Schorndorf

Unsere Bienen sind vielfach bedroht

1/2
cd25d1e5-4c82-4cb1-b556-45905a25a2e6.jpg_0
Auf dieser Frostblüte findet die Biene kein Futter. © Habermann / ZVW
2/2
6730cdb9-6110-4f6f-b54e-f5da75d1173a.jpg_1
Uwe Weingärtner mit Tochter Elina am Bienenlehrstand des Imkervereins Remstal in Schorndorf. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Der harte Winter und der späte Frost haben den Wildbienen einen ziemlichen Schlag versetzt. Aber auch die Zuchtbiene hat zu kämpfen. Ohne Zufütterung würden viele Völker das Frühjahr nicht überleben. Zudem wird sie von Bienenkrankheiten geplagt. Es war wahrlich schon mal einfacher, Imker zu sein. Und doch gibt es wieder mehr von ihnen im Remstal.

Video: Imker Uwe Weingärtner, Vorsitzender des Imkerverein Remstal, erklärt, warum die Bienen zugefüttert werden müssen.

Uwe Weingärtner ist in diesen Tagen oft bei seinen zehn Völkern. Öfter als sonst im Frühjahr besucht er die Kästen am Schorndorfer Bienenlehrstand. Denn seinen Kärntner Bienen geht die Nahrung aus. Bei den Frostnächten im April sind die Obstblüten nahezu komplett kaputtgegangen. Deshalb muss der Vorsitzende des Imkervereins Remstal alle zwei Tage Zucker zufüttern, bis zu 700 Gramm pro Tag und Volk. Dazu packt er Futterrähmchen in seine Bienenkästen und überprüft dabei, in welchem Zustand sich seine Völker gerade befinden. „Dieses Brutnest gefällt mir nicht“, sagt er und zeigt auf eine Wabe. Es fehlt das Königinnennest. Kein gutes Zeichen. Das Volk droht zu sterben, wenn es sich nicht fortpflanzt.

Später Frost im April hat Imkern die Ernte verhagelt

Am kalten Winter, den der Laie dahinter vermuten mag, wird es aber wohl nicht gelegen haben. „Der war eigentlich gar nicht schlecht für die Biene.“ Denn wenn es länger kalt ist, geht sie später in Brut. Dann nämlich, wenn es für sie bereits genügend Futter in der Natur gibt. „Wird es zu früh warm, kann es gut sein, dass sie verhungert.“ Mit dem Wetter war Weingärtner in diesem Jahr daher eigentlich zufrieden – bis zu jenem fatalen Frosteinbruch, der nicht nur den Obstbauern, sondern auch den Imkern die Ernte verhageln wird.

Gute Tracht kann kaum entstehen

Schon letztes Jahr lag Weingärtners Ertrag mit sieben Kilo Honig pro Volk weit unter dem Durchschnitt (in guten Jahren ist es zehnmal so viel). Dieses Jahr dürfte es noch weit schlechter werden. Denn der Honig, den die zugefütterten Bienen produzieren, ist nicht verzehrfähig – und neue Nahrung in der Natur rar. Eine gute Tracht, also jener Honig, den die Bienen in ihren Stock eintragen und nicht selbst verbrauchen, kann daraus kaum entstehen.

Auch in besseren Jahren: Situation im Remstal problematisch

Aber selbst in besseren Jahren ist die Situation im Remstal für die Imker problematisch: Es gibt hier zu viel landwirtschaftliche Monokultur und zu wenige saftig blühende Wiesen. „Und die Wiesen, die es gibt, werden zu oft gemäht. Da blüht dann gar nichts mehr.“ Das Land fördert deshalb extra Blütenmischungen für Bienenweiden. Ohne Zufüttern kann die Imkerei in der Region dennoch nicht betrieben werden.

Zahlreiche Bienenkrankheiten

Und dann gibt es da ja noch die zahlreichen Bienenkrankheiten, allen voran die berüchtigte Varroamilbe. Schon viel zu lange haben die heimischen Imker mit diesem asiatischen Parasiten zu kämpfen, der Ende der 1970er Jahre nach Deutschland kam. Die Milbe setzt sich bereits an den Bienenlarven fest und kann - wenn der Mensch nicht eingreift - zum Tod des Insekts führen. Das Tückische an dem Schädling: Er vermehrt sich exponenziell, bis irgendwann die ganze Brut befallen ist. „Man braucht daher nur wenige Milben, um ein Riesenproblem zu bekommen – und es ist nicht einfach, die Varroa zu bekämpfen“, sagt Weingärtner.

