Schorndorf

So war das Jazzkonzert der vier Jakobs in Schorndorf

Jazzfreunde
Live im Session 88: Jakob Bänsch (Trompete), Jakob Manz (Altsaxofon), Jakob Obleser (Kontrabass) und Felix Jakob Ambach am Schlagzeug. © Gaby Schneider

Kann man einen Jazzclub nach Corona-Zwangspause schöner wieder eröffnen als mit einer so die Seele infizierenden, geradezu erschreckend jugendlichen Band wie „Esau’s Misery“? Die Jungs sind gerade mal zwischen 18 und 22 Jahre alt. Dabei haben sie ihre „Roots“ mit frappierender Altersweisheit tief in der Tradition. Und das, ohne sich von ihr erwürgen zu lassen.

An Hingabe und Virtuosität mangelt es den vier Jakobs überhaupt nicht

Ganz im Gegenteil. Der großen Jazz-Geschichte wird hier mit frecher Demut neues Leben eingeblasen. Etwa mit dem Eröffnungsstück „Big Nick“ von John Coltrane aus dessen Vor-Free-Jazz-Zeit. Schon für Coltrane, der das Stück 1962 mit dem großen Duke Ellington eingespielt hat, ist die- se Komposition eine Verbeugung vor der Geschichte. New Orleans’ jammerklagendes Trompetenblech blitzt quicklebendig durch die Textur.

Und auch „Esau’s Misery“ machen kein Museumsstück aus der Nummer. Das gerät kein bisschen nostalgisch. Ihre Interpretation, ja heiße Widmung, klingt gerade so, als wäre „Big Nick“ ein Stück von und für hier und heute. Eine lebenssprühende Verlustanzeige. Große Kunst. Und die hat mit Hingabe und Virtuosität zu tun. Und an beidem mangelt es den vier Jakobs aber nicht im Geringsten.

Eine junge Jazz-Combo von faszinierend brodelnder Coolness

Vier Jakobs? Na ja. Zufall oder Fügung. Jedenfalls haben alle vier Bandmitglieder den Vornamen Jakob. Und der daraus gewonnene Name „Esau’s Misery“ spiegelt dabei auch den Spielwitz der Gruppe wieder. Jakob und Esau? Kann man in der Bibel nachlesen. Trockener - oder besser cooler - Humor spielt bei den vier jungen Künstlern jedenfalls immer mit. Auch mit Gary Bartz’ „Libra“ nehmen sich die Youngsters die Tradition zur Brust. Bewundernswert, wie hier die pulsierend soziale Nervosität von 1967 etwa mit einem ekstatischen Sax-Solo von Jakob Manz reanimiert wird, und zugleich die Trompete von Jakob Bänsch voll in Intimität getaucht ist. Zurecht Jubel beim genießenden Publikum im Jazzclub!

Und dann die Eigenkompositionen der Band, die in nichts der Tradition nachstehen. Etwa das Titelstück „Esau’s Misery“ des Bassisten Jakob Obleser, der für 2021 zum Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg gekürt wurde. Was der da macht, ist heutig, hoch empfindlich - und es swingt sogar.

Auch die Soli und filigrane, ja mir fällt nichts anderes ein: rauchig-sexy Teppicharbeit von Drummer Felix Jakob Ambach machen begeisternd deutlich, was diese junge Jazz-Combo ausmacht: Sie ist von unglaublich faszinierender, brodelnder Coolness.

„Das erste Konzert nach neun Monaten“, freute sich denn auch Sabine Seelow, die Vorsitzende des Jazzclubs. Neun Monate. „Und es sind vier junge Männer herausgekommen.“ Schöne Wieder-Geburt und alle gesund. „Die experimentieren, aber du hörst immer die Wurzeln raus; das gefällt mir. Das ist die Zukunft des Jazz.“

Kann man einen Jazzclub nach Corona-Zwangspause schöner wieder eröffnen als mit einer so die Seele infizierenden, geradezu erschreckend jugendlichen Band wie „Esau’s Misery“? Die Jungs sind gerade mal zwischen 18 und 22 Jahre alt. Dabei haben sie ihre „Roots“ mit frappierender Altersweisheit tief in der Tradition. Und das, ohne sich von ihr erwürgen zu lassen.

An Hingabe und Virtuosität mangelt es den vier Jakobs überhaupt nicht

Ganz im Gegenteil. Der großen Jazz-Geschichte

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