Schorndorf

Tobias Schwenk sieht sich als der junge, bürgernahe OB-Kandidat für Schorndorf

Tobias Schwenk
Tobias Schwenk kandidiert für das Amt des Oberbürgermeisters. © Joachim Mogck

„Ich habe eigentlich schon gewonnen“ – das ist von Tobias Schwenk derzeit immer dann zu hören, wenn er auf seine OB-Kandidatur angesprochen wird. Eine verwegene Aussage – doch für ihn ist tatsächlich was dran: Denn allein die Tatsache, dass er einige seiner Freunde mit der Kandidatur schon motiviert hat, das erste Mal in ihrem Leben an einer demokratischen Wahl teilnehmen zu wollen, das ist für den 32-Jährigen schon ein Gewinn. Noch zur Bundestagswahl hat Schwenk aus eben dieser Gruppe zu hören bekommen: Was soll das bringen? Die da oben machen doch eh, was ihnen passt. Und jetzt wollen seine Freunde und Bekannte am 7. November ihre Stimme abgeben – und finden es großartig, dass Tobias Schwenk sich ein solches politisches Amt zutraut.

Für ihn ist das Wahlrecht ein hohes Gut. Doch er will auch mitgestalten und seine Ideen einbringen. Und politisches Engagement ist in seiner Familie auch nichts Ungewöhnliches: Seine Mutter, Susanne Schwenk, ist stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende der CDU, und sein Onkel, Hermann Beutel, ist Fraktionsvorsitzender der CDU im Schorndorfer Gemeinderat. Trotz dieser familiären Bande hat sich Tobias Schwenk bewusst dafür entschieden, ohne die Rückendeckung einer Partei anzutreten: Er sieht sich als „der junge, dynamische, parteilose Kandidat“, der von außerhalb des Politikbetriebs kommt und dem bürgernahe Themen am Herzen liegen. „Ich möchte im Wahlkampf die Stimme der Bürger sein“, sagt der 32-Jährige und fühlt sich, auch wenn ihm politische Tiefe und Erfahrung fehlen mögen, schon durchaus wahrgenommen.

Bewusster Verzicht auf Plakate und ein Wahlkampfteam

Von Fraktionen und Bürgerinitiativen gab es bereits erste Anfragen. Schwenk ist erstaunt, wie viele Schorndorferinnen und Schorndorfer ihm das Amt tatsächlich zutrauen würden. Doch er bleibt auf dem Boden und will den Wahlkampf selbst locker angehen – „aber schon mit einer gewissen Ernsthaftigkeit“. Auf Wahlplakate wird er verzichten, auch weil er nicht glaubt, dass ihm deshalb jemand eine Stimme geben würde. Er hat zwar 51 Unterstützerunterschriften für seine Kandidatur gesammelt, aber kein Wahlkampfteam um sich geschart. Allgegenwärtig wird er sowieso nicht sein können: „Ich bin voll berufstätig“, sagt Tobias Schwenk, der nach der Fachhochschulreife erst seinen Bachelorabschluss in BWL-Industrie und dann seinen Master im Bereich Einkauf/Beschaffung gemacht hat. Er war auf der Gottlieb-Daimler-Realschule, hat eine Berufsausbildung gemacht und ist dann auf dem zweiten Bildungsweg durchgestartet. Jetzt arbeitet er als Einkaufsleiter bei einem Bad- und Sanitärhersteller in Wendlingen. Nebenbei gibt er noch Nachhilfe in Mathematik und Wirtschaft.

Geboren und aufgewachsen ist der 32-Jährige in Schorndorf. Er wohnt innenstadtnah in der Nähe des Feuersees. Doch auch die Ortsteile, wo er viele Freunde hat, liegen ihm am Herzen. Und vor allem deren Anbindung: Er selbst, erinnert sich Schwenk, sei schon eine ganze Stunde in Schlichten oder anderswo gestanden, um auf den Bus zu warten. Ein Missstand, der auch in früheren OB-Wahlkämpfen ein Thema gewesen ist, erinnert sich Schwenk, aber passiert ist aus seiner Sicht nicht viel. Er will „die Teilorte deutlich einbinden“. In Schorndorf, sagt er, müsse der Busbahnhof endlich ausgebaut werden. Den Unteren Marktplatz wünscht er sich – wie zur Gartenschau – autofrei für Kulturveranstaltungen und als Platz für die Jugend. Um diesen Parkplatzverlust zu kompensieren, würde er das Parken vor allem im innenstadtnahen Künkelinparkhaus günstiger machen. Parkplätze abschaffen und Gebühren erhöhen – „das geht nicht“. Überhaupt hält er es für wichtig, den Einzelhandel einzubinden, der in eineinhalb Corona-Jahren besonders gelitten hat. Dass auch der Spitalhof autofrei wird, davon hält Tobias Schwenk aber nichts - nicht zuletzt wegen der Nähe zur Schlosswallschule. Und wo er gerade am Spitalhof ist: Eine neue Stadtbücherei an diesem Platz fände er super – aber nicht in Zeiten, in denen das Geld in Schorndorf knapp ist: „Das würde ich eher in den Einzelhandel und die Anbindung der Ortsteile stecken.“

Ein Baubürgermeister für Schorndorf: „Ist das wirtschaftlich?“

Es sind die bürgernahen Themen, die ihm wichtig sind: An vielen Spielplätzen, sagt er, gibt es keine sanitären Anlagen. Wie viele Bürgerinnen und Bürger ärgert er sich über die vielen Schlaglöcher in den Straßen. Bezahlbarer Wohnraum ist ihm ein Anliegen. Ob es in Schorndorf allerdings – wie immer wieder gefordert – einen Baubürgermeister braucht, hält er für fraglich: Drei Bürgermeister auf 40.000 Einwohner – „bei einer Firma mit drei Geschäftsführern würde man fragen, ob das wirtschaftlich ist“. Und steht für ihn auch außer Frage, dass Matthias Klopfer „als Oberbürgermeister einen super Job gemacht hat“, der Schuldenstand hat sich nun mal vervielfacht. Und natürlich sei die Stadt mit der Gartenschau attraktiver geworden – „aber das hat seinen Preis gehabt“. Tobias Schwenk plädiert in der angespannten Haushaltssituation dafür, mehr Förderprogramme zu nutzen, Ausgaben kritisch zu hinterfragen und neue Lösungsansätze zu prüfen.

Ein wichtiges Thema ist für ihn auch die Sicherheitslage in der Stadt: Es gibt, sagt Tobias Schwenk, neuralgische Punkte wie den Bahnhof. Dort wünscht er sich mehr Polizeipräsenz – und weiß doch, dass junge Menschen kaum einen Platz haben, wo sie sich in Schorndorf treffen können. Auch für die Digitalisierung will er sich starkmachen – und nicht nur, weil das für seine Generation ein Top-Thema ist: Dass seine Großeltern nach ihrem Umzug die Ummeldung bei der Stadt nicht online machen konnten, sondern persönlich ins Rathaus kommen mussten, das ist für ihn ein Unding.

„Ich habe eigentlich schon gewonnen“ – das ist von Tobias Schwenk derzeit immer dann zu hören, wenn er auf seine OB-Kandidatur angesprochen wird. Eine verwegene Aussage – doch für ihn ist tatsächlich was dran: Denn allein die Tatsache, dass er einige seiner Freunde mit der Kandidatur schon motiviert hat, das erste Mal in ihrem Leben an einer demokratischen Wahl teilnehmen zu wollen, das ist für den 32-Jährigen schon ein Gewinn. Noch zur Bundestagswahl hat Schwenk aus eben dieser Gruppe zu

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