Schorndorf

Vandalismus auf Schulhöfen: Helfen Zäune?

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Ab 22 Uhr ist der Sportplatz hinter der Mensa in der Grauhalde eingezäunt. Wer trotzdem über den Zaun steigt, begeht Hausfriedensbruch. © ZVW/Alexandra Palmizi
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30 bis 40 randalierende Jugendliche vor der Gottlieb-Daimler-Realschule haben Anfang Februar 2019 Spuren hinterlassen.

Schorndorf.
Vandalismus im Schulzentrum Grauhalde, Schlägereien auf dem Künkelinschulhof und immer wieder Ruhestörungen auch rund um die Schlosswallschule. In Schorndorf sind Schulhöfe selbst in der kalten Jahreszeit Jugendtreffpunkte – mit allen negativen Begleiterscheinungen. Und obwohl in der Grauhalde ein Zaun seit Frühjahr 2019 Jugendliche davon abhalten soll, in den späten Abendstunden auf dem Tartan-Platz hinter der Mensa Radau und Rabatz zu machen, Anwohner sehen sich dennoch immer wieder gezwungen, an Wochenenden die Polizei zu rufen.

Zuletzt Anfang Dezember 2019: An einem Sonntagabend um halb sieben sind Jugendliche über den mannshohen Zaun geklettert und haben zum Ärger der Anwohner Feuerwerkskörper gezündet. Als die Polizei wenig später in der Grauhalde eintraf, türmten die Ruhestörer. Einer der Jugendlichen konnte laut Polizeibericht gefasst werden, die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt jetzt wegen Hausfriedensbruchs. Eine private Videoaufnahme vom August, die Jugendliche zeigt, wie sie gegen ein Uhr nachts über den Zaun klettern, liegt der Redaktion ebenfalls vor. Und der Ärger der Anwohner ist nachvollziehbar: Nachts von krakeelenden Jugendlichen aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist alles andere als schön – und nicht nur auf die Grauhalde beschränkt: Klagen gibt es immer wieder auch von Anwohnern der Künkelin- und der Schlosswallschule.

Drastische Maßnahme nach erheblicher Sachbeschädigung

Letztendlich, sagt Markus Jatzko, Leiter des Polizeireviers Schorndorf, müsste die Stadt ein Nutzungsverbot erlassen – was in Schorndorf nach Auskunft von Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich auch in der Tat diskutiert wird. Schulgelände generell einzuzäunen, das empfiehlt die Polizei nicht: „Das ist eine kommunalpolitische Entscheidung.“ Und noch gilt: Der abgeschlossene Schulhof ist in Schorndorf die Ausnahme.

Nachdem Jugendliche vor einem Jahr im Grauhalde-Schulzentrum an einem Samstagabend schwer randalierten, Feuerwerkskörper zündeten, Farbschmierereien hinterließen, einen Feuerlöscher versprühten, Abfall auf dem Gelände verteilten und in der Summe einen Sachschaden zwischen 10 000 und 15 000 Euro anrichteten, sah sich die Stadt zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen.

Im Frühjahr wurde um den Platz hinter der „Leckerhalde“ ein Zaun errichtet, der unter der Woche abends um 22 Uhr vom Hausmeister abgeschlossen wird, an den Wochenenden zum Teil auch schon früher. „Dadurch hat sich die Situation verbessert“, stellt Isabelle Kübler, kommissarische Leiterin des Fachbereichs Schulen und Vereine, fest. Ein Modell für andere Schulhöfe sieht sie darin nicht.

Und das ist auch gar nicht erwünscht: Obwohl erst Ende Dezember ein Fußball durch die Fensterscheibe eines Klassenzimmers im Erdgeschoss geflogen ist, sich wiederholt Jugendgruppen zu Schlägereien auf dem Schulhof getroffen haben und auch immer wieder leere Flaschen und Scherben von nächtlichen Gelagen zeugen, einen Zaun um den Schulhof der Künkelinschule wünscht sich Rektor Harald Schurr nicht. Da auch die Grundschüler in den Pausen davon profitieren, dass sie die öffentliche Fläche zwischen Schule und Künkelinhalle nutzen können, hält er eine Umzäunung für wenig sinnvoll. Und die Situation hat sich aus Sicht des Schulleiters ja schon verbessert: Seitdem mit der Renovierung vor eineinhalb Jahren große Strahler am Schulhaus montiert wurden, die den Pausenhof bei Dunkelheit hell erleuchten, und die Polizeistreife auch immer wieder vorbeifährt, muss der Hausmeister zumindest nicht mehr täglich Scherben wegkehren.

