Schorndorf

Stärkster Umsatzeinbruch seit 1994: Bekommen das auch die Händler in Schorndorf zu spüren?

Supermarkt
Die Schorndorfer Supermärkte setzen wieder verstärkt auf abgezählte Einkaufswagen. © ALEXANDRA PALMIZI

Inflation, Coronakrise und der Krieg in der Ukraine. Die Wirtschaftslage macht auch vor dem Einzelhandel nicht halt und hat für den stärksten Umsatzeinbruch seit 1994 gesorgt. Steigende Preise zwingen die Menschen, weniger zu konsumieren. Bekommen das auch die Schorndorfer Einzelhändler zu spüren? Wir haben uns beim Wein- und Teelädle und dem Marktkauf umgehört.

Im Juni ging der Umsatz im Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr inflationsbereinigt um 8,8 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Nicht preisbedingt nahm der Umsatz hingegen nur um 0,8 Prozent ab. Die Einzelhändler verkaufen also allgemein weniger. Das Interessante daran: Selbst der Umsatz mit Lebensmitteln, so das Bundesamt, ist auf einem Tiefststand seit Juni 2016.

Wein- und Teelädle ist nicht akut betroffen - der Umsatz sinkt im Sommer trotzdem

Im Wein- und Teelädle in der Hetzelgasse ist der Negativtrend nicht spürbar, erklärt die Geschäftsführerin Nadia Pagano. „Wir sind ein super spezieller Laden, deshalb spüren wir das nicht akut“, sagt sie. Aber: Im Juli und August, gerade während der Sommerferien, geht der Umsatz im Wein- und Teelädle jedes Jahr leicht zurück. Tee ist nun mal alles andere als ein klassisches Sommerprodukt. Nadia Pagano gibt sich deshalb relativ entspannt: „Wir haben im Sommer generell eine Flaute.“

Ihre Preise musste sie allerdings schon vor einigen Monaten anheben. Grund dafür sind aber nicht die aktuellen Berichte zu Umsatzeinbrüchen, sondern die Verpackungen von Tee und Wein. Die Kosten für Kartons, Folien und alles um die Logistik steigen laut der Wein-und-Teelädle-Chefin seit zwei Jahren. „Das zeichnet sich schon die ganze Zeit ab.“

"Kommen kaum mit dem Etikettieren hinterher"

Wer das veränderte, rückläufige Konsumverhalten nach eigenen Angaben dafür umso härter zu spüren bekommt, ist Mehmet Saritas in seinem Frischemarkt in Weiler. Langsam könne er rückläufige Umsätze beobachten. „Die Leute sind skeptisch und haben Angst.“ Im Lebensmittelgeschäft verändern sich die Preise laut Mehmet Saritas beinahe täglich. „Mal wieder nach oben, manchmal runter, aber vor allem nach oben.“ Das habe derartige Ausmaße angenommen, dass er und seine Angestellten nicht einmal mit dem Etikettieren der Waren hinterherkommen.

Der Frischwarenhändler, der noch selbst im Großmarkt einkauft, nennt ein konkretes Beispiel: „Eine Salatgurke aus Belgien kostet im Einkauf mittlerweile 1,20 Euro. So viel haben früher Gurken aus Deutschland gekostet.“ Da es im Geschäft mit den Lebensmitteln ohnehin kleine Gewinnspannen gibt, trifft das Mehmet Saritas natürlich umso härter.

Und noch ein weiteres Phänomen beobachtet der Weilermer Händler seit einiger Zeit. Die Kunden sind aggressiver geworden, berichtet er. Dies äußere sich vor allem im Umgang mit dem Personal. Grund dafür sind seiner Meinung nach Corona und der Krieg in der Ukraine. Gegenüber beiden Themen äußert er erhebliche Zweifel und stellt sie sogar ganz infrage. „Das ist alle Quatsch“, sagt Mehmet Saritas.

Einbrüche im Einzelhandel könnten auch am Gastronomie-Aufschwung liegen

Eine gute Nachricht sind die Umsatzeinbrüche im Lebensmitteleinzelhandel jedenfalls nicht. Auch wenn die Ursachen relativ leicht ergründbar sind. Das Statistische Bundesamt jedenfalls gibt an, dass steigende Preise der Hauptgrund sind.

Im Vergleich zum Juni des vergangenen Jahres sind diese bei Nahrungsmitteln nämlich um beinahe zwölf Prozent gestiegen. Wie unter anderem die Tagesschau berichtet, könnte dieses Phänomen aber auch dem Wiedererstarken der Gastronomien geschuldet sein. Der Umsatz in Restaurants, Bars, Kneipen und Imbissbuden ist laut der neuesten Statistik im Mai nämlich um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Außerdem werden auch andere Konsumgüter und Energiekosten teurer. Selbst der scheinbar unbesiegbare Online-Handel, der während der Pandemie besonders stark gewachsen war, hat Umsatzrückgänge von 15,1 Prozent zu verzeichnen.

Zumindest eine kleine Entwarnung gab Sebastian Dullien, Präsident des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, in einem Handelsblatt-Bericht. Weil im vergangenen Jahr viele Leute nicht in den Urlaub gefahren sind, konsumierten sie mehr in Deutschland. Er merkt jedoch an: „Der Großteil des Einbruchs ist zweifelsohne auf die missliche Lage bei Konjunktur und Inflation zurückzuführen.“

Inflation, Coronakrise und der Krieg in der Ukraine. Die Wirtschaftslage macht auch vor dem Einzelhandel nicht halt und hat für den stärksten Umsatzeinbruch seit 1994 gesorgt. Steigende Preise zwingen die Menschen, weniger zu konsumieren. Bekommen das auch die Schorndorfer Einzelhändler zu spüren? Wir haben uns beim Wein- und Teelädle und dem Marktkauf umgehört.

Im Juni ging der Umsatz im Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr inflationsbereinigt um 8,8 Prozent zurück, wie das

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