Schorndorf

Tojo: Eine große deutsche Marke

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tojo Schorndorf Tojo GmbH, Am Ziegelgraben 26 - bei Firma Schatz. Gerald Schatz, Sohn von Ulrich Schatz, hat eine eigene Möbelde
Das Systembett markiert Gerald Schatz’ Anfänge im Design-Möbel-Bereich. Studiert hat er BWL mit Schwerpunkt Bau – mit dem Ziel, in die Firma seines Vaters einzusteigen. © Schneider / ZVW
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Gerald Schatz’ Tojo Möbel GmbH gehört zu den 260 großen deutschen Marken 2016. © Schatz

Schorndorf. Wer hätte das gedacht: Als Gerald Schatz im Jahr 2000 seine Tojo Möbel GmbH gründete und sein einfach konstruiertes Systembett auf den Markt bringen wollte, haben alle gelacht. Der Vater, die Kreditberater, die Freunde. Mittlerweile lacht der 43-Jährige: Mit seinem Bett „Parallel“ hat er nicht nur den German Design Award 2017 gewonnen, 2016 wurde Tojo vom Rat für Formgebung auch in „Die großen deutschen Marken“ aufgenommen.

Im Video: German Design Award 2017 für das Bett "Parallel" der Möbelfirma Tojo.

Eine von 260 großen deutschen Marken zu sein, das ist für Gerald Schatz „das Allergrößte“. Jetzt steht seine kleine Tojo Möbel GmbH, die sich hinter den Kulissen der Schatz-Gruppe am Ziegelgraben versteckt, in einer Reihe mit Adidas, Audi, Daimler und Siemens. Allesamt Weltfirmen, was Langlebigkeit, Umsatz und Mitarbeiter betrifft.

„Unverwechselbar. Meisterhaft“

Dass Tojo damit – unter der Überschrift „Unverwechselbar. Meisterhaft“ – in dem mit Goldschnitt veredelten Design-Atlas des Rats aufgeführt ist, empfindet Schatz als „eine große Ehre“. Da hat sogar „der Vadder g’schluckt“, sagt der 43-Jährige, der 2013 als studierter Betriebswirt in die Firma seines Vaters Ulrich Schatz eingestiegen ist und sich seither um Akquise und Controlling kümmert.

Als Stifter im Rat für Formgebung saß er zuletzt beim Treffen im Porsche-Museum Stuttgart neben Robert Sachon, dem Chef-Designer von Bosch, und kam mit Willo Blome, Geschäftsführer der Blomus GmbH, ins Gespräch. Für Schatz ist das „ein super Netzwerk“. Schließlich hat seine Möbelfirma, vor 17 Jahren gegründet, gerade mal sechs Mitarbeiter und nur 27 Produkte.

Eine Erfolgsgeschichte – eigentlich von Anfang an

Damit lesen sich auch die Tojo-Anfänge, die alles andere als lukrativ waren, wie eine einzige Erfolgsgeschichte. Als Gerald Schatz als junger BWL-Student sein einfach konstruiertes und mittlerweile auch mit einem Designpreis ausgezeichnetes Systembett auf den Markt bringen wollte, stellte er sich bei der Stuttgarter Designer-Messe „Blickfang“ selbst an einen Neun-Quadratmeter-Stand, um die Laufkundschaft von seiner Idee zu überzeugen.

62 Betten hat er damals an einem Wochenende verkauft. Ein Jahr später konstruierte ihm ein Pforzheimer Nachwuchs-Designer mit Tojo-v ein Ziehharmonika-Bett, das er dem Stuttgarter Design-Einrichter „Magazin“ erst schenken musste, damit es in die Verkaufsausstellung aufgenommen wurde.

Internationaler Designpreis des Design-Centers Stuttgart

Inzwischen gehört es zu den Topsellern und ist – wie Tojo-system – mit dem Internationalen Designpreis des Design-Centers Stuttgart prämiert – wie überhaupt die ganze Tojo Möbel GmbH mit fast 20 Designpreisen dekoriert ist.

Zuletzt wurde das Steh-Regal, das erst im April auf den Markt kommen wird, bei der Kölner Einrichtungsmesse „imm Cologne“ mit dem „Iconic Awards: Interior Innovation Award – selection“ ausgezeichnet. Mit dem Ergebnis, dass seither jede Woche mindestens fünf Anfragen bei Schatz eingehen, wann es den Schrank denn endlich zu kaufen gibt.

