Schorndorf

Ukraine-Krieg: Solidaritätsveranstaltung des Kulturforums mit der Künstlerin Viktoriia Vitrenko

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Die ukrainische Sängerin und Pianistin Viktoriia Vitrenko bei ihrem intensiven Auftritt auf Einladung des Kulturforums. © Gaby Schneider

„Es reicht! Wir werden für unser Land kämpfen und sterben.“ Zwischen ihren beiden Auftritten hat sich die Dirigentin und Sängerin Viktoriia Vitrenko zum Gespräch mit Sylvia Storz die blau-weiße ukrainische Fahne übergeworfen. Ein patriotisches Zeichen, eine kämpferische Beschwörung und vielleicht auch eine im verhüllenden Tuch Schutz suchende Geste der Hilflosigkeit.

Die 31-jährige Künstlerin schien darin wie von innen aus der Flagge heraus zu glühen. Befremdlich und doch stark berührend für ihr deutsches Publikum, das mit seinem Kommen vor allem Solidarität zeigen wollte, und (spätes) Interesse für ein wieder überfallenes Land, das nun erst im Krieg von uns auf der europäischen Landkarte wahrgenommen zu werden scheint.

„So vereint war die Ukraine noch nie. Ein großer Umbruch“, erklärt Viktoriia Vitrenko die aktuelle Lage. „Es hat damit zu tun, dass die Menschen genug haben. Wir haben 600 Jahre unter der russischen Aggression gelitten.“ Ein Fiebern ist da mitzuhören. In einer existenziellen Ausnahmesituation. „Seit dem 24. Februar bin ich am Telefon, die ganze Zeit, gebe Solidaritätskonzerte, kümmere mich um Flüchtlinge.“

Seit neun Jahren lebt die Musikerin in Stuttgart. Hat dort mit ihrer belarussischen Kollegin Maria Kolesnikowa, die seit eineinhalb Jahren von Diktator Lukaschenko gefangengehalten wird, die internationale Künstler-Initiative „InterAKT“ gegründet. Aber nie hat auch Vitrenko die Verbindung mit ihrer Heimat aufgegeben.

Noch vor einem Jahr hat sie eine Wohnung vor Kiew gekauft. Nach einer dreitägigen Flucht ist nun gerade ihre Familie von dort in Stuttgart angekommen. „Nach unserem Sieg werden wir versuchen, wieder alles auf die Beine zu stellen.“ Und „hoffentlich wird die Ukraine bald wieder in Ruhe sein. Es ist die Hoffnung, die uns am Leben hält!“

Und wohl auch die Musik, wie an den zwei Werken zu hören war, die Vitrenko mit bannender Intensität an diesem Abend vortrug. „Signs of Presence“, ein Liederzyklus der ukrainischen Komponistin Alla Zagaykevych zu Gedichten der in Donezk geborenen Lyrikerin Iya Kyva. Neue Musik, die Tradition des europäischen Kunstlieds weiterschreibend, zugleich verflochten mit sirrend strömenden Echos ukrainischer Folklore, von der Sopranstimme Vitrenkos mal gurrend, flüsternd, dann wie haltlos wehend oder klagend hämmernd in eine musikalische Gestalt gebracht, als ob sie mit abgeschnittenen Augenliedern den uns bedrohenden Schrecken protokollieren müsste.

Am Ende die „Lieder der heiligen Narren“ des jungen Komponisten Maxim Schalygin. Ein Abschiedslied, so vielstimmig orchestriert, dass man ihm die Kraft der Versöhnung der unglücklichen Ukraine mit seiner eigenen Geschichte zutraute.

Die Kunst, waffenlos?

„Es reicht! Wir werden für unser Land kämpfen und sterben.“ Zwischen ihren beiden Auftritten hat sich die Dirigentin und Sängerin Viktoriia Vitrenko zum Gespräch mit Sylvia Storz die blau-weiße ukrainische Fahne übergeworfen. Ein patriotisches Zeichen, eine kämpferische Beschwörung und vielleicht auch eine im verhüllenden Tuch Schutz suchende Geste der Hilflosigkeit.

Die 31-jährige Künstlerin schien darin wie von innen aus der Flagge heraus zu glühen. Befremdlich und doch stark

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