Schorndorf

Stadtkirche Schorndorf: Fast 1000 Zuhörer bei Weihnachtsoratorium

Oratorium
Kantorei mit dem Stuttgarter Ensemble „Musica Viva“ und Solisten: Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche. © Gaby Schneider

Ein nicht allzu häufiger Anblick: Die Schorndorfer Stadtkirche ist voll besetzt. Gekommen ist das große Publikum, um Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu hören. „Ein Werk, von dem eine gewisse Magie ausgeht“, sagt dazu der neue Bezirkskantor Julian Handlos. Auch für Leute, die sonst eher nicht in die Kirche gehen. Denn, so Handlos: „Kirchenmusik ist in vielen Gemeinden ein verbindendes Element. Es wäre ein Fehler, hier einzusparen.“

Aufführung des „Weihnachtsoratorium“ als glaubensübergreifendes Kulturereignis

Bachs „Weihnachtsoratorium – ein glaubensübergreifendes Kulturereignis. Es gibt Leute, die hören sich das jedes Jahr an, egal wo“, ist Handlos’ Erfahrung. „Das nutzt sich nicht ab. Das ist so gute Musik, so tief, bis heute, weshalb es diese enorme Beliebtheit hat. Ein geniales Werk, keine Frage.“

Geprobt wurde an dem Werk mit Kantorei und Jugendkantorei seit Mitte Oktober. „Nicht besonders viel, aber es hat geklappt.“ Mit 80 Sängerinnen und Sängern hat die Kantorei wieder ihre alte Stärke. „Es sind neue Sänger hinzugekommen“, freut sich der Dirigent, „weil das Werk eine so große Anziehung hat.“ Der Mann brennt erkennbar für seine neue Aufgabe in Schorndorf. „Das Schöne am Dirigieren ist, gemeinsam mit anderen Menschen den Weg zum perfekten Endergebnis zu finden.“ Und dabei ist er stolz auf seine Chöre. „Die meisten sind ohne Stimmbildung, aber singen auf hohem Niveau. Es klingt wie ein professioneller Chor. Es macht Spaß, das zu begleiten. Nebst aller Anstrengung.“

Und das war denn beim festlichen Konzert dieses – 1734 erstmals aufgeführten – populärsten Werkes von Bach in der Stadtkirche diesen zweiten Advent sowohl zu sehen wie zu hören. Gespielt wurden die ersten drei Kantaten des sechsteiligen Werkes.

Und Bach verliert keine Zeit, sondern geht von Anbeginn – mit Pauken und Trompeten – aufs Ganze einer in seiner hymnischen Freude geradezu überwältigenden Orchestration und Stimmgewalt über die Geburt Jesu. „Jauchzet, frohlocket!“, beginnt der Chor mit ergriffen vierstimmiger Klang-Wucht, die mit ihrem glühenden Wiegen und Wogen doch nichts Gewaltsames hat, stattdessen eher die Heilsverheißung tanzbar zu machen scheint.

Dazu hatte Julian Handlos mit dem Ensemble „Musica Viva“ Stuttgart ein äußerst feines Orchester, das den ganzen Abend mit einer transparenten und dabei fein durchgearbeiteten, so warmen wie auch kantigen Klang- und Stimmungsplastizität ein mitreißendes Hörerlebnis bescherte.

Und immer wieder ruft einem die Weihnachtsgeschichte - so auch hier - zu, was man bei allem Weihnachtskonsumgeglitzer allzu gern zu vergessen bereit ist. „Er ist auf Erden kommen arm“ heißt es im Choral mit Sopran und Bass. Und gern vergisst man auch, hier wird man dran erinnert, dass es die Ärmsten, die Hirten waren, denen die frohe Botschaft zuerst verkündet wurde.

Gemütlichkeitswendung des Glaubens in stimmungsvolle Innerlichkeit?

Geschluckt werden darf dann beim Choral mit den Versen „Ach mein herzliebes Jesulein, mach dir ein rein sanft Bettelein, Zu ruhn in meines Herzens Schrein ...“. Anklänge einer beginnenden pietistischen, dann biedermeierlichen Gemütlichkeitswendung des Christentums in stimmungsvolle Innerlichkeit. Aber auch das gehört zu unserer religiösen Kultur- und Religionsgeschichte, mit der dieses Werk Anlass gibt, sich immer von neuem auseinanderzusetzen.

Und erleichtert wird das allemal durch die Verführungskünste der einladenden Schönheit von Musik und Stimmen. An diesem Abend besonders auch durch die Solisten Janina Staub (Sopran) und Johannes Fritsche (Bass), besonders in ihrem Duett „Herr, dein Mitleid ...“. Sowie Julia Werner (Alt) als Stimme der Maria mit betörender Begleitung der ersten Violine in „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder“. Oder der Tenor Johannes Mayer im Duett mit der Querflöte in „Frohe Hirten, eilt, ach eilet.“

Großer, dankbarer Applaus.

Ein nicht allzu häufiger Anblick: Die Schorndorfer Stadtkirche ist voll besetzt. Gekommen ist das große Publikum, um Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ zu hören. „Ein Werk, von dem eine gewisse Magie ausgeht“, sagt dazu der neue Bezirkskantor Julian Handlos. Auch für Leute, die sonst eher nicht in die Kirche gehen. Denn, so Handlos: „Kirchenmusik ist in vielen Gemeinden ein verbindendes Element. Es wäre ein Fehler, hier einzusparen.“

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