Schorndorf

Unter Kollegen: Streit im Schwabenpark

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Archivbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Kaisersbach.
Weil die Kollegin mal wieder irgendwo rumquatschte, anstatt sich um die Besucher am Karussell zu kümmern, ist ein 52-jähriger Schwabenpark-Mitarbeiter an einem Nachmittag im August ausgeflippt. Über seinen Schlag gegen die Stirn der 26-Jährigen wurde jetzt im Amtsgericht Schorndorf verhandelt: Letztlich stellte Richterin Petra Freier das Verfahren wegen Körperverletzung ein. 150 Euro Geldstrafe muss der Angeklagte dennoch bezahlen.

Verfahren wegen Körperverletzung wurde eingestellt

Mit der Geldstrafe kann der 52-Jährige leben: „Es ist in Ordnung“, lautete sein Kommentar auf die Aussicht, statt der ursprünglichen 750 Euro, gegen die er Einspruch eingelegt hatte, lediglich 150 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen zu müssen. Das Verfahren wegen Körperverletzung wurde mit Zustimmung des Staatsanwalts eingestellt – in Ordnung war das Verhalten des Angeklagten im Sommer im Schwabenpark deshalb aber nicht. Und das machte auch die Richterin in der Verhandlung noch mal deutlich. Ganz im Sinne des Angeklagten, der mehrfach versicherte, dass er es im Rückblick auch nicht gutheißen kann, dass er seiner 26-jährigen Kollegin im Streit „auf die Stirn geditscht“ hatte.

Ein Wort ergab das andere

Doch damals hatte offenbar nicht nur ein Wort das andere ergeben. Die 26-Jährige, die auch als Zeugin in der Verhandlung aussagte, war wohl im Schwabenpark bekannt, da sie sich öfter mal vor der Arbeit drückte und unzuverlässig arbeitete. Dass sie an besagtem Nachmittag im August tatsächlich mit einer Kollegin gequatscht hatte, bestritt sie in der Verhandlung auch gar nicht. Doch wenn gerade am Fahrgeschäft nichts los ist, „machen das alle so“. Und als sie gesehen hatte, dass Besucher an ihrem Karussell anstanden, sei sie auch die Treppe heruntergekommen. Da freilich hatte ihr Kollege das Karussell schon wütend eingeschaltet – mit dem Gedanken: „Die Leute zahlen ja 20 Euro Eintritt.“ Weil sich die junge Kollegin von ihm aber nichts hatte sagen lassen wollen – „Er ist ja nicht mein Chef“ –, ergab ein Wort das andere. Irgendwann hatte er ihr mit der flachen Hand auf die Stirn geschlagen – und es offenbar sofort bereut. Und auch wenn die 26-Jährige nicht schwer verletzt wurde und der hinzugerufene Sanitäter nur Tränen fließen sah, der Schlag gegen den Kopf war für sie heftig: „Damit rechnet man ja nicht.“ Nach der Auseinandersetzung tat ihr noch einige Zeit die Stirn weh, ihr war übel geworden und vorsorglich war sie auch zum Arzt gegangen. Eine Gehirnerschütterung, sagte sie auf Nachfrage der Richterin, hatte sie aber nicht.

"Kein Typ, der eine Frau schlägt und auch keine Männer"

Schon als Geschäftsführer Guido Hudelmaier dazu gekommen war, der ebenfalls als Zeuge in der Verhandlung aussagte, entschuldigte sich der 52-Jährige bei seiner Kollegin. In der Verhandlung legte er nach: „Ich find’s nicht in Ordnung; ich bin auch kein Typ, der eine Frau schlägt, und auch keine Männer.“ Und im Gegensatz zu der jungen Kollegin, die nach Aussage des Geschäftsführers „bei den anderen nicht so beliebt war“, ist der 52-Jährige auch weiterhin im Schwabenpark beschäftigt.

Eine Vielzahl von Vorstrafen

Dass es trotz seiner prompten Entschuldigung überhaupt zu einer Verhandlung im Amtsgericht Schorndorf gekommen war, hängt mit seinem Einspruch gegen den Strafbefehl zusammen – und der Vielzahl von Vorstrafen, die der Angeklagte vorzuweisen hat: Bereits mit 17 Jahren wurde er – noch in der ehemaligen DDR – wegen Diebstahl-, Betrug- und Raubdelikten mehrfach verurteilt. Er verbüßte mehrere Haftstrafen, wurde auch zwischen 1992 und 2013 wiederholt verurteilt – allerdings wegen „keiner einzigen Körperverletzung“, wie Richterin Petra Freier bemerkte. Und der 52-Jährige, der über sich selbst sagt, er sei in jungen Jahren „ein ganz schöner Rabauke gewesen“, unterstrich in der Verhandlung: Seitdem er 2006 seine zweite Ehefrau kennengelernt hatte, „habe ich versucht, so sauber wie möglich zu bleiben“. Und das, ergänzte Freier, „ist ihnen ja auch fast gelungen“.