Schorndorf

Stadtbiergarten Schorndorf: Steigende Lebensmittel-Preise werden zur Herausforderung

Stadtbiergarten
Bei bestem Wetter gut besucht: der Schorndorfer Stadtbiergarten. © Gabriel Habermann

Menü-Tafeln werden beschrieben und aufgestellt, Tische und Stühle zurechtgerückt, Schirme aufgespannt, Kisten umhergetragen, die Arbeitsutensilien in der Küche zurechtgelegt – kurzum: Alles wird für die Öffnung des Stadtbiergartens „Hahn’sche Wies’n“ an diesem Tag um 17 Uhr startklar gemacht. „Man muss gerüstet und bereit sein“, sagt Harald Lutz. „Der Montag ist eigentlich unser Ruhetag – nur dass es gar keiner ist“, fügt Volker Ziesel lachend hinzu. Montags werde im Gegensatz zu den anderen Tagen (ab 11 Uhr) erst um 17 Uhr geöffnet – damit alles neu eingekauft und wieder vorbereitet werden kann. Seit Ende März läuft die Saison im Schorndorfer Stadtbiergarten.

Volker Ziesel und Harald Lutz, die den Biergarten vor einem Jahr gemeinsam mit Dr. Manfred Ziegler übernommen haben, können sich derzeit nicht übers Wetter beklagen: Sonnenschein und warme Temperaturen ziehen aufs Biergarten-Areal. Im April habe es den einen oder anderen Regentag gegeben. Aber dann „ging’s eigentlich richtig ab“.

Preis für Spezialfrittieröl hat sich seit vorigem Jahr verdreifacht

Rückblickend hatte man pandemiebedingt keinen einfachen Start, dennoch hatten die drei geschäftsführenden Genussmenschen die Herausforderung angenommen und – „es lief“. Ohne Beschränkungen und Corona-Regeln könne der Biergarten nun natürlich voll besetzt werden. Ziesel: „So, wie es auf Knopfdruck abrupt wegen der Corona-Maßnahmen endete und der Biergarten dicht war, so ging es jetzt sofort mit dem Saison-Start in die Vollen. Eine Übergangsphase gab es nicht.“ Beklagen wolle man sich keinesfalls. In ihrem zweiten Jahr können die Betreiber 100 Sitzplätze zusätzlich bieten – in Summe also etwa 780 Gäste bewirten.

Allerdings treiben die Biergartenbetreiber – wie viele Gastronomen – nun andere Themen als Corona um. Während das Reduzieren von Öffnungszeiten beispielsweise wegen Personalschwierigkeiten überhaupt nicht zur Diskussion steht, setzt sich das Geschäftsführertrio mit den gestiegenen Lebensmittelpreisen auseinander: Natürlich habe man die Preise „zivil anpassen müssen, das ging gar nicht anders“. Aber man stoße auf Verständnis bei den Gästen, vor allem, weil man in „keinem großen Ausmaß erhöht“ habe. „Unsere Gäste hält das zum Glück nicht ab“, sagt Lutz. Man habe das von vornherein offen kommuniziert. Das A und O seien die Mitarbeiter, die Lieferanten und nicht zuletzt die Gäste. „Das ist die Grundbasis, die funktionieren muss.“

Bier, Fleisch, Milch, Öl – alles ist teurer geworden. Öl ist tatsächlich zu einem flüssigen Gold geworden. Man müsse schon so einkaufen, dass man genügend vorrätig und die Lagermöglichkeit dafür habe. „Brutal“ seien laut Ziesel diese Erhöhungen. Der Preis für das Spezialfrittieröl, das sie verwenden, hat sich seit vorigem Jahr sogar verdreifacht, berichtet Volker Ziesel und sieht seine Hauptaufgabe darin, den Einkauf unter diesen Bedingungen zu organisieren. Man müsse froh sein, wenn man überhaupt noch beliefert werde.

„Man muss offensiv damit umgehen.“ Die Stammlieferanten habe man, aber schwierig wird es eben, wenn eine Lieferkette mal nicht funktioniere oder Produkte nicht erhältlich seien: „Mit Tomaten ist es schon schwierig, Senf gibt es kaum noch, Mayonnaise gab es das ganze Jahr noch nicht“, zählt Volker Ziesel auf. Mit ihrem Angebot aus regionalen und frisch zubereiteten Speisen – ohne Rote Wurst und Schweinehals – und Allgäuer Bier punkten die drei Biergarten-Macher die alle als berufliche Quereinsteiger fachfremd waren, bei den Gästen. Ein „klassischer, traditioneller Biergarten“ habe man von Anfang an nicht sein wollen, beschreibt Lutz nochmals das Konzept.

