Schorndorf

Stadt Schorndorf findet keine Schulsozialarbeiter für die Grundschulen

Containerschule
Ausnahme Gemeinschaftsschule Rainbrunnen: Hier gibt es auch an der Grundschule Sozialarbeit. © Gabriel Habermann

Erst wollte sich die Stadt Schorndorf angesichts der angespannten Haushaltslage den Ausbau der Schulsozialarbeit in den Grundschulen gar nicht leisten, dann schien’s im Herbst 2021 doch plötzlich möglich mit dem „Aufholen nach Corona“-Förderprogramm des Bundes. Doch bisher konnten die Teilzeitstellen für die Schillerschule in Haubersbronn, die Otfried-Preußler-Schule in Miedelsbach, die Reinhold-Maier-Schule in Weiler und für die Sommerrainschule in Schornbach gar nicht besetzt werden: Dreimal wurden die befristeten Stellen bereits erfolglos ausgeschrieben, einmal will’s der Fachbereich noch versuchen. Die gemeinsame Schulsozialarbeiterstelle an der Fuchshofschule und der Schurwaldschule in Oberberken immerhin kann nach den Osterferien besetzt werden – so wie an den beiden Innenstadt-Grundschulen, wo es seit Monaten schon keine Schulsozialarbeit mehr gibt.

Dabei ist die Situation an den Schulen schwierig: Durch Corona, gab Anja Feininger als stellvertretende Fachbereichsleitung Schulen und Vereine im Verwaltungs- und Sozialausschuss zu bedenken, haben die Probleme erheblich zugenommen: „Die Folgen der Pandemie sind spürbar.“ Themen, an denen die Schülerinnen und Schüler zu knabbern haben, sind: Trauer um verstorbene Familienmitglieder sowie Maskenpflicht und Impfen.

Angstzustände, Essstörungen, Gewalt und Cybermobbing

Immer häufiger gebe es psychische Probleme wie Klaustrophobie, Angstzustände, Überforderung, Essstörungen sowie häusliche Probleme und Fälle von Schulverweigerung. In manchen Klassen konnte sich wegen der Lockdowns keine Gemeinschaft bilden. Dazu kommen die ganz normalen Aufgaben in der Schulsozialarbeit: also Probleme mit Mitschülern und Lehrern, kulturelle Unterschiede in Familien und im Alltag, Hilfe bei der Berufswahl und Bewerbungen, die Aufarbeitung von Vorfällen, bei denen kinderpornografische Bilder verbreitet wurden, den Umgang mit sozialen Medien, Gefahren im Internet, Cybermobbing, Gewalt sowie das Thema Flucht.

Der Bedarf spiegelt sich auch in Zahlen wider: Seit Schuljahresbeginn haben die Schulsozialarbeiter in der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen, der Albert-Schweitzer-Schule, der Gottlieb-Daimler-Realschule, im Burg- und Max-Planck-Gymnasium insgesamt 1018 Einzelfallgespräche geführt, 111 Eltern- und 342 Lehrergespräche. Es gab 288 Sozial-Kompetenztrainings, dazu Gruppen- und Projektarbeit in Schulklassen sowie offene Angebote wie Mittagsbetreuung, Schülertreffs und -cafés.

Dass die Stellen in den Grundschulen bislang nicht besetzt werden konnten, liegt für die stellvertretende Fachbereichsleiterin auch daran, dass sie auf eineinhalb Jahre befristet sind – andere Städte und Kommunen schreiben Schulsozialarbeiterstellen aber unbefristet aus. Eine weitere Hürde könnte sein, dass ein Schulsozialarbeiter jeweils für zwei Grundschulen zuständig sein soll. Dazu kommt das bekannte Problem: der Fachkräftemangel.

Unbefristete Ausschreibung: Entscheidung erst nach der Mai-Klausur

Angesichts dieser Schwierigkeiten und der Notwendigkeit von Schulsozialarbeit haben sich SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Schopf, FDP/FW-Fraktionsvorsitzender Gerhard Nickel, die CDU-Stadträte Julia Schilling und Thorsten Leiter, Alleinstadträtin Andrea Sieber und GLS-Rätin Miriam Müller in der Ausschusssitzung für eine unbefristete Ausschreibung ausgesprochen. Auch Erster Bürgermeister Thorsten Englert würde – zumindest in seiner Funktion als Schulbürgermeister – gerne dafür plädieren. „Als Finanzbürgermeister muss ich aber den Zeigefinger heben.“ Würden die Schulsozialarbeiterstellen unbefristet ausgeschrieben, würde ein sechsstelliger Kostenbetrag den städtischen Haushalt belasten. Angesichts der angespannten Haushalts- und Finanzlage sprach sich Englert dafür aus, diese Diskussion erst nach der Mai-Klausur des Gemeinderats zu führen. An die Adresse der Stadträte gerichtet, sagte er: „Wenn das für Sie das Topthema ist, müssen Sie sagen, was nicht gemacht werden kann.“ Auch Oberbürgermeister Bernd Hornikel wollte sich nicht festlegen: „Nach der Mai-Klausur sind wir schlauer.“

An den weiterführenden Schulen hat Schorndorf die Schulsozialarbeit nach und nach ausgebaut – von drei Sozialpädagogen an der Rainbrunnenschule und der Gottlieb-Daimler-Realschule vor fünf Jahren auf mittlerweile neun an sieben weiterführenden Schulen in Schorndorf.

Erst wollte sich die Stadt Schorndorf angesichts der angespannten Haushaltslage den Ausbau der Schulsozialarbeit in den Grundschulen gar nicht leisten, dann schien’s im Herbst 2021 doch plötzlich möglich mit dem „Aufholen nach Corona“-Förderprogramm des Bundes. Doch bisher konnten die Teilzeitstellen für die Schillerschule in Haubersbronn, die Otfried-Preußler-Schule in Miedelsbach, die Reinhold-Maier-Schule in Weiler und für die Sommerrainschule in Schornbach gar nicht besetzt werden:

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