Auch an der Schlosswallschule besteht kein Bedarf: Der offene Holzzaun, der vor eineinhalb Jahren angebracht wurde, reicht Schulleiterin Karin Ehlert vollkommen. Für sie ist der Schulhof auch öffentlicher Spielplatz – mit allen damit verbundenen Einschränkungen: Dass manche Eltern ihre kleinen Kinder auf dem Schulhof abheben, findet Ehlert unmöglich; und natürlich gibt es auch immer wieder Jugendliche, die sich in den Abend- und Nachtstunden danebenbenehmen. Doch ein abschließbarer Zaun ist für Ehlert keine Alternative: „Wie hoch müsste der sein, dass Jugendliche nicht drübersteigen?“

Revierleiter hofft, dass Ruhe einkehrt

Letztendlich hat Revierleiter Jatzko die Hoffnung, dass mit dem kurz vor Weihnachten geglückten Ermittlungserfolg der Polizei endlich Ruhe in Schorndorf einkehrt: Für die Farbschmierereien an der Schlosswallschule und am Burggymnasium, die von September bis Dezember 2019 für Ärger sorgten, und für den verwüsteten Vorraum einer Bank in der Innenstadt – Gesamtschaden: 15 000 Euro – sollen insgesamt 18 junge Menschen zwischen zwölf und 18 Jahren verantwortlich gewesen sein. Einem weiteren Tatverdächtigen wurde der Diebstahl eines Motorrollers nachgewiesen. Zwei 13 und 14 Jahre alte Jungs konnten in Betreuungseinrichtungen untergebracht werden, der Jüngere in einen geschlossenen Bereich. Zudem hat die Stadt teils mehrmonatige Aufenthaltsverbote beziehungsweise Platzverweise verfügt. Diese verbieten fünf Jugendlichen, sich in weite Teile der Innenstadt zu begeben oder dort aufzuhalten.

Eine deutlich erhöhte sichtbare Polizeipräsenz soll in der Kernstadt außerdem präventiv wirken und das Sicherheitsgefühl stärken. Das Polizeirevier Schorndorf wird darum im Bereich des Bahnhofes und des Zugverkehrs von der Bundespolizei unterstützt. Dabei versucht die Polizei niederschwellig einzuschreiten, Ordnungswidrigkeiten und Straftaten konsequent zu verfolgen und die städtischen Verfügungen gegenüber Jugendlichen durchzusetzen. Ergänzend setzt die Stadtverwaltung den Kommunalen Ordnungsdienst ein.

Und im Grauhalde-Schulzentrum: Dort treffen sich Jugendliche beileibe nicht nur auf dem mittlerweile eingezäunten Tartan-Platz, sondern auch gerne am Rondell bei den Bushaltestellen auf Höhe der Gottlieb-Daimler-Realschule. Außerdem, berichtet Realschulleiterin Beate Flemming-Nikoloff, finden die Hausmeister immer wieder auf den Treppen zum alten Sportplatz und unter dem Vordach des Pavillons an den Wochenenden Müll und Scherben.


Kommunaler Ordnungsdienst

Seit etwa drei Jahren gibt es den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) in Schorndorf, der in Ergänzung zum Gemeindevollzugsdienst überwiegend in den Abend- und Nachtstunden sowie immer auch wieder an Wochenenden im Einsatz ist. Ziel des Kommunalen Ordnungsdienstes ist es, vor allem Ordnungswidrigkeiten vorzubeugen wie Verunreinigungen, Müllablagerungen, falsches Parken, Ruhestörungen, Sachbeschädigungen, aber auch Belästigungen, um das Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung zu stärken und die Attraktivität der Stadt zu erhöhen.

Der Kommunale Ordnungsdienst ist mit vier Vollzeitstellen besetzt, arbeitet im Schichtdienst und kontrolliert nach Auskunft von Erstem Bürgermeister Hemmerich bevorzugt an neuralgischen Punkten wie der Grauhalde und anderen Schulhöfen. Bevor sich die Situation dort beruhigt hat, wurde der KOD auch von der Mobilen Jugendarbeit unterstützt, die in Gesprächen versucht hat, die Jugendlichen zu sensibilisieren. Letztendlich hat der Kommunale Ordnungsdienst aber die gleichen Rechte wie die Polizei: Er darf Personen kontrollieren und dafür auch festhalten.

Schorndorf.
Vandalismus im Schulzentrum Grauhalde, Schlägereien auf dem Künkelinschulhof und immer wieder Ruhestörungen auch rund um die Schlosswallschule. In Schorndorf sind Schulhöfe selbst in der kalten Jahreszeit Jugendtreffpunkte – mit allen negativen Begleiterscheinungen. Und obwohl in der Grauhalde ein Zaun seit Frühjahr 2019 Jugendliche davon abhalten soll, in den späten Abendstunden auf dem Tartan-Platz hinter der Mensa Radau und Rabatz zu

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