Ohne den Einsatz von Schrauben, Beschlägen und Verleimungen

Bei der Kölner Messe im vergangenen Jahr hat das Tojo-Bettsystem „Parallel“ den „Iconic Awards: Interior Innovation – Best of Best“ gewonnen, und zwar wegen seiner einfachen Funktion: „Parallel“, von den Mainzer Innenarchitektur-Studentinnen Nora Große und Alisha Hauk für Tojo als Abschlussarbeit entworfen, lässt sich je nach Bedarf – und ohne den Einsatz von Schrauben, Beschlägen und Verleimungen – verbreitern oder zusammenschieben.

Das hat auch die Jury des German Design Award überzeugt: Tojo ist „Winner 2017“. Im Jahr 2016 wurde „Parallel“ obendrein mit dem Plus-X-Award in den Kategorien Innovation, Design, Funktionalität und Ökologie ausgezeichnet und Schatz zum Internationalen Designpreis Baden-Württemberg eingeladen. Zuvor waren Tojo-Produkte bereits zweimal für den Deutschen Designpreis vorgeschlagen: 2015 das Regal -dreh und 2016 das Regal Hanibal – und zwar ohne vorherigen Länderausscheid.

Die Tojo-Philosophie

Doch damit nicht genug: Mit der Marke Tojo ist Schatz jetzt auch noch für den German Brand Award nominiert sowie für den italienischen Designpreis „archiproducts Design Selection 2017“. Das muss ihm im Remstal erst mal einer nachmachen.

Auf eines aber legt Schatz Wert: Er selbst hat mit dem Design seiner Produkte nur insofern etwas zu tun, als dass er Möbel auswählt, die zur Tojo-Philosophie passen, also funktional reduziert, designorientiert und bezahlbar sind.

Die Kreativität junger Designer

Gerald Schatz nutzt die Kreativität junger Designer. Mit dem Schweizer Büro „eigenwert“, das auch den prämierten Steh-Schrank entworfen hat, hat er schon etliche Ideen verwirklicht. Alexander Schenk aus Schorndorf hat für Tojo den Herrendiener „Dienerle“ entworfen, die schlichten Anstellregale -fon, -find und -schuh sowie den Rundbogenhocker -sit. Ansonsten wartet Schatz darauf, was ihm junge Hochschulabsolventen anbieten.

Bis zu 100 Einsendungen erreichen ihn im Jahr auf diese Weise. Hochschulabsolventen in Mainz konnte er für eine Arbeit sogar das Thema vorgeben: „Produkt für Tojo“.

Erstmals auch Kunden aus den USA und Japan

Der Erfolg macht sich mittlerweile auch in den Verkaufszahlen bemerkbar: Das Hochstapler-Regal und das Ziehharmonika-Bett sind Bestseller. Das Parallel-Bett ist auf dem besten Weg, Tojo-Verkaufsschlager zu werden. Mit dem Stell-Regal hat Tojo die Kinderabteilung der Stuttgarter Stadtbibliothek ausgestattet.

Und war die Kundschaft bisher auf Deutschland, die Schweiz und Österreich beschränkt, konnte Schatz an seinem 130-Quadratmeter-Stand in der begehrten Halle 11 auf der Kölner Messe erstmals auch Kunden aus den USA und Japan begrüßen. Vor 16 Jahren mit einem Drei-auf-drei-Meter-Stand und einem einzigen Produkt angefangen, überlegt er jetzt, ob er irgendwann vielleicht sogar den Sprung zur weltweit größten und wichtigste Möbelmesse in Mailand wagen kann.

Rat für Formgebung

  • Vom Rat für Formgebung wurde die Schorndorfer Tojo Möbel GmbH in „Die großen deutschen Marken 2016“ aufgenommen.

  • Der Rat für Formgebung feierte im Jahr 2013 seinen 60. Geburtstag. Seiner Gründung ging ein Beschluss des ersten Deutschen Bundestages voraus, der für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und Qualität deutscher Erzeugnisse die Einrichtung eines solchen Gremiums forderte.

  • Im Frühjahr 1953 erfolgte die Gründung der Stiftung durch den BDI und einige führende deutsche Unternehmen. Seinem Stifterkreis gehören aktuell mehr als 260 Unternehmen an. Eines davon ist Tojo.