Schorndorf

Tipps für den Umgang mit Demenzkranken

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Leichter Körperkontakt kann im Gespräch mit demenzerkrankten Menschen besonders hilfreich sein. © Patrick Pleul/picture-alliance/d

Schorndorf. Ungefähr 10 000 Menschen sind im Rems-Murr-Kreis an Demenz erkrankt. Das sind mehr Menschen, als Winterbach Einwohner hat. Mit diesen Fakten verdeutlichte Demenzfachberaterin Monika Amann die Zahl der Betroffenen. In ihrem Vortrag erklärte sie die veränderte Wahrnehmung von Menschen mit Demenz, gab wertvolle Tipps für den Umgang mit ihnen und ging auf Fragen der Zuhörer ein.

„Na? Was hat sie heute wieder angestellt?“ Eine Angehörige holt einen Menschen mit Demenz aus dem Pflegeheim ab, geht direkt auf die Betreuerin zu, ignoriert die Person, um die es eigentlich geht. Ein extremes Beispiel, aber alles schon vorgekommen, meint Monika Amann, Demenzfachberaterin im Rems-Murr-Kreis. Sie zeigt in einem Rollenspiel, wie die Situation entschärft werden kann: Die Pflegerin nimmt den Arm der Patientin, berührt diese und bezieht sie ins Gespräch mit ein. Auch wenn Demenzerkrankte sich nicht mehr aktiv am Gespräch beteiligen können, ist es wichtig, sie nicht außen vor zu lassen. Körperliche Nähe und Blickkontakt sind dabei besonders wichtig.

Bei Menschen mit Demenz verändert sich die Wahrnehmung

In Amanns Vortrag geht es um Kommunikation zwischen Menschen mit Demenz und ihrer Umwelt – gelungene und verbesserungswürdige. Dabei redet sie auch über Verhaltensweisen der Betroffenen, die Menschen ohne Demenz oft merkwürdig vorkommen: „Die Wahrnehmung verändert sich, wenn die Demenz ausbricht“, erklärt sie. Auch wenn der Körper eigentlich sonst gesund ist, funktioniert das Kontrollsystem nicht mehr. Obwohl zum Beispiel die Augen funktionieren, kann es sein, dass ein Mensch mit Demenz Schattenflecken auf dem Boden als Löcher wahrnimmt und anfängt, darüberzusteigen. „Sie würden auch nicht den Flur entlanglaufen wollen, wenn er von Löchern übersät wäre“, meint Amann.

Auch der Geschmack verändert sich oft. Speisen, die von Angehörigen auf gewohnte Art gekocht werden, schmecken auf einmal bitter und ungenießbar. Wenn die Familie dann behauptet, alles sei wie immer, obwohl der Erkrankte sich sicher ist, dass alles anders schmeckt, entsteht ein gewisses Misstrauen. Manchmal glauben Menschen mit Demenz deshalb sogar, sie würden vergiftet.

Brezeln mit Zucker

„Haben Sie irgendwelche Tipps, was das Essen angeht?“, will eine Zuhörerin wissen. Einfach essen lassen, was die Person essen will, und froh sein, wenn sie überhaupt etwas isst: Amann betont immer wieder, wie wichtig es ist, einen Weg zu finden, der funktioniert. „Wir müssen niemandem die Normalität beweisen“, sagt sie. „Demenz ist nicht der Normalzustand.“

Im Zweifelsfall gibt es dann eben jeden Tag etwas Süßes. Als bei einem Treffen der Kuchen ausging und haufenweise Butterbrezeln übrig blieben, habe Amann schon erlebt, dass ein Kollege die Brezeln einfach mit Zucker bestreute. „Danach gingen sie weg wie warme Semmeln.“ Natürlich mache es aber Sinn, dann mit einem Arzt abzusprechen, ob man die Kalorienzufuhr anpassen müsse oder Alternativen zu Zucker verwendet werden sollten.

So früh wie möglich Hilfe annehmen

Bei der Kommunikation müsse grundsätzlich ein Weg gefunden werden, der sowohl für Angehörige als auch für Menschen mit Demenz funktioniere. „Man muss immer daran denken, dass es sich sowohl bei Angehörigen als auch bei professionellen Pflegenden um Menschen handelt. Nicht immer läuft alles perfekt. Es kann viel werden, manchmal zu viel.“

Deshalb rät Amann dazu, so früh wie möglich so viel Hilfe wie möglich anzunehmen. Besser werde die Situation nicht und nur so sei eine langfristige Pflege möglich. Der Fokus sollte nicht nur auf Menschen mit Demenz, aber auch nicht nur auf den Angehörigen liegen, sondern auf beiden.

Sind Demenz-Tests sinnvoll?

Auch auf Fragen und persönliche Ängste der Zuhörer geht Amann ein. Eine Frau will wissen, ob es Vorteile bringt, sich auf Demenz testen zu lassen. Möglicherweise sei es ja vererbbar. „Ich frage mich, wo da der Sinn ist“, bezweifelt Amann die Methode. „Selbst wenn man das mit absoluter Sicherheit feststellen könnte, heißt das noch nicht, dass die Erkrankung auch ausbrechen muss. Trotzdem leben Sie dann unter Umständen jahrzehntelang mit der Angst.“ Das sei aber nur ihre Meinung.

Bei Demenz handelt es sich nur um einen Überbegriff für viele verschiedene demenzielle Erkrankungen. Deshalb unterscheiden sich auch die Symptome und Krankheitsbilder. Immer ist die Krankheit aber fortschreitend. Bei so vielen direkt und indirekt Betroffenen versteht Amann nicht, warum immer noch so viele Fehlinformationen zum Thema Demenz kursieren. Deshalb leistet sie mit ihren Vorträgen einen wertvollen Dienst für Interessierte und oft auch Angehörige von Menschen mit Demenz. Es ändere sich auch etwas in der Gesellschaft, meint Amann. Zwar nicht so schnell, wie sie es sich wünschen würde, aber immerhin.


Weitere Angebote

Monika Amann und ihr Kollege Thomas Herrmann sind die Demenzfachberater des Rems-Murr-Kreises. Sie sind zu erreichen unter 07151/5011180 und demenzfachberatung@rems-murr-kreis.de.

In Schorndorf gibt es zwei Gesprächskreise für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Sie finden jeweils auf Anfrage alle 14 Tage im Marienstift und in der Katholischen Sozialstation in der Künkelinstraße statt. Hierzu gibt es weitere Informationen unter 07181/74885 und 07181/61570.