Bekämpfungsmethode lässt auch Bienen sterben

Bei der gängigen Bekämpfungsmethode der Ameisensäureverdampfung können auch Bienen sterben, wenn man den richtigen Zeitpunkt verpasst. Es darf nicht zu kalt sein, dann stirbt die Milbe nicht. Wenn es aber mehr als 30 Grad hat, dann wird es auch für die Biene gefährlich. Und sinnvoll ist eine Behandlung nur im August.

Weingärtner hatte bisher Glück. Seit er 2003 mit der Imkerei begann, hat er erst fünf Völker an den Schädling verloren.

Milbe schwächt die Bienen

„Man kriegt ihn aber einfach nicht los.“ Hinzu kommt: Die Milbe schwächt die Bienen und macht sie damit anfällig für andere Schädlinge. Etwa die bösartige Faulbrut, auch als Bienenpest bezeichnet, die zuletzt 2006 im Remstal auftrat. Eine meldepflichtige Krankheit mit verheerender Wirkung. Betroffene Völker müssen umgehend vernichtet werden.

Neue Bedrohungen: Kleiner Beutenkäfer und Asiatische Hornisse

Oder der Kleine Beutenkäfer, ein Parasit aus Afrika, der bereits in Italien gelandet ist und wohl bald seinen Weg nach Deutschland finden wird. „Eine sehr, sehr große Bedrohung“, die sich im Wabenmaterial der Bienen festsetzt und den Honig ungenießbar macht.

Angst haben die Imker auch vor der Asiatischen Hornisse – einem Schädling, der sich fast ausschließlich von Bienen ernährt. Und dabei ziemlich dreist vorgeht: „Das Insekt stellt sich vor das Flugloch, um sie dann zu schnappen.“ Im Rheingraben wurde er bereits gesichtet.

"Denn die Imkerschaft ist hoffnungslos überaltet"

Es war wahrlich schon mal einfacher, Imker zu sein. Nicht der einzelne Erreger ist dabei das große Problem. „Es macht die Masse. Irgendwann werden die Imker keinen Spaß mehr an der Arbeit haben“, so Weingärtners Befürchtung. Er selbst denkt jedoch nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Der 43-Jährige arbeitet Woche für Woche aktiv daran, die Imkerei in der Region zu erhalten und zu verjüngen. „Denn die Imkerschaft ist hoffnungslos überaltert.“

Neuimkerkurse lassen Mitgliederzahlen wieder steigen

Seit zehn Jahren gibt er im Verein deshalb Neuimkerkurse und freut sich, dass die Mitgliederzahlen wieder steigen. Knapp 290 Imker sind heute dabei. 2003 waren es noch 170. Das gibt Anlass zur Hoffnung. Denn eine Erfahrung hat Weingärtner bei Neuimkern letztlich immer wieder gemacht: „Wenn man ein Jahr dabei war, lässt einen die Faszination nicht mehr los.“

Der Bienenaktionsplan des BUND

Im Gegensatz zur Zuchtbiene hat die Wildbiene keinen Imker, der sie beschützt. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 197 Arten gefährdet, 31 vom Aussterben bedroht. 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste.

Das Bienensterben sei „dramatisch und alarmierend“, sagte Corinna Hölzel, BUND-Pestizid-Expertin, gegenüber dem Deutschlandfunk. „Die Naturschutz-Union hat jüngst festgestellt, dass in Europa jede zehnte Art bereits ausgestorben ist.“

Deshalb forderte der Umweltschutzverband unlängst von der Bundesregierung einen Bienenaktionsplan.

Hier die Eckpunkte des Plans: Bestäuber sollen besser vor Pestiziden geschützt werden, vorhandene Lebensräume erhalten und wiederhergestellt sowie neue Lebensräume geschaffen werden. Außerdem soll die Landwirtschaft ökologisch umgestaltet, das Zulassungsverfahren für Pestizide reformiert und die Weiterbildung und Forschung in dem Bereich intensiviert werden.