Schorndorf

Stadtkirche Schorndorf: Warum eine 110 Jahre alte Maßnahme den Dachstuhl bedroht

StadtkircheSanierung
Von außen sind die Renovierungsmaßnahmen am Baugerüst zu erkennen. Von innen ist von den Schäden im Dachstuhl des Chors nichts zu erkennen. © Gaby Schneider

Wer im Chor der Stadtkirche steht und nach oben schaut, kann in 17 Meter Höhe am wunderschönen Gewölbe mit dem aufgemalten Himmel und den Flammen keine Schäden erkennen. Doch die Probleme dahinter sind immens: Die Konstruktion des Chordachs drückt bedrohlich auf das Kreuzrippgewölbe, zudem sind viele Hölzer marode und von Schimmel befallen. Die Last bedroht das Mauerwerk, die ganze Statik ist gefährdet.

Dass das Chordach saniert werden muss, das war bereits seit der großem Innenrenovierung der Kirche im Jahr 2012 bekannt. Nach Angaben von Pfarrerin Dorothee Eisrich lag der Fokus damals allerdings auf der Innenrenovierung. Zudem musste das Geld für die mehr als 800 000 Euro teure Dachstuhlsanierung aufgebracht werden. Jetzt aber haben die Baumaßnahmen begonnen.

Holzverbindungen werden erneuert

Und das ist schon von außen zu sehen. Ein Gerüst und ein Aufzug wurden an der Außenfront der Kirche angebracht. In Kürze werden die Dachziegel abgeräumt, um an die maroden Balken heranzukommen. Der Grund für die Schäden liegt nach Angaben des Architekten Bernd Treide übrigens weit zurück. Bei der Turmerhöhung vor 110 Jahren sei massiv in die Statik der Dachkonstruktion eingegriffen worden. Die Kräfte der Dachstuhlkonstruktion und Sparren könnten nicht abgeleitet werden. Der gesamte Dachstuhl neige sich zur Turmseite. Um Schlimmeres zu verhindern, standen kleinere Reparaturen bereits während der Innenrenovierung auf dem Plan. Nun aber wird die Statik von Grund auf hergestellt. Die Holzverbindungen werden erneuert, schadhafte Hölzer ausgetauscht. Zudem sollen Schimmel und sonstiger biologischer Befall entfernt und das Dach anschließend neu eingedeckt werden.

Im November kehren die Fledermäuse zurück

Im Mai haben die Baumaßnahmen begonnen, im November sollen sie fertig sein. Länger, sagt Pfarrerin Eisrich, dürfte die Sanierung aber auch nicht dauern, weil dann die Fledermäuse in die Kirche zurückkehren, die unter dem Dach ihr angestammtes Winterquartier haben. Die Sanierung, mit der die historische Bausubstanz erhalten werden soll, wurde nicht nur mit dem Naturschutz, sondern auch mit dem Denkmalschutz abgestimmt.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 844 000 Euro. Nach Abzug der Zuschüsse der Landeskirche, des Kirchenbezirks und des Denkmalamts bleiben der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kosten in Höhe von 321 000 Euro. Unterstützt wird die Kirchengemeinde vom Kirchbauverein, der sich dem Erhalt der Stadtkirche verschrieben hat. Denn die mehr als 500 Jahre alte spätgotische Kirche muss erhalten und fortlaufend saniert werden – und das kostet viel Geld. Aus diesem Grund wurde vor 26 Jahren der Kirchbauverein gegründet. Seitdem hat er mit großem Engagement eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben. 1,66 Millionen Euro hat der Verein seinem Vorsitzenden Christof Wolfmaier zufolge in den vergangenen Jahren für die Sanierung der Stadtkirche gesammelt – mehr als 140 000 Euro allein für die anstehende Dachstuhlsanierung.

Noch aber hat die Kirchengemeinde nicht das ganze Geld für die Baumaßnahme zusammen. Nach Angaben von Pfarrerin Dorothee Eisrich fehlen rund 50 000 Euro. Für Firmen gibt es deshalb die Möglichkeit, gegen eine Spende am Bauzaun der Kirche für sich Werbung zu machen. „Zwölf Firmen haben bereits zugesagt“, freut sich die Pfarrerin.

Dass die große Stadtkirche wieder einmal saniert wird, ist von außen zu sehen. Feierlichkeiten und Gottesdienste im Innern sind von den Baumaßnahmen aber nicht betroffen. Wer genau wissen möchte, was sich auf der Baustelle tut, kann sich darüber im Sommer bei öffentlichen Baustellenführungen informieren. Zudem gibt es bei den offiziellen Kirchturmführungen quasi nebenbei einen Blick von oben auf die Baustelle.

Ein Baustellenkonzert, bei dem auf dem Gerüst musiziert wird

Geplant sind außerdem ein Baustellenkonzert und ein Fest am Sonntag, 24. Juli. Beginn ist um 17.30 Uhr. „Der Posaunenchor wird auf dem Gerüst stehen“, kündigt Pfarrerin Eisrich an. Anschließend lädt die Kirchengemeinde zu Bewirtung ein. „Wir freuen uns über weitere Spenden und Unterstützung“, sagt Dorothee Eisrich.

Wer im Chor der Stadtkirche steht und nach oben schaut, kann in 17 Meter Höhe am wunderschönen Gewölbe mit dem aufgemalten Himmel und den Flammen keine Schäden erkennen. Doch die Probleme dahinter sind immens: Die Konstruktion des Chordachs drückt bedrohlich auf das Kreuzrippgewölbe, zudem sind viele Hölzer marode und von Schimmel befallen. Die Last bedroht das Mauerwerk, die ganze Statik ist gefährdet.

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Dass das Chordach saniert werden muss, das war bereits seit der großem

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