Schorndorf

Teure E-Bike-Stationen werden nicht genutzt

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Jan Grube vom Fachbereich Stadtentwicklung hat fürs Foto extra eines der E-Bikes aus der Station geholt. Sonst bleiben sie meistens stehen. © Palmizi / ZVW

Schorndorf. Anmelden, Pedelec ausleihen, zur nächsten Station radeln und mit einem geladenen E-Bike wieder zurück. Der Vernetzungsgedanke, der hinter insgesamt 13 E-Bike-Stationen in der Region Stuttgart steht, ist eigentlich gut. Nur läuft’s nicht annähernd so gut wie gedacht – in Schorndorf sogar „miserabel“. Jetzt hofft die Stadt auf die Remstal-Gartenschau, immerhin hat sie sich mit 75 000 Euro an den Stationen beteiligt und bezahlt eine monatliche Servicegebühr von 1000 Euro.

Obwohl direkt am Zentralen Omnibusbahnhof und publikumswirksam am Oskar-Frech-Bad gelegen, die blauen E-Bike-Stationen, die vor zwei Jahren in Schorndorf eingerichtet wurden, sind alles andere als ein Publikumsmagnet. Mehr als 34 E-Bikes sind dort bisher monatlich im Schnitt noch nicht ausgeliehen worden. In den Wintermonaten liegt die Frequenz bei nahezu null. Doch auch in der Fahrradsaison sind die blau-grauen Räder auf den Straßen und Fahrradwegen eigentlich nicht zu sehen – und Schorndorf im Ranking der 13 teilnehmenden Kommunen auf dem achten Platz.

Dass der Ausleihvorgang – mit vorheriger Registrierung in Internet oder via Hotline, mit VVS-Mobilpass oder polygoCard – zu kompliziert ist, das glaubt Manfred Beier als zuständiger Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht nicht. Er vermutet eher, dass die Menschen in einer Klein-stadt wie Schorndorf anders ticken als in der Metropole, wo das Leihfahrradsystem womöglich besser funktionieren kann. Und der Schwabe ist sowieso noch mal anders: „Der kauft sich sein E-Bike lieber selber“, ist Beier mittlerweile überzeugt. Weil die Leih-E-Bikes außerdem sehr robust und vandalismussicher sein müssen, sind sie obendrein besonders schwer. Dazu kommt, dass sie nicht perfekt zur Körpergröße der Radler passen und ausschließlich in der E-Bike-Station aufgeladen werden können, über ein Ladekabel oder einen abnehmbaren Akku verfügen sie nicht. Und – auch diese Frage stellt sich: Wer fährt schon mit dem Fahrrad vom Bahnhof zum Oskar-Frech-Bad oder wer abends mit dem Rad nach Oberberken, wenn der Bus weg ist?

Ab Herbst mit DB-Connect: Andere Räder und Konditionen

Doch aufgeben will die Stadt Schorndorf trotzdem nicht. War der Vernetzungsgedanke in der Region anfangs ausschlaggebend für die Beteiligung, hofft Manfred Beier jetzt auf die Remstal-Gartenschau im kommenden Jahr. Der Vertrag mit der in Dresden ansässigen Betreiberfirma Nextbike läuft aus, im Herbst übernimmt zu günstigeren Konditionen und neuen Rädern die Bahn-Tochter DB-Connect – der Wechsel des Anbieters könnte den Leihstationen frischen Atem einhauchen. Denn die bisherigen Aktionen und Infotage sowie der von der Stuttgarter Beraterfirma Innovationhouse eigens in Schorndorf gedrehte Erklärfilm haben nicht wirklich zum Durchbruch geführt.

Für Dr. Rolf Reiner, Innovationhouse-Geschäftsführer, läuft die Schorndorfer E-Bike-Station auch deshalb so miserabel, „weil keiner so recht wusste, wie’s weitergeht“. In anderen Kommunen, wo regelmäßig Werbeaktionen stattfinden, sei die Leih-Frequenz höher. Doch Reiner ist überzeugt: Für die Gartenschau braucht es ein funktionierendes System, „damit nicht alle mit dem Auto rumfahren“.

