Schorndorf

Stadtwerke Schorndorf: Ex-Vertriebschefin hat gegen ihre Kündigung geklagt

Stadtwerke
Seit dem Weggang von Geschäftsführer Andreas Seufer vor zwei Jahren sind die Stadtwerke noch immer nicht zur Ruhe gekommen. © Alexandra Palmizi

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass sich die Stadt Schorndorf von Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer getrennt hat. Warum genau, ist bis heute nicht wirklich klar – der damalige Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Klopfer und die Aufsichtsräte hatten sich absolute Verschwiegenheit auferlegt. Doch bald nach dem Paukenschlag, der Schorndorf nachhaltig erschüttert hat und jetzt auch in ein Arbeitsgerichtsverfahren mündete, sickerte durch, dass Seufers Weggang in unmittelbarem Zusammenhang mit dem unguten Herrschaftssystem stand, das der Machtmensch mit seiner Finanzprokuristin Nazan Ucar aufgebaut hatte, und bei dem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Strecke geblieben waren.

Im Sommer 2020: Kündigung von vier Führungskräften

Und obwohl die Stadt mit dem ehemaligen Ludwigsburger Stadtwerke-Chef Bodo Skaletz schon im April einen Interims-Geschäftsführer gefunden hatte, der auch die verunsicherte und eingeschüchterte Belegschaft in ruhigere Fahrwasser führen sollte, und ein Prüfungsausschuss aus dem Aufsichtsrat die Vergangenheit aufarbeitete, so schnell kehrte keine Ruhe ein bei den Stadtwerken: Im Juli 2020 schlugen die Wellen noch einmal hoch, als innerhalb von zwei Wochen vier Führungskräfte ihre Kündigung eingereicht hatten, weil sich für sie auch nach Seufers Weggang die Stimmung im Unternehmen keineswegs verbessert hatte. Sie sahen im damaligen Oberbürgermeister Matthias Klopfer und in Bürgermeister Thorsten Englert die Schuldigen, beklagten mangelnde Wertschätzung und Misstrauen, wogegen sich Klopfer in der Folge entschieden verwehrte.

Silke Brand-Müller: „Ich habe mich für die Stadtwerke eingesetzt“

Als ein Bauernopfer dieser unguten Ereignisse nach Seufers Weggang sieht sich Silke Brand-Müller: 2014 kam sie von den Remstalwerken, wo sie nach der Gründung den Vertrieb aufgebaut hatte, als Sachbearbeiterin zu den Schorndorfer Stadtwerken. Nach einem halben Jahr schon machte Seufer sie zur Vertriebschefin: „Ich hatte ein tolles Gehalt, ein Geschäftsauto, war super vernetzt in Schorndorf“, sagt Silke Brand-Müller und sieht auch heute noch keinen Grund, warum sie sich beruflich hätte umorientieren sollen: „Ich habe mich für die Stadtwerke eingesetzt und mit Herzblut gearbeitet.“ Zufrieden mit ihrer Leistung war offenbar auch der Stadtwerke-Chef: Im Herbst 2019 bekam sie von ihm noch ein Arbeitszeugnis mit der Note 2+ ausgestellt.

Doch nach Seufers Weggang drehte sich das Blatt: Plötzlich gerieten auch die Führungskräfte ins Visier, es war von auffällig vielen, ungerechtfertigten Höhergruppierungen die Rede und auch von einer Mitschuld vom unguten Herrschaftssystem des Stadtwerke-Chefs. „Die Führungskräfte wurden für Seufers Fehler verantwortlich gemacht“, sagt Silke Brand-Müller, für die die Vorwürfe im Sommer 2021 in einer Kündigung „wegen unbehebbarer fachlicher Mängel“ gipfelten. Gegen diese Kündigung hat sie beim Arbeitsgericht in Stuttgart Klage gegen die Stadtwerke GmbH eingereicht.

Richterlicher Vergleich: 75.000 Euro

Mit einigem Erfolg: In einer 50-minütigen Verhandlung einigten sich die Parteien – wegen unüberbrückbarer Differenzen – auf Vorschlag von Richter Ulrich Lips nicht nur auf eine Abfindung in Höhe von 75.000 Euro (Silke Brand-Müllers Forderung lag deutlich darüber, die Schmerzgrenze von Stadtwerke-Geschäftsführer Daniel Beutel eigentlich bei 50 000 Euro). Das Arbeitsgericht stellte außerdem fest, dass die Kündigung wegen eines Formfehlers unwirksam war: Die Stadtwerke hatten ihrer Vertriebschefin, deren Leistung sie plötzlich nur noch mit der Note vier beurteilten, die Kündigung überreicht, ohne die Sieben-Tage-Frist abzuwarten, die sie dem Betriebsrat für eine Stellungnahme hätten einräumen müssen. Bis heute, sagt Silke Brand-Müller, habe sich der Betriebsrat zu der Kündigung gar nicht geäußert.

In der Gerichtsverhandlung hat kaufmännischer Geschäftsführer Daniel Beutel, der am 1. Dezember 2020 in das städtische Tochterunternehmen kam – nachdem man sich nach nur einem Monat von dem am 1. September eingestellten Geschäftsführer Marcus Bort getrennt hatte – den richterlichen Vergleich mit Widerrufsfrist bis 13. April entgegengenommen. Ob die Stadtwerke dem Kompromiss zustimmen oder widersprechen werden, das wird der Aufsichtsrat in seiner Sitzung Ende März entscheiden.

Silke Brand-Müller jedenfalls ist mit dem Ergebnis der Verhandlung zufrieden und möchte endlich mit der Sache abschließen. Für sie ist das Urteil das Ende eines zweijährigen Streits, der bei ihr viele emotionale Wunden hinterlassen hat. Beruflich hat sie mittlerweile wieder Fuß gefasst: Die 55-Jährige ist Vertriebsleiterin bei den Stadtwerken Kirchheim und dort für den Aufbau des Stromvertriebs zuständig.

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass sich die Stadt Schorndorf von Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer getrennt hat. Warum genau, ist bis heute nicht wirklich klar – der damalige Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Klopfer und die Aufsichtsräte hatten sich absolute Verschwiegenheit auferlegt. Doch bald nach dem Paukenschlag, der Schorndorf nachhaltig erschüttert hat und jetzt auch in ein Arbeitsgerichtsverfahren mündete, sickerte durch, dass Seufers Weggang in

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper