedenfalls - also zur besten Spielplatzzeit - ist am Mittwoch auf dem Schlossspielplatz kaum die Möglichkeit gegeben, die per Verordnung geforderten Abstände einzuhalten. Der Platz ist bevölkert wie an jedem anderen schönen Tag. Auch die Bänke sind recht dicht von Eltern besetzt. Die Einhaltung der Regeln wird an diesem ersten Öffnungstag nicht überwacht. Immerhin soll laut Hemmerich ab Donnerstag der Ordnungsdienst auf den Schorndorfer Spielplätzen nach dem Rechten sehen und „mit Fingerspitzengefühl“ für die Einhaltung der Verordnung sorgen.

Eltern genießen die neue, alte Freiheit

Ruth Wöhrmann, die am Mittwoch mit ihren Kindern in der Raible-Anlage unterwegs ist, berichtet: „Meine Kinder haben vor Glück geschrien, weil wir die Ersten hier waren.“ Schließlich hatte sie ihre Kinder darauf vorbereitet, dass es mit dem Besuch des Spielplatzes nichts werden könnte, falls bereits zu viele andere Kinder unterwegs wären. Auch Wöhrmann selbst ist froh über die Lockerung. Gleich morgen stehe das erste Spielplatz-Date der mittleren Tochter an. Seit sechs Wochen vermisst die kleine Freya ihre beste Freundin, das Wiedersehen wird sehnlichst erwartet. Angst, dass sie und ihre Familie sich mit dem Virus anstecken könnten, hat die Mutter nicht. „Die Kinder gehören ja ohnehin nicht zur Risikogruppe“ und die aktuellen Ansteckungszahlen machten zusätzlich Mut. Ähnlich sieht's auch Carla Pflanz. Die Lehrerin besucht in einer etwas weniger belebten Phase mit ihrer achtjährigen Tochter Tara und dem eineinhalbjährigen Jona den Schlossspielplatz. Auch sie hatten die Zeit während der Spielplatzsperrungen genutzt, um die Felder und Wälder rund um Schorndorf zu erkunden. Die neu zurückbekommene Freiheit aber genießen sie jetzt sehr. „Die Öffnung war superwichtig. Die Kinder brauchen einfach die Möglichkeit, sich zu bewegen“. Und auf dem Spielplatz seien einfach beide Kinder glücklich: Der kleine Steppke, der seine ersten Rutschversuche unternimmt und am liebsten den ganzen Sandkasten umgraben möchte, genauso wie die große Schwester, die es genießt, das herausfordernde Klettergerüst zu bezwingen.

„Juhu, jaha!“, ruft ein kleines Mädchen mit Herzchenkleid und zerzausten Haaren. Sie schaukelt und schaukelt und schaukelt. Fast bis in den Himmel. Sechs Wochen lang konnte die Kleine ihrem Lieblingsspielplatz nur zuwinken, jetzt endlich kann sie hier wieder toben, rutschen, buddeln. Seit Mittwoch sind die Schorndorfer Spielplätze wieder geöffnet. Zunächst geht’s zaghaft los. Gegen Nachmittag aber brummt und summt es auf den zentralen Spielplätzen der Stadt. Die Abstandsregeln einzuhalten,

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