Schorndorf

Stadt ehrt Europameister Klein und Fehr

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Team-Europameister im Goldenen Buch_0
Marcel Fehr trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Schorndorf ein. Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Hanna Klein schauen zu. © Kübler/Stadt Schorndorf
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So sieht die Seite im Goldenen Buch aus, nachdem sich Hanna Klein und Marcel Fehr verewigt haben.

Schorndorf. Dass sich erfolgreiche Sportler ins Goldene Buch der Stadt Schorndorf eintragen, kommt selten genug vor. Jetzt ist diese Ehre den beiden Leichtathleten Hanna Klein und Marcel Fehr zuteilgeworden, die der Stadt ihrerseits Ehre gemacht haben, indem sie in Frankreich mit der deutschen Mannschaft Team-Europameister geworden sind.

Die einzige Sportlerin, die es ins Goldene Buch geschafft hat, seit Matthias Klopfer Oberbürgermeister ist, ist die Miedelsbacher Kunstradfahrerin Viola Brand, die 2016 in Stuttgart Vizeweltmeisterin geworden ist. Die Letzten, die sich vor Hanna Klein und Marcel Fehr ins Goldene Buch eingetragen haben, sind die badenwürttembergischen Minister Thomas Strobl, Nicole Hoffmeister-Kraut und Guido Wolf. Und jetzt also die beiden erfolgreichsten Leichtathleten, die es bei der SG Schorndorf je gab und bei deren Eintrag ins Goldene Buch sich der Oberbürgermeister „ein bisschen wie im Standesamt“ gefühlt hat.

„Mehr sage ich dazu aber jetzt nicht“, sagte Klopfer in Anspielung darauf, dass Marcel Fehr und Hanna Klein nicht nur sportlich und als Trainingspartner gut harmonieren, sondern auch privat ein Paar sind. Deshalb war’s auch selbstverständlich, dass Marcel Fehr in Lille am Samstag einen kurzen Abstecher vom Mannschaftsquartier ins Stadion gemacht hat, um seiner Freundin zuzuschauen, und dass es Hanna Klein am Sonntag genossen hat, ihr Rennen schon hinter sich zu haben und sich in aller Ruhe das Rennen von Marcel Fehr anschauen und ihn anfeuern zu können.

Die zwei aus dem „Dorf mit der blauen Bahn“

Was das Geheimnis des Erfolges von Hanna Klein und Marcel Fehr nach dem nicht ganz so glücklich verlaufenen Jahr 2016 betrifft, so hat der Oberbürgermeister, selbst ein begeisterter Leichtathlet und ein absoluter Leichtathletik-Fan, seine ganz eigene Theorie. Vielleicht habe es sich ja ausgezahlt, dass die beiden wegen des Umbaus des SG-Stadions in den letzten Monaten nicht so häufig auf der Bahn hätten trainieren können, meinte Klopfer scherzhaft und regte diesbezüglich eine sportwissenschaftliche Untersuchung an. Nichtsdestotrotz sind Hanna Klein und Marcel Fehr und natürlich auch ihr Trainer Uwe Schneider jetzt froh, mit der neu verlegten blauen Bahn im Stadion, die am kommenden Mittwoch unter anderem mit einem Läufermeeting eingeweiht wird, ideale Trainingsbedingungen zu haben. „Dank an die sportbegeisterte Stadt mit der blauen Bahn“ hat Marcel Fehr denn auch ins Goldene Buch geschrieben. Und Matthias Klopfer wusste zu berichten, dass diese Bahn jetzt schon national bekannt ist – und mit ihr auch Schorndorf als „das Dorf mit der blauen Bahn“. Und vielleicht ist die blaue Bahn ja sogar ein gutes Omen für die Einzel-Europameisterschaften in Berlin im kommenden Jahr. Denn dort, weiß Trainer Uwe Schneider, gibt es auch eine blaue Laufbahn – und zwar vom selben Hersteller.

Start der deutschen Leichtathletik-Meisterschaften

So lange aber muss nicht warten, wer Hanna Klein und Marcel Fehr wieder live oder im Fernsehen sehen will. Bereits am kommenden Wochenende starten sie in Erfurt bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Und dann stehen ja schon im Juli die Leichtathletik-Weltmeisterschaften an, für die beide auf eine Nominierung hoffen. Und, wie gesagt: Auf jeden Fall zu sehen und im Wettkampf gegen harte nationale Konkurrenz zu erleben, sind Hanna Klein und Marcel Klein bei der Stadioneinweihung am Mittwoch, 12. Juli, 19 Uhr – beide in einem Rennen über die selten und nur bei ganz besonderen Meetings – zum Beispiel beim Diamond League in Oslo – gelaufene Meile.

Ein ungleiches Frühstück: Hanna Klein und Robert Harting

Die Team-Europameisterschaft aber werden die beiden SG-Athleten in besonderer Erinnerung behalten. Natürlich wegen des Mannschaftserfolges, aber auch, weil es, wie die beiden beim Empfang im Rathaus übereinstimmend sagten, ein einzigartiges Erlebnis ist, einmal keine Einzelkämpferin und kein Einzelkämpfer zu sein, sondern sich mal für ein Wochenende wie in einer Mannschaftssportart zu fühlen. Dazu gehören natürlich auch besondere Begegnungen, wie sie etwa die schmächtige Hanna Klein beim Frühstück mit Diskus-Weltmeister und Olympiasieger Robert Harting hatte. Und wenn er sich auch erst mal erkundigen musste, wer da eigentlich neben ihm sitzt, so hat er doch, scherzt Marcel Fehr, „gleich gesehen, dass er es nicht mit einer Kugelstoßerin zu tun hat“. Andernfalls wäre der Unterschied, wie oft Harting und Hanna Klein zum Frühstücksbuffet gegangen sind, wohl nicht ganz so groß gewesen. So lag das Verhältnis etwa bei sechs zu zwei.


Starke Leistungen

Für alle, die im Sport allgemein oder speziell in der Leichtathletik nicht so versiert sind, sei’s nochmals gesagt: Hanna Klein und Marcel Fehr sind mit der deutschen Mannschaft im französischen Lille Team-Europameister geworden – vor Polen und Frankreich.

Beide waren über 3000 Meter am Start. Dabei wurde Hanna Klein in ihrem Rennen überraschend Zweite hinter der starken Polin Sofia Ennaoui – und zwar mit einer Zeit von 9:01,64 (Minuten). Marcel Fehr lief mit 8:00,32 Saisonbestleistung und trug mit seinem 5. Platz ebenfalls maßgeblich zum deutschen Gesamterfolg bei, weil er weit vor dem polnischen Läufer ins Ziel kam.