Schorndorf

Sommerfestival zum 50. Jubiläum

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Riesenwirbel beim Sommerfestival der Manufaktur © Büttner/ZVW
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Neben verschiedenen Gruppen zog auch die Tanzwerkstatt der Manufaktur die Besucher in ihren Bann.
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Tagsüber an der Stadtkirche, abends in der Manu: „The Burning Hell“.

Schorndorf. Nach all den Feierlichkeiten, die es zum 50. Jubiläum des Clubs Manufaktur schon im eigenen Hause gab, war das Sommerfestival nun so etwas wie die große öffentliche Geburtstagsfeier: draußen, umsonst und für alle! Und wirklich wurde eine ausgelassene Party daraus, die an drei Plätzen Schorndorfs die Innenstadt – und besonders die Gäste und Zuschauer verzauberte!

Ja! Man kann, man muss 50 Jahre nach „68“ einer der utopischen Kampfparolen jener Zeit, nämlich „unter dem Pflaster liegt der Strand“, nun einer Revision unterziehen. Es darf jetzt heißen: Auch „über dem Pflaster liegt der Strand“, dann, wenn man wie die Manu-Leute zum 50. Geburtstag ihres soziokulturellen Zentrums den Schuppen verlässt und die ganze Stadt zum Mitfeiern einlädt, ihr ein unwiderstehlich musikalisches Geschenk macht.

Dieses Geburtstags-Sommerfestival war nun so gelungen, dass es für alle Freunde der Manufaktur, besonders aber auch für die zahlreichen Samstags-Einkäufer, Passanten und Bummler eine wahre, eine helle Freude war. Überall sah man strahlende, ja entzückte Gesichter. Schorndorf lebt! Und das besonders auch im öffentlichen Raum. Der Club ging auf die Straße. Veranstaltete eine beeindruckende Demonstration: für eine tanzende, singende, offene, einladende Stadt. Eine Fanfare für unser aller Integrationskraft – auch die der Manufaktur selbst, der es mit diesem Sommerfestival gelungen sein müsste zu zeigen, dass sie beides kann: Nische und Zentrum – und dass wir als Stadtgesellschaft auch beides brauchen.

Kurz vor Beginn fängt es zu regnen an

Und so lagen denn die Hot Spots an diesem Samstagvormittag zwischen Stadtkirche und Mondscheinbrunnen, vor dem Mosaik der „Schorndorfer Weiber“ am Unteren Marktplatz und unter dem voll romantischen Lindenbaum vor dem Café Éclat. Kurz vor Beginn aber begann es zu regnen, und man musste kurz Angst haben, dass alles ins Wasser fiele. Nicht so Club-Vorsitzende Sabine Reichle, die man unter einem bunten Regenschirm erwartungsvoll vor dem stoischen Daimler-Denkmal tanzen sah und fröhlich sagen hörte: „It’s raining Men!“ Was könnte es da noch Schöneres geben?

Auch Bob Log III aus den USA trotzte dem kurzen Schauer und verwies auf seine skurrile, eimerartige Kopfbedeckung: „I got a Helmet on!“ Und so sangen und spielten denn internationale und heimische Acts wie etwa „Shotgun Jimmie“ aus Kanada, „The Bugs“ aus den USA, „Michael & The Hoes“ aus Deutschland und das lokale Duo Luis Zirkelbach und Mimi Frost.

Traulich musizieren „Burning Hell“ vor der Stadtkirche

Und ihren typischen, hintertriebenen Schalk im Gesicht hatte die Manu-Vorsitzende einmal mehr, als sie genüsslich darauf verwies, wie apart es doch sei, dass eine Gruppe ausgerechnet mit dem Namen „Burning Hell“ (Canada) so traulich vor der Stadtkirche spiele! Und die ließen es nicht etwa krachen, sondern das Trio mit der aparten Instrumentierung aus Bouzouki, Bassklarinette und E-Gitarre spielte allerfeinst satirische Songs auf unser aller Helden- und Heidenleben.

Aber welch schöne Überraschung: Das mitreißendste Highlight dieses Sommerfestivals waren die Auftritte der Tanzwerkstatt der Manufaktur, zusammen mit der Trommel-, der Jongleur- und Schauspielgruppe an gleich allen drei Spielorten, wo sie jedes Mal das Publikum begeisterten. Alle hatten sie Manu-Geburtstag-T-Shirts an, die dazugehörigen Luftballons verströmten eine Stimmung des kollektiven Abhebens. Da war eine toll choreografierte Show zu bewundern, bei der die einzelnen Gruppen aus den Seitensträßchen kamen, und sich zu einem großen, pulsierenden, tanzenden Kollektivkörper vereinigten.

Ein buntes und wohlgeratenes Geburtstagskind

Und sichtbar wurde dabei vor allem, dass die Manufaktur eben nicht nur der periphere Auftrittsort abgefahrener internationaler Bands ist, sondern auch die zentrale und dauernde Produktionsstätte vieler lokaler Gruppen, die hier ihr Heim gefunden haben, und zum (manchmal im Schatten stehenden) Gesicht und Charakter des Clubs wesentlich beitragen! „Dancing in the Streets“ also, oder San Franciscos „Height Ashbury“, quicklebendig versetzt in die schon längst nicht mehr nur pietistische Daimlerstadt.

Das Pflaster musste also nicht eigens aufgerissen werden, um den Strand zu finden. Den Manu-Leuten ist da eine allerschönste Bescherung gelungen. Der Strand, er war zum Greifen nah, gegenwärtig. Was sind da 50 Jahre? Nochmals herzlichen Glückwunsch: der Stadt zu ihrem bunten und wohlgeratenen Geburtstagskind!