Schlechtes Geschäft für Stadt, Region und Stadtwerke

Und mit dem frühzeitigen Start, so sieht es jedenfalls Manfred Beier, ist manche Kinderkrankheit bereits überstanden: Der Ladevorgang wird mittlerweile direkt und automatisch beim Andocken an die Station in Gang gesetzt. Die Räder haben bessere Bremsen bekommen. Die Stadt hat „Entwicklungsarbeit geleistet“, ist Beier überzeugt – und außerdem viel Zeit und Geld investiert. So wie auch die Region Stuttgart, die jede Station mit 75 000 Euro bezuschusst hat, und die Stadtwerke, die sich seit 2010 in Sachen Elektromobilität engagieren und die Station am Oskar-Frech-Bad finanziert haben – wie vorher das Projekt „Elektromobilität im Ländle“ (EmiL). Da es aber auch für die zehn Pedelecs, die übers Internet kostenlos ausgeliehen werden konnten, immer weniger Interesse gab, haben die Stadtwerke das Projekt 2014 auslaufen lassen und wollen sich künftig auf die Einrichtung von E-Tankstellen und den Netzausbau konzentrieren.

Für die Nutzer sind die Leihräder eine günstige Sache – und für zwei Euro in der Stunde, am Tag für 16 Euro und im Nachttarif für zwei Euro zu haben; VVS-Kunden zahlen sogar noch weniger.


E-Bike-Stationen in der Region

Die landesweit erste E-Bike-Station startete im Herbst 2013 in Bietigheim-Bissingen – inzwischen vernetzt das Projekt E-Bike-Station 13 weitere Standorte in der Region Stuttgart: Fellbach, Filderstadt, Göppingen, Herrenberg, Holzgerlingen, Kirchheim am Neckar, Ludwigsburg, Remseck am Neckar, Schorndorf, Schwieberdingen, Vaihingen an der Enz sowie Waiblingen. An jeder Station stehen zehn E-Bikes für Anwohner und Besucher zum Ausleihen bereit, außerdem verfügt jede Station über bis zu zehn Abstellplätze für private E-Bikes.

Ein wirkliches Erfolgsprojekt ist es nicht. Im Ranking der 13 Kommunen ist Waiblingen im Jahr 2016 mit 678 Ausleihen auf Platz eins gelandet, gefolgt von Fellbach (640 Ausleihen) und Herrenberg (570 Ausleihen). Vergangenes Jahr wurden die meisten E-Bikes in Herrenberg (878) ausgeliehen, gefolgt von Ludwigsburg (709) und Waiblingen (554). Schorndorf ist in beiden Jahren auf Platz acht gelandet, 2016 mit insgesamt 407 ausgeliehenen E-Bikes und 2017 mit 332 Ausleihen.

Im Projekt „Vernetzte E-Bike-Anschlussmobilität an Bahnhaltepunkten in der Region Stuttgart“ der Geschäftsstelle „Nachhaltig mobile Region Stuttgart“ fördern das Land Baden-Württemberg und die Region Stuttgart die Errichtung von E-Bike-Stationen in bis zu 15 Kommunen der Region, um das Angebot der Anschlussmobilität am Bahnhof zu erweitern und Berufspendlern eine umweltfreundliche und individuelle Alternative zum Auto zu bieten.

Das Projekt wird von der Region Stuttgart im Förderprogramm „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ unterstützt und ist eines von rund 40 Projekten des baden-württembergischen Schaufensters Elektromobilität LivingLab BWe mobil. Die E-Bike-Stationen sind mit dem VVS-Mobilpass und der polygoCard ganzjährig nutzbar. Weitere Informationen zur E-Bike-Station unter www-e-bike-stationen.de.