Schorndorf

Tempo 60: Vorsicht, Blitz-Bremser

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Sonst gilt vor dem Grafenbergtunnel Tempo 100, aktuell nur 60. Kurz nach dem Schild steht ein Säulenblitzer – das verleitet Autofahrer zu gefährlichen Bremsmanövern. © Gabriel Habermann

Schorndorf/Leutenbach. Auf der B 29 am Grafenbergtunnel Schorndorf ist zurzeit höchste Vorsicht geboten. Autofahrer dürfen dort seit kurzem und aller Voraussicht nach noch bis einschließlich diesen Dienstag nur 60 fahren statt bisher 100. Wegen des Blitzers bremsen nun Autofahrer zuweilen haarsträubend heftig ab.

Seit Ende Mai fertigen Säulenblitzer vorm Sünchen- und Grafenbergtunnel in Schorndorf Fotos von Autofahrern, die es besonders eilig haben. Anfangs lösen die roten Laserblitze noch recht häufig aus. So war’s auch in Waiblingen, nachdem die Stadt mehrere neuralgische Stellen mit fest installierten Blitzern versehen hatte. Neuerungen dieser Art sprechen sich sehr schnell herum, und wer einmal dem roten Blitz ins Auge gesehen hat, wird dessen Bekanntschaft künftig meiden. Deshalb füllt sich das Stadtsäckel nicht mehr so schnell, sobald die Blitzer ihren Bekanntheitsgrad auf höchstmögliches Niveau gesteigert haben.

Fahrer bremsen heftig ab

Nur hat sich jetzt am Grafenbergtunnel die Situation geändert. Wer dort bereits gewohnheitsmäßig den Tempomat auf 100 gestellt hatte, erlebte eine böse Überraschung: Maximal 60 Stundenkilometer sind aktuell erlaubt. Ein Beobachter hat die Stelle gleich mehrfach abgefahren, weil er’s fast nicht glauben konnte. Seiner Einschätzung nach ist der Abstand zwischen 60er-Schild und Säulenblitzer zu gering. „Das ist saumäßig gefährlich“, findet der ortskundige Fahrer. Der aus seiner Sicht kurze Abstand führe dazu, dass Verkehrsteilnehmer wegen des Blitzers extrem bremsen, sobald sie die neue Lage realisiert haben.

Verschwörungstheorie: Das machen die extra!

Es ist bisher dort nichts passiert, sagt Polizeisprecher Ronald Krötz. Hoffentlich bleibt’s dabei. Derweil ärgern sich vom Blitzer Getroffene natürlich sehr, und manch einer unter ihnen tappt gar in die Verschwörungstheorie-Falle: Das machen die extra!

Natürlich machen die das nicht extra. Das auf wenige Tage begrenzte Tempo-60-Limit hat einen guten Grund: Laut Landratsamt waren und sind Brückenreinigungsarbeiten nötig. Maximal noch diesen Dienstag bleibt laut der Behörde die Wanderbaustelle in Betrieb.

Den Bremser könnte eine Mitschuld treffen

Stellt sich noch die Frage, ob die Blitzsäule all die Tage überhaupt wusste, dass sie schon ab 60 Stundenkilometern blitzen müsste.

Im Vertrauen: Nein, sie wusste es nicht. Was Autofahrer allerdings nicht von ihrer Pflicht entbindet, umsichtig und vorausschauend zu fahren.

Kommt es zu einem Auffahrunfall, weil jemand wegen eines Blitzers voll in die Eisen steigt, trifft ihn unter Umständen eine Mitschuld. Darauf weist der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) hin. Es gilt zwar der Grundsatz, wer auffährt, hat Schuld. Doch gilt das eben nicht in jedem Einzelfall – etwa dann nicht, wenn jemand wegen eines Blitzers sehr scharf abbremst und gar sein Auto zum Stehen bringt. „Fachleute sprechen hier von irreführenden Fahrweisen, die eine Teilschuld begründen können“, informiert der Verband. In solchen Fällen kommt die Kfz-Haftpflicht desjenigen, der aufgefahren ist, im Zweifel nicht für den gesamten Schaden am Auto des Bremsers auf.

Unfälle wegen heftigen Abbremsens vor Blitzern sind selten

Ein Blick ins Zeitungsarchiv und in die Pressemeldungen der Polizei zeigt: Unfälle wegen heftigen Abbremsens vor einem Blitzer sind selten. Einer dieser Fälle liegt drei Jahre zurück. Ein damals 41-Jähriger hatte in Waiblingen nahe dem B-14-/B-29-Teiler wegen eines Blitzers sein Motorrad ruckartig abgebremst. Das Vorderrad des Fahrzeugs blockierte. Der Mann stürzte und zog sich leichte Verletzungen zu. Seine Kawasaki geriet in die Mittelschutzplanke, wobei der komplette Vorderbau samt Gabel weggerissen wurde.