Schorndorf

Sonafa zieht positive Jahresbilanz: Wie sich der Schorndorfer Verein für Benin starkmacht

Sonafa
Wenn eine neue Schule eingeweiht wird, feiern alle Schüler, Lehrer und Dorfbewohner mit. © privat

Lothar Klering und seine Frau Gabriele Schmidt-Klering sitzen in ihrem heimischen Garten in Schorndorf und strahlen: Zurück nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Benin mit sieben Schuleinweihungen und vielen persönlichen Begegnungen kann der Verein Sonafa, dessen Vorsitzender Klering ist, für die Jahre 2020 und 2021 eine positive Bilanz seiner Arbeit ziehen. Trotz Pandemie konnten alle Bauarbeiten wie geplant abgeschlossen und den Dorfgemeinden in Benin zur Nutzung übergeben werden. „Reich belohnt“ ist das Paar zurückgekehrt: mit vielen Bildern, Begegnungen und Erlebnissen im Kopf: „Es sind immer Treffen auf Augenhöhe, und es ist immer eine Fröhlichkeit und Freude bei den Menschen zu spüren“, weiß Gabriele Schmidt-Klering zu berichten.

Immer mal wieder war ihr Mann in Benin: vor zehn Jahren, dann 2018 und 2020 im Januar und jetzt gemeinsam mit seiner Frau Gabriele im Mai, inmitten der Pandemie. Ihre drei Kinder hatten die größten Bedenken und das Ehepaar gibt zu, dass mit der Reise eine sehr gute Vorbereitung mit einhergehen musste – wegen Corona. Lothar Klering, bis 2017 Lehrer am Max-Planck-Gymnasium (MPG), engagiert sich seit 13 Jahren in dem von der Schorndorfer Lehrerin Ute Pohlmann und Mensah W. Tokponto gegründeten Verein. Dazugekommen ist er über die Märchen, die Tokponto vor Jahren einmal in seiner Deutschklasse am MPG erzählte.

Unterstützung der Bildungsarbeit in Benin durch Partner vor Ort

Sonafa bedeutet in der Sprache der Fons: Morgen wird es besser. Und dazu trägt der in Schorndorf ansässige Verein „Sonafa – eine bessere Zukunft für Menschen in Benin“ seit dem Jahr 2003 bei: Mehr als 140 Klassen- und Lehrerzimmer hat er mit Hilfe von Spenden bereits gebaut. Der Verein unterstützt die Bildungsarbeit in Benin gemeinsam mit lokalen Partnern vor Ort und berichtet gerne über die Arbeit, die ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Der Verein hat bereits 2018 in fünf Dörfern gemeinsam mit den Dorfbewohnern 15 Klassenzimmer gebaut. 2019 wurden in insgesamt neun Dörfern 15 Klassenzimmer und zwei Lehrerzimmer errichtet und 13 alte Klassenzimmer komplett renoviert. Außerdem hat Sonafa in drei Dorfgrundschulen je eine Toilettenanlage mit vier Kabinen gebaut. Über eine Spende konnte der Verein 400 beninische Märchenbücher als Lesebücher finanzieren, die im Mai 2019 an weiterführende Schulen, die Sonafa seit fünf Jahren ebenfalls baut, übergeben werden. „Alles wichtige Maßnahmen in einem Land, in dem Kinder oft viele Kilometer bis zu ihrer Schule zurücklegen müssen und in dem ein Schulbesuch während der Regenzeit oft nicht möglich ist“, sagt Schmidt-Klering.

Analphabetenquote liegt bei 70 Prozent

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, das ist auch auf der Internetseite von Sonafa zu lesen, „lebt von der Landwirtschaft, 34 Prozent sind in Dienstleistungsbetrieben beschäftigt. Die Wirtschaft ist wenig entwickelt und besondere Rohstoffvorkommen gibt es nicht“. Als Haupthindernis der gesellschaftlichen Entwicklung gilt die mangelhafte Schulbildung, die Analphabetenquote liegt bei 70 Prozent. Um dem abzuhelfen, setzt sich vor allem Mensah W. Tokponto, der an der Universität in Abomey-Calavi eine Germanistik-Professur innehat und jedes Jahr zu Vorträgen, Kolloquien und Märchenstunden in Deutschland weilt, über die Maßen ein. Da Tokponto in Saarbrücken studiert hat und mit einem Stipendium an der Universität Bielefeld seine Doktorarbeit über einen Vergleich der Grimm’schen Märchen mit denen seines Volkes Fons schreiben konnte, hat er nicht nur in Schorndorf, sondern auch in Nordrhein-Westfalen viele Unterstützer.

