Schorndorf

Sportstätten auf dem Prüfstand

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Es gibt den Wunsch, dass Sporthallen auch in den Ferien genutzt werden können – und zwar nicht nur für spezielle Ferienangebote. © Palmizi / ZVW / Archiv
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Die Auslastung pro Woche in Prozent.

Schorndorf. Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen – demografischer Wandel, zunehmende Individualisierung – wirken sich auch darauf aus, wie Menschen Sport treiben und welche Sportstätten und wie viel Platz sie dafür benötigen. Aus dem jetzt vorgelegten Sportstättenbericht ergeben sich verschiedene Überlegungen und Fragen – bis hin zu der Frage, ob das klassische Sportplatzangebot vor allem in den Stadtteilen nicht überdimensioniert ist.

Basierend auf Datenmaterial des Jahres 2015, hat die Verwaltung Statistiken vorgelegt, die einerseits detailliert Auskunft über die Auslastung der für Schul- und Vereinssport genutzten Hallen – und zwar unterschieden in Vormittags-, Nachmittags- und Abendstunden und in eine Wochenübersicht (siehe Grafik) – geben und die andererseits Aufschluss darüber geben, wie viel Sporthallen- beziehungsweise Sportplatzfläche in der Kernstadt und in den einzelnen Stadtteilen auf einen Einwohner kommt - was dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Berger vor allem mit Blick auf die Sportplätze gar nicht gefällt.

„Bitte keine Quadratmeterzahlen, auch wenn’s statistisch toll ist“, sagte er im Verwaltungsausschuss, der sich mit dem Sportstättenplan befasste, bevor er heute Abend auch im Gemeinderat noch einmal aufgerufen wird. Für Oberbürgermeister Matthias Klopfer dagegen sind die Quadratmeterzahlen durchaus ein aussagekräftiger Vergleichsmaßstab. „Wir müssen den Finger in die Wunde legen“, meinte Klopfer, aus dessen Sicht „die Frage, ob’s nicht zu viele Sportplätze gibt und ob wir zum Beispiel in Haubersbronn und Miedelsbach weiterhin vier Norm-Fußballfelder und jeweils einen Rasen- und einen Kunstrasenplatz brauchen, schon erlaubt sein muss“. Von Buhlbronn ganz zu schweigen. Und jetzt schon unbestreitbar sei, so der Oberbürgermeister, dass es in Haubersbronn mit derzeit insgesamt drei Hallen zu viel Hallenkapazitäten gebe.

Konzept für Haubersbronn muss her

Was die Haubersbronner FDP/FW-Stadträtin Sabine Brennenstuhl nicht unkommentiert lassen wollte. Bei der Lauswiesenhalle, die bewusst nicht als Mehrzweckhalle gebaut sei, spräche aus ihrer Sicht nichts dagegen, wenn die auch von auswärtigen Vereinen genützt würde. Ein niedriger Kostendeckungsgrad bei der Festhalle relativiere sich dadurch, dass sie über längere Zeit als Flüchtlingsunterkunft gedient habe (und voll belegt gewesen sei). Und ganz grundsätzlich brauche es ein Konzept, wie es in Haubersbronn mit der Sporthalle in der Schillerschule auf der einen und der Festhalle auf der anderen Seite weitergehe – unter Berücksichtigung natürlich auch des für den Stadtteil ausgewiesenen Wohnungsbauschwerpunkts.

„Schule und Kindergarten gehören neben die Lauswiesenhalle“

Für SPD-Stadträtin Silke Olbrich ist klar, wohin die Reise in Haubersbronn gehen müsste: „Schule und Kindergarten gehören neben die Lauswiesenhalle“, sagte sie und unterstützte die Forderung von Grünen-Stadtrat Werner Neher, dass nicht gerade von baulichen Maßnahmen betroffene Hallen den Vereinen auch in den Ferien zur Verfügung stehen sollten. So ein Angebot, meinte Neher, könnte für den einen oder anderen Verein auch ein Anreiz sein, sich auf einen Hallenwechsel einzulassen.

Hallen in Kernstadt deutlich stärker ausgelastet

Grundsätzlich zeigt sich bei den Hallen, dass ein Großteil der vorhandenen Kapazitäten in den Nachmittagsstunden nicht genutzt wird, was zum einen damit zu tun hat, dass die Sporthallen in aller Regel bis mindestens 17 Uhr dem Schulsport zugeordnet sind, was den Kostendeckungsgrad nicht gerade erhöht, und was zum andern daran liegt, dass die Vereine das Problem haben, Personal für Nachmittagsangebote zu finden. In der Gesamtbetrachtung ist festzustellen, dass die Hallen in der Kernstadt deutlich stärker ausgelastet sind (mit 71 Prozent) als in den Ortsteilen (mit 49 Prozent) und dass die Hallen nur in Abendstunden einigermaßen gleichmäßig ausgelastet sind (mit jeweils um die 70 Prozent).


