Schorndorf

Unter der Brücke - der neue Jugendtreff der SchoWo

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Am neuen Jugendtreffpunkt der SchoWo unter der Arnoldbrücke herrscht eine "chillige Atmosphäre" © Alexandra Palmizi / ZVW
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Die Zielgruppe nimmt den Jugendtreff dankend an

Eine SchoWo ohne Jugendtreff im Schlosspark? Das geht – und zwar eigentlich ganz gut

Würde die Jugend den SchoWo-Treff unter der Arnoldbrücke als Ersatz für den Schlosspark annehmen? Oder würde sich das ganze Projekt als aufwendig organisiertes, teures Missverständnis entpuppen? Kein Mensch wusste darauf vorher eine Antwort. Aber da schau her: Es hat funktioniert.

Wird die Jugend kommen? Kurz vor 22 Uhr am Freitag ist das noch nicht recht entschieden. Allenfalls hundertfünfzig junge Leute tummeln sich im eingezäunten Areal unter der Brücke, lümmeln auf Sitzkissen oder in Strandstühlen, hocken auf Kunstrasen,  ein kleines Grüppchen steht ums DJ-Pult, ein einzelnes Mädchen tanzt. Ihr Getränk haben die Gäste selber mitgebracht, man trinkt, was die Jugend halt so trinkt: Apfelschorle, Wodka, Eistee, Wodka, Orangensaft und Wodka. Der Nabel der Welt ist das noch nicht.

"Sehr chillige Atmosphäre"

Der städtische Jugendreferent Peter Komhard ist dennoch bereits ganz zufrieden: „Sehr chillige Atmosphäre. Angenehm.“ In den vergangenen Wochen hatte die Jugend in den sozialen Netzwerken „extrem viel diskutiert“, haltlose Fake News  kursierten: Radikales Alkoholverbot werde herrschen! „Hardcore-Kontrollen“ seien geplant! Und wer rein wolle, müsse – boah, zu übel – Eintritt zahlen!

Jessica Unser lacht: Ach ja, „die Gerüchte“. In den vergangenen Tagen hat die 18-Jährige quasi stündlich via Facebook das Allerkrümmste geradezurücken versucht. Unser gehört zur Jugend-Initiative Schorndorf und ist eine der Organisatorinnen des Brückentreffs. Wochenlang sind sie „rumgewandert“, auf der Suche nach einem Schlosspark-Ersatz. Dass es einen geben muss, war klar: „Welcher Jugendliche möchte schon mit seinen alten Eltern auf dem Marktplatz sein“ und dauernd von Ü40-Greisen angesprochen werden, „bist du nicht die Tochter von“?

Etat von 27 000 Euro

„Ich bin nicht der größte Fan der Stadt“, sagt Jessica Unser, aber dass das hier geklappt hat, „darauf sind wir richtig stolz. Wir haben uns dafür eingesetzt, haben uns monatelang damit befasst“, der Gemeinderat hat mächtig Geld locker gemacht, einen Etat von 27 000 Euro gewährt für die fünf Tage, Security, Ton, Licht, Mobiliar, Kunstrasen, Toilettenwagen, Zäune. Im Schlosspark war die Jugend „immer nur so geduldet – hier haben wir zusammen was auf die Beine gestellt. Ich finde, das ist ein megagutes Zeichen.“

Kurzer Blick rüber zum Hof der Künkelinschule; einige hatten gemutmaßt, hier könnte sich ein alternativer Treff bilden. Aber gegen 23 Uhr hat sich nur eine etwa 30köpfige Gruppe zusammengefunden. „Wir sind die mit dem Migrationshintergrund“, lachen sie und lassen den Reporter großzügig in ihre Seele blicken: „Sie können schreiben, wir hören viel Old School. Westcoast. 2Pac! Er ist in meinem Herz. Der ist Legende.“ Unter die Brücke gehen? „Wir sind doch keine Penner.“ Und außerdem: Da herrsche Alkoholverbot. Und es koste Eintritt.

500 junge Leute unter der Brücke

Kurz vor Mitternacht sind, man staune, gut 500 junge Leute unter der Brücke: Das Gelände wird angenommen.  Ein paar Polizisten schauen allerdings mit bedenkenschweren Blicken von außen auf das Treiben. Zu viele Minderjährige, zu viel Wodka. Vorhin, so geht das Gerücht, habe der Rettungsdienst ein sturzbetrunkenes Mädchen in die Klinik gefahren. Ein paar Flaschen sind auch schon geflogen, und wenn Glas auf Asphalt trifft, klirrt es leider recht heftig; auf der Schlossparkwiese hat es sanft plopp gemacht.

Kleiner Rundgang durchs Getümmel: Im Grunde ist die Stimmung gelassen, friedlich, freundlich. Sicher, es gibt ein paar Betankte – der Junge dort drüben, der versucht, High Five mit einem Mädchen zu machen, kriegt das Abklatschen nur noch in Zeitlupe hin und verliert dabei fast das Gleichgewicht. Sicher, ein paar junge Männer sind schwer auf Adrenalin – einer tigert, wilde Blicke werfend, übers Gelände, „solche Fische“, murmelt er aufgewühlt, „die sind gestört! Hurensöhne!“, während seine Freundin ihm beruhigend zuredet: keine Gewalt!  Aber wenn wir Alten ehrlich sind: Junge Männer, denen das Testosteron zu den Ohren rauskommt, gab es auch in unserer eigenen Halbstarkenzeit, und nicht nur die Jugend von heute säuft bisweilen zu viel, die Jugend von vorgestern hat auch manchmal schwer was weggestülpt (sofern sie’s nicht gar immer noch tut).

Fazit: Es ist gut hier unter der Brücke; es ist gut, das die Jugend ihren Platz hat.

So sieht es auch Jessica Unser. „Wir haben einen DJ, es gibt Sitzmöglichkeiten – und einen richtigen Klowagen, nicht bloß ein Dixiklo! Man kann sich da drin die Hände waschen! Und hat Licht!“ Im Schlosspark gab es das alles nicht. Kann sie sich also vorstellen, in Zukunft immer hier zu feiern? Nein, das nun auch wieder nicht: Wenn der Park wieder zugänglich ist, könne man die Erfahrungen von unter der Brücke dorthin mitnehmen – und  „was Größeres“ draus machen.