Schorndorf

Ukraine-Krieg: Reiseanbieter schränken Angebot ein

Russland
Die Kreuzfahrtrouten werden angepasst. Derzeit wird beispielsweise der Hafen von St. Petersburg nicht mehr angefahren. © Gabriel Habermann

Der Ukraine-Krieg wirkt sich auf die Urlaubslust der Deutschen aus, wie eine aktuelle Auswertung des Reiseportals „Holidaycheck“ zeigt. So hatten die Buchungen seit Ende Januar zunächst verstärkt zugenommen und befanden sich auf einem ähnlich hohen Niveau wie zu Vor-Corona-Zeiten. „Analog zum gesamten Reisemarkt wurde mit Beginn des Krieges ein merklicher Einbruch im Vergleich zur Vorwoche für alle Destinationen spürbar“, schreibt „Holidaycheck“.

FTI setzt sein Angebot für Reisen nach Russland bis auf weiteres aus. Für die Ukraine hat der Konzern das bereits Mitte Februar getan. Auch DER Touristik hat alle Reisen nach Russland abgesagt. Bis Ende Juni 2022 hat Lernidee Erlebnisreisen seine Reisen nach Russland abgesagt. Der Veranstalter ist Marktführer im Geschäft mit Reisen auf der Transsibirischen Eisenbahn. Auch der Trekking-Spezialist Hauser Exkursionen hat seine Reiseangebote nach Russland eingestellt. Als erste Reederei hatte Norwegian Cruise Line verkündet, alle Kreuzfahrten nach Russland abgesagt zu haben. Bislang gab es jeden Sommer etwa 50 Kreuzfahrt-Abfahrten von St. Petersburg, diese sollen 2022 ausfallen.

Dies ist nur ein kleiner Anriss dessen, welcher neuen Herausforderung sich Reiseanbieter und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Reisebüros nun neben der Corona-Pandemie stellen müssen.

Rückgang der Umsätze

„Zu den normalen Ausfällen, die es zum Beispiel bei TUI Cruises aktuell immer noch gibt, kommt diese Krise nun während einer Pandemie noch hinzu. Das ist in der jetzigen Buchungsphase wieder ein Rückgang der Umsätze, auf die wir eigentlich sehnlichst gewartet haben“, sagt die Leiterin des TUI-Reisebüros in der Schorndorfer Uferstraße, Lisa Neumann. Die weitere Entwicklung werde täglich von den Reiseveranstaltern beobachtet. Man müsse aktuell damit rechnen, dass jederzeit eine Änderung bekanntgemacht werde und somit auch die gebuchte Reise nicht so stattfinden könne. „Daher muss man aktuell spontan sein und mit allem rechnen.“

TUI hat zunächst auf unbestimmte Zeit das Programm für die Ukraine eingestellt. Zielgebiete wie Russland und Belarus werden zunächst bis 30. April aus dem Programm genommen. Bereits Ende Februar gab TUI Cruises ein Statement zu Routenänderungen bezüglich Anfahrtshäfen wie St. Petersburg ab: „Mit großer Anteilnahme und Besorgnis verfolgen wir den russischen Angriff auf die Ukraine. Vor dem Hintergrund der Ereignisse haben wir uns aus ethischen und moralischen Gründen entschieden, die Fahrpläne unserer Ostsee-Kreuzfahrten von Mai bis Oktober 2022 anzupassen: Wir werden St. Petersburg nicht mehr anlaufen.“ Alternative Häfen wurden angefragt, die Anläufe werden voraussichtlich durch Klaipeda (Litauen) und Riga (Lettland) beziehungsweise Kopenhagen (Dänemark) und Visby (Schweden) ersetzt.

Eingeschränkt werden auch Studienreisen wie beispielsweise vom Veranstalter Gebeco oder Studiosus, „diese machen aber nur einen Bruchteil der Reisen aus, nach denen aktuell gefragt wird, da das Hauptgeschäft aktuell sich zu 90 Prozent auf Flugreisen nach Spanien oder Griechenland, aber auch auf die Malediven oder nach Mauritius bezieht“. Lisa Neumann hat bei einigen ihrer Kunden in den vergangenen Tagen erlebt, dass diese ihre eigentlichen Urlaubsplanungen für dieses Jahr erst mal ruhen lassen wollen, oder sich „sogar schlecht fühlen, in dieser Zeit eine Urlaubsreise zu buchen“.

