Schorndorf

Ursula Kamps: Schorndorfer SPD-Urgestein und Tafelladen-Gründerin wird 80

Ursel Kamps
Ursula Kamps saß lange im Gemeinde- und im Kreistag und wäre Ende der 1990er fast Schorndorfer Oberbürgermeisterin geworden. Heute mischt sie sich nicht mehr in die Kommunalpolitik ein. © Gabriel Habermann

Groß geworden in einem hochpolitischen Haushalt, hat sie sich später, neben dem geliebten Lehrerinnen-Beruf an der Schlosswallschule, in die Arbeit im Gemeinde- und im Kreistag gestürzt, hat sich an vorderster Stelle bei der Arbeiterwohlfahrt engagiert, den Tafelladen gegründet und die Tennisabteilung der SG mit aus der Taufe gehoben. 70 Jahre lang war Ursula Kamps' Leben Stress pur. Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag – und führt „ein ruhiges Leben“. Aus der Kommunalpolitik hat sie sich längst zurückgezogen. Sie mischt sich nicht mehr ein, gibt keine Kommentare ab zu den Entscheidungen. In jüngster Zeit haben sie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg sowieso mehr beschäftigt. Doch an ihrer politischen Einstellung hat sich nichts geändert: Sie ist Sozialdemokratin durch und durch.

Vater, Mutter, Bruder: Groß geworden in einer sehr politischen Familie

Als Tochter von Rosa und Gottlob Kamm, den Schorndorfer SPD-Urgesteinen, gehörte politisches Engagement von Beginn an dazu. Die Eltern wurden – als Gegner des Nationalsozialismus – nach dem Zweiten Weltkrieg in die verfassungsgebende Landesversammlung Württemberg-Baden berufen. Der Vater, der im Frühjahr 1934 vier Monate lang im KZ Oberer Kuhberg eingesperrt war, wurde im Juni 1945 Bürgermeister von Schorndorf, zog bald in den ersten Landtag ein, wurde Landesminister für politische Befreiung und saß später – wie die Mutter auch – im Schorndorfer Gemeinde- und im Kreistag. Und auch der große Bruder machte als Sozialdemokrat Karriere: Berthold Kamm war von 1966 bis 1986 Mitglied im Bayerischen Landtag, zuletzt sogar Vizepräsident des Parlaments.

Als Schorndorfer OB-Kandidatin 44,9 Prozent der Stimmen

1972 kandidierte auch Ursula Kamps das erste Mal auf einer SPD-Liste – für den Schorndorfer Gemeinderat. Nach dem Tod des Vaters machte sie 1975 zwischenzeitlich für ihre Mutter Platz, die sich mit dem politischen Engagement ablenken sollte. 1994 überzeugte Karl-Otto Völker sie, sich noch einmal aufstellen zu lassen – für den Gemeinde- und für den Kreistag. Mit Erfolg: Mehrmals wurde sie wiedergewählt, sie blieb bis 2012. In diesem Jahr schied sie gemeinsam mit ihrem Fraktionsfreund Frieder Stöckle und der Christdemokratin Sabine Becker-Rapp freiwillig aus. Im Kreistag mischte sie noch bis 2014 mit und wurde im gleichen Jahr für ihr soziales und politisches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 16 Jahre zuvor hatte Ursula Kamps bei der OB-Wahl kandidiert – und gegen Winfried Kübler, der mit 53,4 Prozent der Stimmen gewann, mit 44,9 Prozent ein beachtliches Ergebnis erzielt.

Heute genießt Ursula Kamps die Ruhe in ihrem Leben. Mit Freunden trifft sie sich jeden Vormittag bei Rosa im Café an der Stadtkirche. Täglich geht sie mit ihrem Mann Hermann und der zotteligen weißen Komondor-Hündin Ayla spazieren, am liebsten rund um den Eisenbachsee. Hunde, erzählt Ursula Kamps, hat sie ihr Leben lang gehabt: Schon bei den Eltern spielten sie eine wichtige Rolle. Als Sozialdemokraten mussten sie in der NS-Diktatur insgesamt sieben Hausdurchsuchungen ertragen. Die Hunde, die die Gestapo nicht sofort ins Haus ließen, verschafften die nötige Zeit, um Belastendes verschwinden zu lassen. „Meine Mutter hat Hunde geliebt“, erinnert sich Kamps, „für meinen Vater waren sie Zweck.“

Das „soziale Denken“ ist für Ursula Kamps das politische Erbe, das ihr die Eltern mitgegeben haben. Dass mit Merlin Kamps zumindest ein Mitglied der nachfolgenden Generation als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in ihre politischen Fußstapfen getreten ist, freut Ursula Kamps, die sich, trotz mancher Wehwehchen, noch „altersgemäß fit“ fühlt. Erst kürzlich war sie mit ihrem Mann wieder zwei Wochen an der Nordsee. Einmal im Jahr fahren sie nahe Kitzbühel in die Berge. Ihren runden Geburtstag feiert sie im Kreis der Familie. Die großen Feste, die im Hause Kamps üblich waren, gehören seit der Corona-Pandemie der Vergangenheit an.

Groß geworden in einem hochpolitischen Haushalt, hat sie sich später, neben dem geliebten Lehrerinnen-Beruf an der Schlosswallschule, in die Arbeit im Gemeinde- und im Kreistag gestürzt, hat sich an vorderster Stelle bei der Arbeiterwohlfahrt engagiert, den Tafelladen gegründet und die Tennisabteilung der SG mit aus der Taufe gehoben. 70 Jahre lang war Ursula Kamps' Leben Stress pur. Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag – und führt „ein ruhiges Leben“. Aus der Kommunalpolitik hat sie sich

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