Natürlich solle die Atmosphäre eines Biergartens herrschen und auch rustikal erscheinen, aber mit dem Angebot an Gerichten wolle man sich bewusst abheben – der „etwas andere Biergarten eben“. Man wolle allen Ansprüchen gerecht werden. „Wir möchten nicht dem Biergarten entsprechen, den man kennt, wir wollen das, was die Leute sich von uns wünschen und von uns erwarten, und was anderes bieten.“ Die Qualität solle und werde nicht leiden, daran werde man nicht sparen, versprechen die Geschäftsführer.

Stolz sind die Betreiber auf das Team. Zum Glück habe man keine Personalschwierigkeiten. Die Mitarbeiter seien engagiert und motiviert, wenn „im Biergarten was los ist – dann macht es auch richtig Spaß“. Aber nicht nur das, sagen Ziesel und Lutz. Sie bezahlen ihr Team auch dementsprechend - über dem Mindestlohn. Aktuell gehören zum Team fünf Festangestellte und 35 Teilzeitkräfte.

Stolz auf Mitarbeiter: Ausgeprägter Teamgedanke

„An Tagen unter der Woche kommen wir mit Minimum acht bis zehn Mitarbeitern hin. An Wochenenden, wenn sehr viel Betrieb ist und es zur Sache geht, sind hier 20 Leute im Einsatz.“ Ziesel freut sich: „Wir haben hier beispielsweise einen ITler und einen Konstrukteur im Team – die haben einfach Lust auf Gastro. Und das merkt man dann auch, wenn gerne gearbeitet wird.“ Es herrsche ein ausgeprägter Teamgedanke: „Man sitzt auch noch gern nach der Schicht beisammen.“ Ebenso freue man sich, dass man immer wieder auf neue Gestaltungsideen für den Biergarten kommt: Der sechs Meter breite und ein Meter hohe Erdwall wurde abgetragen, der das Biergartengelände im Osten und Norden abgegrenzt hat. Auf der frei gewordenen Fläche haben aber nicht nur Biertische und -bänke Platz gefunden, es konnte auch die ehemalige Schnelltesthütte versetzt werden. So gibt es im hinteren Bereich des Biergartens – bei besonders großem Andrang – nicht nur eine weitere Ausschankmöglichkeit mit Flammkuchen-Backofen und Fritteuse, sondern auch eine Pergola mit 60 bis 70 überdachten Plätzen und dazwischen eine Bar. „Wir haben alles etwas renoviert“, berichtet Ziesel. Jetzt könnten auch Familien- oder Firmenfeiern in einem etwas abgegrenzten Bereich mit einem eigenen Büfett ausgerichtet werden. Eine Cocktailbar soll es ebenfalls geben. Die eine oder andere Aktion wolle man dann dort auch veranstalten.

Und auch die Wartezeiten, die es immer mal wieder gibt, wolle man reduzieren und „das Ganze etwas entzerren“.

Erfahrungsgemäß gehe die Biergartensaison bis Mitte/Ende Oktober: „Aber wenn es bis Dezember gutes Wetter sein sollte, machen wir weiter“, Volker Ziesel lacht. Spaß beiseite: „Das Wetter bestimmt uns. Meist wird es im Oktober schon zu kühl, um abends noch gemütlich im Biergarten zu verweilen.“

Menü-Tafeln werden beschrieben und aufgestellt, Tische und Stühle zurechtgerückt, Schirme aufgespannt, Kisten umhergetragen, die Arbeitsutensilien in der Küche zurechtgelegt – kurzum: Alles wird für die Öffnung des Stadtbiergartens „Hahn’sche Wies’n“ an diesem Tag um 17 Uhr startklar gemacht. „Man muss gerüstet und bereit sein“, sagt Harald Lutz. „Der Montag ist eigentlich unser Ruhetag – nur dass es gar keiner ist“, fügt Volker Ziesel lachend hinzu. Montags werde im Gegensatz zu den anderen

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