Schorndorf

Telefon-Ausfälle: Kunden erwägen rechtliche Schritte

Feature Telefonleitung tot kaputt
Symbolbild. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Seit Montag hat Susanne Bahnmüller-Oswald wieder Internet und Telefon. Allerdings ist die Leitung nur provisorisch geflickt und die Verbindung nicht sehr stabil. Die Odyssee mit der Technik, sie ist für die Schorndorferin noch nicht vorbei. Derweil berichten Leser von ähnlichen Erfahrungen.

Erst kürzlich war Susanne Bahnmüller-Oswald wieder einmal „stinksauer“ wegen ihres Anschlusses. Ihr Sohn hatte nämlich einen Verkehrsunfall. Doch davon erfuhr sie erst am Tag danach. Der Grund: Sie war nach wie vor vom Telefonnetz abgehängt und auch der Handyempfang in der Christian-Friedrich-Werner-Straße ist so schlecht, dass kein Anruf sie an dem Tag erreichte.

Mehr als einen Monat hatte da das Telefon in ihrem Haus bereits nicht mehr geklingelt. Auch das Internet funktionierte nicht. Der Gärtnereibetrieb ihres Mannes musste kurzfristig ein Notbüro an einem anderen Ort einrichten, um das Geschäft aufrecht erhalten zu können. Derweil schoben ihr Netzbetreiber SDT Net und die Telekom, der die Leitungen zu ihrem Haus gehören, den Schwarzen Peter hin und her.

Notlösung vom Netzbetreiber

Seit Anfang der Woche hat die Schorndorferin nun wieder Telefon und Internet – auch wenn der Anschluss (aufgrund der zum Teil als Freileitung verlaufenden schwachen Leitung) nur leidlich funktioniert. Provisorisch hat der Anbieter die Leitung am Kabelverzweiger auf eine funktionierende umgeschaltet. Dem ging eine längere Odyssee der Suche nach den Ursachen voraus. Mehrere Termine mit Technikern der Telekom waren geplatzt, bevor Anfang Mai endlich ein Mitarbeiter dem Fehler auf den Grund ging.

Wer kommt für den Schaden auf?

Ziemlich wahrscheinlich, so Philipp Schaffert von SDT, liege das Problem an einem Port im VDSL-Schaltverteiler, der bei einem Gewitter kaputtgegangen sei. Zu dem habe der Anbieter jedoch keinen Zugang. Denn die Technik stamme zwar von SDT, der Kasten selbst sei jedoch im Besitz der Stadtwerke. Beide Unternehmen hatten bis Ende 2017 kooperiert. Seitdem gehen sie getrennte Wege.

Endgültig gelöst ist die Telefonstörung also noch nicht. Und Bahnmüller-Oswald hat nun ein zusätzliches Problem: An wen soll sie sich wenden, um Schadensersatzforderungen geltend zu machen? Schließlich konnte in den letzten Wochen der Gärtnereibetrieb nur notdürftig aufrechterhalten werden.

Telefonanbieter und Telekom weisen die Verantwortung von sich

Der Telefonanbieter weist die Verantwortung von sich: Die schlechte Kupferleitung sei schließlich im Besitz der Telekom – und die sehe keinen Handlungsbedarf. Außerdem hätten die Stadtwerke den Zugang zu den VDSL-Schaltverteilern blockiert. Ohne Rücksprache seien Schlösser ausgetauscht worden. Die Stadtwerke selbst weisen dies jedoch zurück: „Selbstverständlich wurde SDT Net ein Ansprechpartner benannt und eine Nummer unseres Rufbereitschaftsdienstes zur Verfügung gestellt“, sagt Geschäftsführer Andreas Seufer. „Wir warten derzeit seitens SDT Net auf Rückrufnummern, wenn wir einen Anruf nicht entgegennehmen können.“

Auch Leitungsinhaber Telekom sieht sich nicht in der Verantwortung: Die Familie sei schließlich kein direkter Kunde. Und die Kupferleitung sei zwar schwach, aber eine Störung habe es telekomseits nicht gegeben. Auch eine größere regionale Störung schließt der Leitungsbetreiber aus, obwohl dies Techniker mehreren Kunden gegenüber so geäußert hatten. „Die Kollegen hatten die Lage in Schorndorf erst unlängst allgemein geprüft und konnten keine Störungen feststellen“, heißt es in der schriftlichen Antwort.

Frustrierter Kunde erwägt Sammelklage

Reinhard Haas kann das nicht glauben. Auch er hatte, wie viele Schorndorfer, unlängst Probleme mit Telefon und Internet. Ab dem 9. April streikte zunächst das Internet, wenig später dann auch das Telefon. Bis Ende April dauerte die Störung an. Dazwischen lagen: circa 50 Anrufe bei der Störungsstelle, zweimal habe man ihn dabei zu einem neuen Vertrag überreden wollen; ein - leider völlig erfolgloser - Besuch von einem Service-Mitarbeiter; zweimal vier Stunden Wartezeit auf einen per SMS zugesagten Serviceeinsatz, der dann aber nicht zustande kann; zwei Einsätze durch einen privaten Techniker für etwa 180 Euro, um nachweisen zu können, dass das Problem bei der Telekom liegt; sowie zwei Versuche, eine neue laufende Nummer zu bekommen. Im vergangenen Jahr, berichtet Haas, habe er drei solcher Störungen gehabt. „Ich brauche kein schnelleres Internet, nur eines, das länger als ein Vierteljahr ohne Störung funktioniert.“

Haas ist frustriert. Gerne würde er deshalb Kontakt zu weiteren Betroffenen herstellen. „Es wird Zeit, dass in Deutschland eine Sammelklage möglich wird.“

Bemühungen um Entschädigung bislang erfolglos

Auch Leser Horst Kneller hat ähnliche Erfahrungen gemacht, wie er auf zvw.de berichtet: Sein Anschluss sei im April für zwei Wochen gestört gewesen. Bei der Störungsstelle habe man ihm stets wechselnde Gründe genannt. Dreimal hätten sich zudem Techniker angekündigt. „Gekommen ist niemand.“ Ohne Vorankündigung habe dann Ende April das Telefon wieder funktioniert. Die Ursache sei nach wie vor unklar. „Meine Bemühungen um eine Entschädigung sind bis jetzt erfolglos geblieben.“

Ob - und vor allem von wem - Susanne Bahnmüller-Oswald am Ende eine Entschädigung erhält, ist unsicher. Das weitere juristische Vorgehen will sie zunächst mit ihrem Anwalt abstimmen. Vorerst ist sie vor allem froh, dass ihr Telefon wieder funktioniert – „es fragt sich nur, wie lange“.