Schorndorf

Türsteher verprügelt betrunkenen Gast

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Symbolfoto. © Pixabay

Schorndorf. Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden in einem Schorndorfer Club, wo ein Gast mit einer Begleiterin feierte. Als er auf dem Tresen einnickte, weil er schon einige Bier intus hatte, legte ihm eine Sicherheitskraft nahe, zu gehen. Der Mann wehrte sich und wurde laut, woraufhin der jetzt wegen Körperverletzung vor Gericht stehende Türsteher hinzukam. Statt ihn einfach aus dem Club zu werfen, verpasste der Türsteher dem Gast eine. Folge: eine Nasenbeinfraktur.

Als „Anabolika-Fresse“ mit „großen Muskeln und einem kleinen Pimmel“ soll der betrunkene Gast des Nachtclubs den Türsteher bezeichnet haben. Der gemeine Verhandlungszuhörer könnte bei dieser Wortwahl schon vermuten, dass dem Angeklagten das Temperament außer Kontrolle geraten ist – dem sei aber keineswegs so gewesen, behauptete der Mann. Er habe den Gast lediglich geschubst. Wie es zu den starken Verletzungen kam, könne er sich selbst nicht erklären, sagte er vor Gericht.

Der Gast war auf dem Tresen eingenickt

Der Mann hat zwar eine Ausbildung als Fachkraft für Schutz und Sicherheit absolviert, war in dem Nachtclub aber nur nebenberuflich tätig. In den Vorfall mit dem Geschädigten war er zunächst gar nicht verwickelt: Er hielt sich im Türbereich auf und plauderte mit einer Kollegin, als er auf den Vorfall aufmerksam wurde.

Der besagte Gast war im Barbereich auf dem Tresen eingenickt, weshalb ihn eine andere Sicherheitskraft aufforderte, nach Hause zu gehen. Daraufhin riss sich der Gast laut eigener Aussage zunächst zusammen, wurde aber erneut zum Gehen gedrängt. Dabei kam es zu einer lauten Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsmitarbeiter, der den Angeklagten dann zur Unterstützung dazurief und ihm den Gast übergab.

Gast gibt Beleidigungen zu

Weil der Geschädigte schon sehr angetrunken war, wurde er – das gab er auch selbst zu – beleidigend. Laut dem Angeklagten und seiner Kollegin an der Garderobe weigerte er sich zudem, den Club zu verlassen und riss sich immer wieder los. Als der Angeklagte dann eine Bewegung des Gastes als bedrohlich wahrnahm, habe er ihn „mit der flachen Hand nach oben weggestoßen“. Dabei ging der Betrunkene zu Boden. Wie es bei der vermeintlich harmlosen Bewegung zu der Nasenbeinfraktur und einem abgesplitterten Zahn kam, konnte die Sicherheitskraft sich nicht erklären.

„Ich habe weder vorher noch nachher Verletzungen gesehen“, behauptete er. Die Aussagen dazu sind widersprüchlich: Der Geschädigte und seine Begleitung sagen aus, dass der Betrunkene sogar geblutet hat. Die Kollegin des Angeklagten will kein Blut gesehen haben, ein Gast, der in der Nacht in der Nähe des Tatbereichs war, auch nicht.

„Ich war kurz weg“

Gegen den Angeklagten spricht, dass er eine einschlägige Vorstrafe hat. Allerdings war der Geschädigte so betrunken, dass er sich selbst nicht mehr detailliert an den Vorfall erinnern konnte. „Ich habe eine Bewegung gesehen, dann bin ich schon auf dem Boden gelegen“, sagte der geschädigte Industriemeister aus. Aufgrund der schweren Verletzungen geht er davon aus, dass es sich um einen Schlag mit der Faust gehandelt habe. „Ich war kurz weg“, erzählte er. Dass seine Nase gebrochen war, habe er dann erst vor dem Club gemerkt.

Vollkommen unnötiger Schlag ins Gesicht

„Sie sind vom Fach“, warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. „Jemand, der in der Auseinandersetzung mit alkoholisierten Gästen geschult ist, kennt seine eigene Kraft.“ Es habe keinen Grund gegeben, denn Geschädigten so zu zentrieren. „Der Schlag ins Gesicht war vollkommen unnötig.“ Zudem war die Bewährungszeit der vorherigen Strafe des Mannes gerade erst abgelaufen, als sich der Vorfall ereignete. Der Staatsanwalt forderte deshalb eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. „Der Angeklagte zeigt keinerlei Einsicht,“ meinte er.

Der Verteidiger setzte dem entgegen, dass der Gast des Nachtclubs nicht nur betrunken, sondern auch erheblich aggressiv gegenüber den Sicherheitskräften gewesen sei. Auch merkte er an, dass kein gezielter Schlag ins Gesicht des Gastes festgestellt werden konnte. Er gab seinem Mandanten aufgrund seiner stabilen Beziehung und seines festen Arbeitsverhältnisses eine positive Sozialprognose und forderte, eine eventuelle Freiheitsstrafe in jedem Fall zur Bewährung auszusetzen.

Bewährung nicht selbstverständlich

Richterin Petra Freier verurteilte den Mann zu sechs Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Zusätzlich muss der Verurteilte 2000 Euro Schmerzensgeld an den geschädigten Gast zahlen. Sie hätte aufgrund seiner Vorstrafe auch davon ausgehen können, dass er nichts dazugelernt habe und auf die Möglichkeit der Bewährung verzichten können, sagte sie. Der Angeklagte sei bei dem Vorfall weit übers Ziel hinausgeschossen, die Verletzungen des Geschädigten deuteten auf einen massiven Schlag ins Gesicht hin. „Bei Freiheitsstrafen von unter einem Jahr muss man aber noch einmal sehr genau hinschauen“, sagte sie. Sie legte dem Mann auch aufgrund seiner vorherigen Verurteilung nahe, sich zu überlegen, ob sich der Nebenjob als Sicherheitskraft wirklich für ihn lohnt.