Russische Staatsangehörige reisen auf die Malediven

Die Pandemie noch im Nacken und nahezu allgegenwärtig, sagt die Reiseverkehrsexpertin: „Jetzt, genau dann, wenn bei uns wieder ein einigermaßen normales Geschäft denkbar gewesen wäre, ist das natürlich wieder ein Dämpfer.“ Dennoch bestärkt Lisa Neumann die Urlaubswilligen: „Der derzeitige Konflikt beeinträchtigt Reisen beispielsweise in die spanischen oder griechischen Urlaubsgebiete aktuell nicht. Ein Verreisen ist problemlos möglich.“ Sie blickt Ostern freudig entgegen – da hofft sie, dass noch Buchungen eingehen werden. Aktuell ist man laut Neumann damit beschäftigt, den Kunden die Änderungen – soweit bekannt – mitzuteilen. „Hier gibt es auch teilweise Stornierungswünsche, denen wir nachkommen müssen. Zu dem aktuellen Geschäft, das viel umfangreicher als vor der Pandemie ist, ist das für mich als alleinige Inhaberin und Geschäftsführerin ohne Mitarbeiter auf alle Fälle eine Herausforderung“, gibt Lisa Neumann offen zu.

Ob russische Reisende fehlen? – Das werde sich bei deren beliebtestem Reiseziel – den Malediven – auf alle Fälle bemerkbar machen. Gerade bei den Malediven, die übrigens diesen Sommer laut ITB Berlin (Reisemesse, die im März stattfand), ein Allzeithoch erreichen. Laut Statistiken sind nämlich russische Staatsangehörige die Nummer eins bei den aktuellen Einreisenden der Malediven. Neumann: „Hier fehlen dann eventuell zunehmend den Resorts die zahlungsfreudigen Kunden. Ich denke aber, dass viele russische Gäste trotzdem weiterhin nicht auf ihre Flugreisen auf die Malediven verzichten.“

Herausforderung nicht mit der Pandemie vergleichbar

Taylan Karhan vom Reisebüro Kar Tours fällt vor allem eines auf: „Die Einschränkungen der Veranstalter merken wir durch ihre Informationen, in denen uns mitgeteilt wird, was alles nicht mehr buchbar ist und welche Airlines nicht mehr fliegen. Oder welche Reisen umzubuchen sind.“ Generell wirke sich die aktuelle Lage nicht im Reisebüro von Karhan aus. „Bisher ist die Herausforderung in keinster Weise mit der Pandemie zu vergleichen. Ob das noch anders wird, kann man schlecht sagen.“

Im Reisebüro Knauss Reisen in der Innenstadt bestätigt Geschäftsführerin Ute Marx, dass die Angebote eingeschränkt werden: „Veranstalter, die die Ukraine und Russland im Angebot haben, haben ihre Reisen zum Teil bis Ende Juni oder auch schon für das ganze Jahr abgesagt, Neubuchungen für diese Ziele werden keine angenommen.“ Was den Kreuzfahrttourismus angeht, sind die Umstrukturierungen in der Routenplanung nun die Herausforderung. In der Regel komme eine baltische Stadt wie Riga, Tallin oder Danzig dazu oder es wird laut Marx zusätzlich Finnland oder Schweden angefahren, je nach Reederei. „Absagen hatten wir hier jetzt noch nicht.“ Dass die Russen fehlen, werde man preislich nicht merken, „dann eher die Kerosinpreise, hier könnte es schon sein, dass die Reisen etwas teurer werden“.

Auswirkungen auf das Buchungs- und Reiseverhalten

Etwas „ruhiger“ ist es bei Isabelle Schneider und Sarah-Jane Hahlbeck, die im DERTOUR-Reisebüro in der Schorndorfer Höllgasse arbeiten. Sie bemerken aktuell noch nicht das Ausmaß an Urlaubsabsagen. „Vereinzelt äußern Kunden bisher nur Sorgen bezüglich der Reisesicherheit.“

Für Reiseveranstalter, die auf Reisen nach Russland und die Ukraine spezialisiert sind, werde der Konflikt eine weitere Herausforderung neben Corona darstellen, so der Deutsche Reiseverband (DRV). Abzuwarten bleibe derzeit, ob und inwieweit der von Russland begonnene Krieg in den nächsten Wochen zu einer noch größeren, allgemeinen Verunsicherung führen und damit auch Auswirkungen auf das Buchungs- und Reiseverhalten haben wird.

Der Ukraine-Krieg wirkt sich auf die Urlaubslust der Deutschen aus, wie eine aktuelle Auswertung des Reiseportals „Holidaycheck“ zeigt. So hatten die Buchungen seit Ende Januar zunächst verstärkt zugenommen und befanden sich auf einem ähnlich hohen Niveau wie zu Vor-Corona-Zeiten. „Analog zum gesamten Reisemarkt wurde mit Beginn des Krieges ein merklicher Einbruch im Vergleich zur Vorwoche für alle Destinationen spürbar“, schreibt „Holidaycheck“.

FTI setzt sein Angebot für Reisen nach

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