Die Handlungsempfehlungen bezüglich der Hallen sehen im Einzelnen so aus, dass die zum Teil noch bestehenden zeitlichen Lücken zwischen den verschiedenen Vereinsbelegungen minimiert werden sollen und dass versucht werden soll, für einzelne Hallen sportliche Schwerpunktsetzungen zu erreichen. So tummeln sich beispielsweise in der Burgturnhalle Sportler neun verschiedener Sportarten. Des Weiteren sollen in Zeiten, da der klassische Mannschaftssport an Bedeutung verliert und Kurs- und Kleingruppenangebote mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, Gruppen, die keine Normsporthalle benötigen, in alternative Räumlichkeiten umgelenkt werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass einerseits im geplanten Bewegungskindergarten im Sportpark Rems neue Räumlichkeiten geschaffen werden und andererseits daran gedacht ist, auf mittlere Sicht die Turnhallen bei der Fuchshofschule und bei der Albert-Schweitzer-Schule aufzugeben.

Berger: Sportstätten Thema für Haushaltsstrukturkommission

„Sportstätten werden nie ganz betriebswirtschaftlich geführt werden können“, war sich SPD-Fraktionschef Thomas Berger mit seinem FDP/FW-Kollegen Peter Erdmann einig, der bezüglich der vorgelegten Statistiken feststellte, dass ein Sportplatz halt nun mal eine bestimmte Größe habe, egal ob er sich in einem Stadtteil oder in der Kernstadt befinde, und dass eine bessere Auslastung der Halle immer nur bedingt leistbar sein werde. Eigentlich, so Thomas Berger, müssten die Sportstätten genauso ein Thema für eine Haushaltsstrukturkommission sein wie die städtischen Immobilien, wobei es nach Einschätzung der SPD-Fraktion nicht schlecht wäre, vorher auch einen Vergleich mit anderen Kommunen herzustellen, um zu wissen, ob eine 58-prozentige Hallenauslastung nun gut oder schlecht ist.

Eine Diskussion, die Berger an die Stadtteilrathäuser erinnert

So sehr es aus Bergers Sicht zumutbar ist, dass ein Verein aus Miedelsbach in Haubersbronn trainiert und einer aus Schorndorf in Weiler, so wichtig ist ihm auch der Hinweis, dass für die Ortsteile an einem Sportplatz oder einer Halle mehr hängt als ein paar Quadratmeter Fläche mehr oder weniger. Umgekehrt halte er aber auch nichts davon, wenn Stadtteilvereine das, was im Sportpark Rems passiere („Da haben wir vieles richtig gemacht“), gegen Leistungen in die eigene Infrastruktur aufrechneten. „Es gibt aber in den Stadtteilen eine gewisse Stimmung, die wir berücksichtigen müssen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende, den die jetzt aufkommende Debatte um die Stadtteil-Sportplätze ganz stark an die Diskussion um die Schließung und den Verkauf der Stadtteil-Rathäuser erinnert. Mit dem bekannten Ergebnis: „Wir sind als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.“

Sensibel vorgehen

Die „kulturelle Einheit“ der Teilortvereine und die Vorbehalte gegen alles, was nach Zentralisierung rieche, betonte auch CDU-Stadtrat Max Klinger, der die Verwaltung aufforderte, entsprechend sensibel vorzugehen. Als Klinger versuchte, Klopfers These, dass sich die Sportlandschaft verändere und der Trend immer stärker zu Natursportarten gehe, mit dem Hinweis auf die im Sportpark Rems angelegte Finnenbahn zu widerlegen („Sie drehen sich’s hin, wie Sie’s brauchen“), kam er beim Oberbürgermeister genau an den Richtigen: „Da begeben Sie sich auf schwieriges Terrain, wenn Sie das mit mir diskutieren wollen“, gab der sportaffine Matthias Klopfer dem CDU-Stadtrat scherzhaft zu verstehen.

Klopfer erwartet „den Mut, Konsequenzen zu ziehen“

„Die Sportstättenstruktur in den Stadtteilen ist mindestens so gut wie in der Kernstadt, und das wissen die draußen auch“, kehrte der Oberbürgermeister dann wieder aufs eigentliche Thema zurück und sprach auch mit Blick auf die Pflegestandards bei den Sportplätzen von einem kostenträchtigen Thema, das 2018/19 intensiv angegangen werden sollte. Und dabei, so die Erwartung des Oberbürgermeisters, „sollte der Gemeinderat den Mut haben, aus dem Sportstättenbericht die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“.


Hallenprobleme

Für Grünen-Stadtrat Werner Neher ist klar, warum die Lauswiesenhalle in Haubersbronn vergleichsweise schlecht ausgelastet ist: Es liegt am Namen. „Wer will denn schon in einer Lauswiesenhalle trainieren, die müsste Blühwiesenhalle heißen“, scherzte er. Die Haubersbronner FDP/FW-Stadträtin fand’s gar nicht lustig und ließ sich mit Neher sogar auf einen kurzen Disput darüber ein, wer für diesen Namen letztendlich verantwortlich ist. Der Ortschaftsrat, behauptete Neher, der Ältestenrat des Gemeinderats, behauptete Sabine Brennenstuhl.

Ganz andere Sorgen hat SPD-Stadtrat und Kinderhaus-Leiter Tim Schopf, der für das Kinderhaus am Schloss seit fünf Jahren auf der Suche nach freien Kapazitäten in einer Sporthalle ist und es gar nicht gut findet, dass er da bislang noch nicht fündig geworden ist. „Es bringt mir nichts, wenn ich nach Buhlbronn verwiesen werde“, meinte Schopf, für den es auch eine Möglichkeit wäre, Lücken in den Belegungsplänen von Sporthallen zu schließen, wenn Kindergärten sinnvoll eingebunden würden.