Schorndorf

Stadtkirche Schorndorf: Kirchengemeinde will die Segnung homosexueller Paare

Kopie von Stadtkirche Schorndorf
Auch in der Schorndorfer Stadtkirche sollen künftig homosexueller Paare gesegnet werden. © Benjamin Büttner (Archiv)

Zwei gleichgeschlechtliche Paare haben bei Pfarrerin Dorothee Eisrich bereits angefragt, doch noch ist in der Stadtkirchengemeinde Schorndorf die Segnung homosexueller Paare nicht möglich. Das soll sich ändern. Nach einem Beschluss des Kirchengemeinderats hat die Kirchengemeinde beim Oberkirchenrat offiziell den Antrag dafür gestellt, dass die Segnung künftig möglich wird. Doch das Verfahren ist mühsam in der württembergischen Landeskirche.

Das sind die Voraussetzungen

Anders als in anderen Teilen der Evangelischen Kirche Deutschland ist eine Trauung homosexueller Paare gar nicht vorgesehen und auch die Segnung im öffentlichen Gottesdienst nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur für maximal ein Viertel der Gemeinden möglich. Voraussetzungen sind laut Pfarrerin Dorothee Eisrich eine Dreiviertel-Mehrheit im Kirchengemeinderat, eine Dreiviertel-Mehrheit unter den Pfarrern sowie eine vertiefte inhaltliche Befassung.

2018 gab es drei Abende zum Thema Homosexualität

Die Mehrheiten sind gegeben, eine vertiefte Diskussion über das Thema hat bereits stattgefunden: 2018 war eine große Debatte über die Haltung von Teilen der evangelischen Kirche in Schorndorf zum Thema Homosexualität geführt worden. Drei öffentliche Abende fanden statt, außerdem gab es Treffen der Gremien und einen Gottesdienst. Dessen ungeachtet hat die württembergische Landeskirche nun erneut einen Gemeindeabend gefordert, was Pfarrerin Dorothee Eisrich durchaus „außergewöhnlich“ findet.

„Auch wenn eine vertiefte Befassung bereits geschehen ist, reicht es nicht aus, wenn gewählte Gremien beschließen, an dem Verfahren teilzunehmen“, berichtete sie im Martin-Luther-Haus. Wenige Landeskirchen hätten sich einer kirchlichen Trauung geöffnet, die meisten hätten aber Agenden für eine Segnung in den Gemeinden entwickelt. „Unsere Landeskirche gehört zu der Schlussgruppe innerhalb der EKD, die diesen eigenen württembergischen Weg fordert.“

Am Donnerstagabend waren nun die Gemeindemitglieder gefragt. Eine Diskussion war ausdrücklich nicht erwünscht, wohl aber Meinungsäußerungen, die protokolliert wurden und an den Oberkirchenrat geschickt werden sollen. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wird die Gottesdienstordnung geändert, so dass gleichgeschlechtliche Paare in der Stadtkirche gesegnet werden können. „Wir wollen den Weg weitergehen“, sagte die Pfarrerin. Anträge von zwei Paaren lägen bereits vor, die sich den Segen wünschen.

Warum dürfen gleichgeschlechtliche Paare nicht getraut werden?

Dass die württembergische Landeskirche für gleichgeschlechtliche Paare nur den Segen, nicht aber die Trauung zulässt, stieß bei den Anwesenden im Martin-Luther-Haus auf wenig Verständnis. „Schlimm, dass die Landeskirche die Trauung nicht erlaubt“, sagte Gemeindemitglied Martin Jaeger und dankte allen, „die den komplizierten Weg gegangen sind“. Als merkwürdig bezeichnete Hans Kistner das Vorgehen des Oberkirchenrats. Als Christ sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass alles Leben geschützt ist: „Es wäre ein Gebot, die Schöpfung nicht auseinanderzudividieren“, sagte er. Großen Respekt zollte Dieter Feser gleichgeschlechtlichen Paaren, die so lange ausgehalten hätten und in der Landeskirche geblieben seien.

Ein großer, aber nötiger Schritt ist der Antrag des Kirchengemeinderats auch nach Ansicht von Simon Schleußinger. Viele Gemeinden hätten diesen Schritt längt vollzogen, so Schleußinger, der als Lehrer oft mit jungen Menschen in Kontakt sei: „Wir werden nicht verstanden“, sagte er. Der Unterschied zwischen Segnung und Trauung sei ein Zugeständnis an die Kritiker.

Synode: Höhere Wahlbeteiligung gefordert

Dass die Debatte zeigt, wie wichtig es sei, an den Kirchenwahlen teilzunehmen, betonte Matthias Eisenhardt, Vorsitzender der Bezirkssynode. „Wir brauchen eine Öffentlichkeit, die mitmacht und uns die Legitimation gibt, die Meinung der Mehrheit umzusetzen“, sagte er. Angesichts der geringen Wahlbeteiligung müsse das Meinungsbild der Synode aber nicht der gesamtgesellschaftlichen Situation entsprechen. „Deshalb engagieren Sie sich“, warb er: „Gehen Sie zur Wahl.“ Stefan Schleußinger wiederum erinnerte daran, dass Paare Gottes Segen erbitten und nicht den der Gemeinde.

In Hebsack/Rohrbronn ist die Segnung schon jetzt möglich

Und das ist das weitere Vorgehen: Prüfen wird nun der Oberkirchenrat, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. „Ich hoffe, dass die Segnung dann so bald wie möglich erlaubt ist“, so Pfarrerin Eisrich. Das hoffen sicherlich auch die beiden Paare, die sich mit ihrem Wunsch einer Segnung bereits bei Eisrich gemeldet haben. Im Kirchenbezirk Schorndorf ist diese Stand heute nur in der Kirchengemeinde Hebsack/Rohrbronn möglich. Eins der Paare, zwei Männer, habe sich die Segnung dort überlegt, doch die Kirche wäre zu klein gewesen“, sagt Dorothee Eisrich. Inzwischen hätten die beiden eine andere Kirche gefunden, wo Dorothee Eisrich die Zeremonie übernehmen wird.

Noch etwas mehr Zeit hat das zweite Paar: zwei Frauen, die ihre Ehe im Herbst segnen lassen wollen. Wenn alles klappt, wird dies bis dahin auch in der Stadtkirche möglich sein.

Zwei gleichgeschlechtliche Paare haben bei Pfarrerin Dorothee Eisrich bereits angefragt, doch noch ist in der Stadtkirchengemeinde Schorndorf die Segnung homosexueller Paare nicht möglich. Das soll sich ändern. Nach einem Beschluss des Kirchengemeinderats hat die Kirchengemeinde beim Oberkirchenrat offiziell den Antrag dafür gestellt, dass die Segnung künftig möglich wird. Doch das Verfahren ist mühsam in der württembergischen Landeskirche.

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