Schorndorf

Treffpunkt für Familien im Kindergarten St. Markus

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Kindergarten St. Markus an der Mittleren Uferstraße: In der rechten Gebäudehälfte ist der Treffpunkt Familie zu finden. © Palmizi/ZVW
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Sie sind froh, dass der Treffpunkt Familie endlich eröffnet werden konnte: Heike Mopils, Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats der katholischen Heilig-Geist-Kirche, und Leiterin Svenja Schillimat (rechts).

Schorndorf. Seit Anfang Dezember ist Leben im katholischen Kindergarten St. Markus. Richtig lebendig soll auch der im Neubau integrierte Treffpunkt Familie werden: Sozialpädagogin Svenja Schillimat ist als Leiterin gerade dabei, Kontakte zu knüpfen und den Familien in der Erlensiedlung erste, bedarfsorientierte Angebote zu machen.

Der Bedarf der Eltern an Beratung und Betreuung war schon im alten St.-Markus-Kindergarten groß. So groß, dass sich die katholische Kirchengemeinde und der im September 2018 in den Ruhestand verabschiedete Pfarrer Manfred Unsin vor Jahren schon Gedanken darüber gemacht haben, wie Familien besser unterstützt werden könnten. Im Februar 2012, erinnert sich Heike Mopils als Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, ist die Kirchengemeinde mit der Idee erstmals in einem Brief an die Stadt und damit an die Öffentlichkeit gegangen. Bis der Treffpunkt Familie Ende November 2018 eröffnet werden konnte, waren allerdings eine Menge Vorarbeit und viele Verhandlungen notwendig. Immerhin hat sich auch die Stadt am 3,2 Millionen Euro teuren Kindergartenneubau mit rund zwei Millionen Euro und am Treffpunkt Familie mit 200 000 Euro beteiligt und bezuschusst sechs Jahre lang die dortige Personalstelle mit jährlich 15 000 Euro.

Mit der – wenn auch verzögerten – Fertigstellung des Neubaus an der Mittleren Uferstraße und dem Arbeitsbeginn von Svenja Schillimat sind jetzt die entscheidenden Schritte getan. Die 27-jährige Sozialpädagogin, die sich zuvor im Jugendamt Esslingen im allgemeinen sozialen Dienst um Menschen mit Unterstützungsbedarf gekümmert hat, ist jetzt dabei, den Räumen Leben einzuhauchen.

Babymassage, Tauschbörse und Entspannungskurse

Im Seminarraum für Erwachsene, der auch einen Zugang zum Garten hat, stehen bereits ein großer Tisch und Stühle. In Raum Nummer zwei, wo Hebamme Heike Wörner bald einen Babymassage-Kurs anbieten will, gibt es zwei kleine Tischgruppen für Kinder. Die Teeküche soll um Herd und Backofen erweitert werden, damit dort auch mit Kindern und Erwachsenen gekocht und gebacken werden kann. Im Eingangsbereich gibt es seit Montag eine Pinnwand für eine Tauschbörse für Menschen aus dem Quartier und die Eltern des Kindergartens. Außerdem ist hier eine Ruhe- und Stillecke vorgesehen. Nachmittags ist der Mehrzweckraum, der in den Vormittagsstunden vom Kindergarten genutzt wird, für Veranstaltungen offen. Ein erstes Angebot ist in den Stundenplan bereits eingetragen: Ende Februar wird Svenja Schillimat, die auch eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin hat, einen entsprechenden Kurs für Senioren anbieten. Die Yoga-Kissen und -Matten liegen schon bereit.

Ende Juni soll im Treffpunkt Familie ein Kess-Erziehungskurs der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Familienbildung starten: Kess steht in diesem Fall für kooperativ, ermutigend, sozial und situationsorientiert. Außerdem will Svenja Schillimat mit dem Familienzentrum im Arnold-Areal kooperieren und mit Quartiersmanagerin Melanie Krahl ist auch schon ein Termin ausgemacht. Überhaupt hat die Sozialpädagogin, die im Treffpunkt Familie eine 50-Prozent-Stelle hat, viele Ideen: In der Elternarbeit kann sie sich Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung und Entspannung vorstellen, sie möchte Ärzte für Vorträge gewinnen. Sie kann sich im Treffpunkt Krabbelgruppen, Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung, ja sogar ein gesundes Mittagessen vorstellen. Möglich sind für sie auch musikpädagogische Angebote, Talentbörsen, Yogakurse und Frauengruppen – je nachdem, was von den Menschen in der Erlensiedlung nachgefragt, aber auch angeboten wird. Darüber hinaus bietet Svenja Schillimat montags von 8.15 bis 10 Uhr und von 14 bis 15 Uhr eine Sozialberatung an; sie ist mittwochnachmittags im Treffpunkt Familie präsent sowie donnerstags und freitags nach Bedarf.

Einige Eltern kommen eher zu Erziehern

Mit dem Treffpunkt will die katholische Kirchengemeinde ein niederschwelliges Angebot machen – und den Vertrauensvorschuss der bereits bekannten Einrichtung nutzen. Haben die Erzieherinnen im St.-Markus-Kindergarten doch auch die Erfahrung gemacht, dass die Eltern, unter denen der Anteil mit Migrationshintergrund hoch ist, die Angebote im bestehenden Familienzentrum im Arnold-Areal kaum nutzen, sondern mit ihren Problemen bisher eher zu ihnen gekommen sind. Darum ist Svenja Schillimat im Moment auch noch vor allem damit beschäftigt, Kontakte zu knüpfen, präsenter zu werden und aktiv auf die Menschen in der Erlensiedlung zuzugehen. „Es muss wachsen“, sagt Kirchengemeinderätin Heike Mopils und weiß: „Das braucht Zeit.“

Und auch wenn es nach Svenja Schillimats Vorstellung in ihrer Arbeit vor allem um Fragen der Kindererziehung und um das Ausfüllen von Anträgen gehen wird sowie um Unsicherheiten, welche Unterstützung Familien in Anspruch nehmen können, für die katholische Kirchengemeinde ist natürlich auch der Bezug zum Glauben wichtig.

Ohne missionieren zu wollen, wie Pfarrer Jens Kimmerle versichert, soll es damit auch außerhalb von Kirche und Gemeindezentrum ein Angebot geben – zu Gesprächs- oder Trauerkreisen, zum Beten, ja vielleicht auch zu einem Themenabend über die verschiedenen Religionen und ihre Werte. Und dass die Leiterin des Treffpunkts dabei katholisch ist – für die Kirchengemeinde und die Diözese Rottenburg ist das eine Selbstverständlichkeit.

Sprechzeiten

Sozialpädagogin Svenja Schillimat ist im Treffpunkt Familie, Mittlere Uferstraße 68, montags von 8 bis 15 Uhr zu erreichen, an diesem Tag bietet sie auch von 8.15 bis 10 Uhr und von 14 bis 15 Uhr eine Sozialberatung an. Außerdem ist sie mittwochs von 13 bis 18 Uhr im Haus sowie donnerstags und freitags nach Bedarf.

Svenja Schillimat ist auch telefonisch unter 07181/994 00 69 erreichbar sowie per E-Mail an treffpunkt-familie@t-online.de.