Für das Dorf beginnt mit einem neuen Gebäude ein neues Zeitalter

Bei dem Aufenthalt im Mai wurden nun weitere sieben Schulen eingeweiht. Dies sei in den Dörfern ein richtiges Fest, es werde getanzt und gelacht: „Es ist immer sehr rührend, so dass einem die Tränen kommen.“ Man sehe den Stolz der Eltern – gerade die Mütter hätten kaum eine schulische Bildung. Gabriele Schmidt-Klering erzählt von einem Elternbeirat, der sagte: „Wie schön – unsere Kinder gehen mit sauberen Füßen in die Schule und kommen auch wieder mit sauberen Füßen nach Hause.“

Oft sind es kleine Hütten – Rohbauten, ohne Boden, ohne Fenster und Türen, ohne Verputz, in denen die Kinder unterrichtet werden. Schmidt-Klering berichtet über die Zustände: „Der Unterricht muss immer wieder unterbrochen werden, da Schlangen in die Hütten kommen, weil es ja keine Türen gibt. Und ohne Fenster treibt es den Kindern Sand in die Augen, wenn es beispielsweise stürmt.“

Wenn dann neue Wände gezogen sind, ein richtiger Boden und Türen vorhanden – dann sei dies ein ganz neues Lebensgefühl: „Für die Dorfgemeinschaft beginnt dann ein neues Zeitalter.“ Die Freude sei auch für sie überwältigend, sagt Gabriele Schmidt-Klering: „Es ist eine wunderbare Bestätigung für unsere Arbeit, und dass wir alles richtig machen.“

Menschen haben mehr Angst vor Malaria als vor Covid-19

In diesem Jahr wurde das Paar von einem dort ansässigen Fernsehteam begleitet – vergleichbar mit der ARD in Deutschland –, das zwei Filme über die Arbeit von Sonafa und die Schuleinweihungen gedreht hat. „Wir haben dafür 600 Euro investiert – eine Investition, die sich gelohnt hat“, sagt Lothar Klering. Man möchte, dass die Arbeit vor Ort bekannter wird und genau vermittelt, was Sonafa macht.

Der Corona-Krise zum Trotz hat der Verein in diesem Jahr mehrere neue Klassenzimmer gebaut, dazu eine Latrine. Fast 30 weitere Schulräume wurden saniert. Stets in enger Kooperation mit örtlichen Handwerkern und unter großem Einsatz der Dorfbevölkerung. Spielt die Pandemie eine tragende Rolle in Benin? „Es gab 120 Tote in Benin bei elf Millionen Einwohnern, Stand 9. Juni“, berichtet Lothar Klering. Corona gebe es auf dem Land nicht – „aber Vorsicht ist überall geboten, man hat es im Blick.“ In Benin mutmaße man, dass der sehr harte Lockdown im März 2020 der Grund ist, warum die Pandemie unter Kontrolle zu sein scheint: „Es wurde dort schneller reagiert als in Deutschland. Man durfte das Haus nicht verlassen, schon gar nicht in eine andere Stadt gehen.“ Die Schüler tragen jeden Tag ihren Mundschutz. Behelfsmäßige Waschgelegenheiten mit Seifenspendern wurden vor den Klassenzimmern installiert. Dabei handle es sich in manchen Fällen um einen einfachen Wasserkanister, der über einem Wassereimer hängt und über ein Seil ins Kippen gebracht werden kann. Man versuche vor Ort eben alles, um die Hygienestandards möglichst hochzuhalten. „Die Menschen haben dort mehr Angst vor Malaria als vor Covid-19 – so ging es mir auch“, gibt Gabriele Schmidt-Klering zu.

Arbeit geht weiter

Corona hin oder her – die Arbeit des Vereins geht unermüdlich weiter. Klerings haben eine Reihe weiterer sehr schlecht ausgestatteter Schulen ausfindig gemacht, mit denen sie im kommenden Jahr kooperieren werden. „Wir hoffen weiter auf viele Spenden.“ Dankbar ist Sonafa zudem dem Schorndorfer Gemeinderat, der im Oktober entschieden hat, den Verein für zunächst drei Jahre mit jeweils 7000 Euro zu unterstützen. Wenn alles gut geht, werden Lothar Klering und seine Frau im Januar 2022 wieder nach Benin fliegen und die Ankündigungen für die neuen Bauten machen, 2023 wird dann die Einweihung dieser Schulen sein. Was beiden noch am Herzen liegt: Der Verein hat zwar seit 2003 gut 50 Mitglieder gewonnen, wünscht sich aber mehr. „Wir würden uns freuen, wenn wir junge Leute begeistern könnten, die sich für diese gute Sache engagieren möchten.“

Über Sonafa

Um die Projekte in Benin erfolgreich weiterführen zu können, ist Sonafa auf Spenden angewiesen. Bei der Kreissparkasse Waiblingen ist ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE49 6025 0010 0005 3697 77, BIC: SOLADES1WBN. Es sind weiter engagierte Mitglieder gesucht. Weitere Infos über den Verein gibt es über die Internetseite www.sonafa.de.

Lothar Klering und seine Frau Gabriele Schmidt-Klering sitzen in ihrem heimischen Garten in Schorndorf und strahlen: Zurück nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Benin mit sieben Schuleinweihungen und vielen persönlichen Begegnungen kann der Verein Sonafa, dessen Vorsitzender Klering ist, für die Jahre 2020 und 2021 eine positive Bilanz seiner Arbeit ziehen. Trotz Pandemie konnten alle Bauarbeiten wie geplant abgeschlossen und den Dorfgemeinden in Benin zur Nutzung übergeben werden. „Reich

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper