Schorndorf

Speisen zum Mitnehmen rund um die Uhr: Gastronomen in Schorndorf gehen neue Wege

Essensautomat
„Hirsch“-Juniorchef Samuel Sucher in Oberberken. © Gabriel Habermann

Keine Zeit zu kochen oder nicht eingekauft? Wer gut essen möchte, aber trotzdem gemütlich zu Hause bleiben will, kann immer öfter auf mit Liebe gekochte Speisen aus Automaten zurückgreifen. Bezahlt wird in bar oder mit der EC-Karte. Das gewünschte Produkt wird angewählt, die Klappe öffnet sich, Maultaschen, Linsen mit Spätzle und andere Leckereien können entnommen werden: Geht schnell, ist unkompliziert – und es wird immer beliebter. Nicht nur Metzger wie die Metzgerei Kurz verkaufen Fleisch und Wurst mittlerweile aus Automaten, die neben den Betrieben aufgestellt sind. Auch Gastronomen wie Peter Wahl vom „Lamm“ in Schornbach und Dieter Schurr vom Gasthaus Hirsch in Oberberken sind mittlerweile aufs Geschäft mit den Automaten gekommen. Wie zufrieden sind sie damit? Und soll dieser Geschäftszweig weiter ausgebaut werden?

Wurst aus der Wurstmanufaktur in Großheppach

Im August 2021 hat Peter Wahl vor dem „Lamm“ einen Automaten der Marke Vendo aufgestellt. Seitdem füllt er dessen Schubladen mit selbst gekochten Speisen wie sauren Kutteln und Putengeschnetzeltem in Currysoße, mit Schweinegeschnetzeltem Züricher Art, mit Gulasch, Kässpätzle und Linsen, Spätzle und Saiten. Die Gerichte werden in Portionen für ein bis zwei Personen abgepackt, vakuumiert und sterilisiert. Dazu kommen Soßen wie Rahm- und Bratensoße, Wurstwaren aus der Remstal-Wurstmanufaktur in Großheppach, außerdem Getränke und Süßigkeiten. Das Geschäft läuft gut, auch weil der Gastronom offen ist für die Anregungen seiner Kunden. „Die Leute machen Vorschläge“, erzählt er. Viele Schornbacher seien von dem Angebot begeistert.

Ein zweiter Automat ist nicht geplant

Doch auch wenn es läuft mit den Speisen to go aus dem Automaten: Ausdehnen will Chef und Küchenmeister Peter Wahl das Geschäft nicht, obwohl er darin einen Trend sieht und es sich schon überlegt hatte, etwas weiter weg vom „Lamm“ einen zweiten Automaten aufzustellen. „Es ist kein Selbstläufer“, betont er. Das Kochen, Vakuumieren und Etikettieren brauche Zeit, dazu komme der Aufwand fürs Fahren. Für ihn sollen die Gerichte aus dem Automaten deshalb ein Nebengeschäft bleiben: „Wenn es schnell gehen muss, kann man was ziehen. Ansonsten kommt man besser rein“, sagt der Gastronom, der in seinem „Lamm“ immerhin 180 Plätze plus Biergarten anbieten kann.

Sauerbraten, Rehragout, Knödel und Spätzle

Maultaschen, Sauerbraten, Rehragout, Knödel und Spätzle: Gutbürgerliche Gerichte, die nur noch aufgewärmt werden müssen, gibt es auch im Automaten vor dem Gasthaus „Hirsch“ in Oberberken: ebenfalls ein großes Lokal mit langer Familientradition.

Die Portionen im Automaten sind für zwei Personen abgepackt. Dazu kommen hausgemachte Lyoner, Schinken- und Bierwurst aus Dosen, aber auch Angebote wie hausgemachter Essig, Holundersirup und Marmelade.

Seit 2021 gibt’s den Automaten vor dem Gasthaus – trotzdem fängt das Geschäft laut Seniorchef Dieter Schurr erst jetzt richtig an. „Nicht alle älteren Leute wissen, wie es geht“, meint er. Manche EC-Karten funktionierten auch nicht im „Regiomat“, zu Beginn habe es Anlaufschwierigkeiten gegeben. „Man wird nicht reich, aber es deckt sich“, resümiert er heute. Doch die Resonanz auf das Angebot an sieben Tagen rund um die Uhr ist auch bei ihm positiv: „Die Leute finden es gut“, sagt der Gastwirt. Super funktioniert seinen Worten zufolge übrigens die Hundewurst, die auf Sulzbasis für die Vierbeiner hergestellt wird. „Wenn man selber einen Hund hat, kommt man auf solche Ideen“, erzählt er und lacht.

Auf das Einkaufen sonntags und nach Ladenschluss hat die Metzgerei Kurz gesetzt, als sie 2021 in der Schlachthausstraße zwei Auomaten mit Fleisch und Wurstwaren aufgestellt hat. Abgepackte Produkte sind ein wichtiger Wirtschaftszweig der Familienmetzgerei. Schinken, Salami und Maultaschen von Kurz, aber auch Gläser mit Sauce bolognese oder Gulasch sind in den Kühlregalen zahlreicher Lebensmittler im Remstal zu bekommen. So lag es also nahe, auch einen eigenen Automaten damit zu bestücken. „Wir dachten, es würde richtig gut laufen“, sagt Juniorchef Hannes Kurz heute. „Aber klasse läuft es nur im Sommer, wenn Grillartikel gekauft werden. In der Winterzeit ist tote Hose.“

Der Umsatz wird vor allem sonntags gemacht

Das Problem: Weil es zwei Supermärkte in der Nähe gibt, die täglich bis 22 Uhr geöffnet sind, bleiben unter der Woche die Kunden aus. 80 Prozent des Wochenumsatzes werden sonntags und an Feiertagen gemacht, sagt Kurz. Anders als anfangs gedacht, sollen keine weiteren Automaten aufgestellt werden. „Ich würde es wieder machen, aber nicht ausbauen“, lautet sein Resümee.

Keine Zeit zu kochen oder nicht eingekauft? Wer gut essen möchte, aber trotzdem gemütlich zu Hause bleiben will, kann immer öfter auf mit Liebe gekochte Speisen aus Automaten zurückgreifen. Bezahlt wird in bar oder mit der EC-Karte. Das gewünschte Produkt wird angewählt, die Klappe öffnet sich, Maultaschen, Linsen mit Spätzle und andere Leckereien können entnommen werden: Geht schnell, ist unkompliziert – und es wird immer beliebter. Nicht nur Metzger wie die Metzgerei Kurz verkaufen Fleisch

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